03.03.2018
Alkohol in der Schwangerschaft – dauerhafte Schäden beim Kind
Regelmäßiger Alkoholkonsum birgt gesundheitliche Risiken. In der Schwangerschaft sollten Frauen unbedingt versuchen, komplett auf Alkohol zu verzichten.
Zwischen 20 und 30 % aller Frauen in Deutschland trinken regelmäßig so viel Alkohol, dass es als riskant angesehen werden muss. Besonders verbreitet ist ein solches riskantes Trinkverhalten bei Frauen über 30 Jahre mit hohem Bildungsniveau. Nur weniger als 20 % aller Frauen in Deutschland trinken niemals Alkohol; knapp 60 % trinken gelegentlich, aber nicht übermäßig.
Auch unter den Schwangeren trinkt ein beträchtlicher Anteil: Eine weltweite Studie zum hat ergeben, dass in Deutschland knapp 30% der Frauen in der Schwangerschaft weiter Alkohol zu sich nehmen . „Wir können wohl davon ausgehen, dass diejenigen Frauen, die vor der Schwangerschaft gelegentlich Alkohol getrunken haben, damit im Großen und Ganzen aufhören können, wenn sie erfahren, dass sie ein Baby bekommen. Diejenigen Frauen aber, die schon vor der Schwangerschaft mehr getrunken haben, als es für ihre Gesundheit gut war, trinken auch während der Schwangerschaft weiter", erläutert Dr. med. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte. „Dabei wissen wir, dass der Embryo derselben Alkoholkonzentration aber bis zu acht Mal länger ausgesetzt ist als die Mutter, da die kindliche Leber noch unreif ist. Während bei der Mutter durch einen Alkoholrausch zahllose bereits vorhandener Gehirnzellen zugrunde gehen, können sie sich beim Embryo unter dem längeren Alkoholeinfluss erst gar nicht bilden."
Frauen mit Kinderwunsch sollten unbedingt versuchen, komplett ohne Alkohol auszukommen. Wenn ihnen das nicht gelingt, sollten sie mit ihrer Frauenärztin oder ihrem Frauenarzt darüber offen sprechen und sich Hilfe holen, bevor sie schwanger werden. Dabei ist es hilfreich, wenn auch der Partner und das ganze Umfeld die Frau unterstützen und ebenfalls ihren Alkoholkonsum reduzieren.
„Viele Frauen machen sich nicht klar, dass sie mit dem Alkohol ihr Kind für sein ganzes Leben unwiderbringlich schädigen. Die Schäden, die das Zellgift Alkohol am Gehirn und am ganzen Körper anrichtet, sind nicht heilbar", erläutert Albring.
Fakten rund um den Alkohol
Ethanol ist ein sehr kleines Molekül. Es gelangt ohne jede Veränderung durch die Darmwand ins Blut, verteilt sich rasch im ganzen Körper, durchtritt mit Leichtigkeit die Schranke zwischen Blutgefäßen und Gehirn und ebenso die Schranke zwischen dem Blutkreislauf der Mutter und dem Embryo und kann sich an der äußeren Hülle, der Membran jeder einzelnen Körperzelle in Sekundenschnelle anbinden. Dadurch werden die Zellmembranen instabil und können ihre Funktion nicht aufrechterhalten. Die Zellen verlieren die wichtige Fähigkeit, untereinander Kontakt zu halten. Wenn zudem genügend Alkoholmoleküle auf die Zellmembran einwirken und diese Schädigung ausreichend lange andauert, geht die Zelle zu Grunde. In einem Glas Wein (200 ml) sind 10 g reiner Alkohol enthalten, was einer Menge von mehr als 1023 Alkohol-Molekülen entspricht. Das reicht aus, damit sich - zumindest theoretisch - an jeder einzelnen Körperzelle mehrere Millionen Alkoholmoleküle anbinden können .
Alkohol kann von den Zellen nicht abgebaut werden. Dafür ist allein die Leber zuständig, die dafür viele Stunden braucht. Eines der Abbauprodukte von Alkohol, das Acetaldehyd, ist ein noch stärkeres Gift als der Alkohol selbst.
Besonders stark von der toxischen Alkoholwirkung sind Zellen betroffen, die sich schnell teilen und stark spezialisierte Gewebe, die sich nach einem schädigenden Einfluss nicht gut regenerieren können. Beides trifft in besonderem Maß auf das Gehirn und das Nervensystem des ungeborenen Babys zu. Etwa 10.000 Kinder pro Jahr kommen in Deutschland mit schweren und bleibenden Alkoholschäden zur Welt. Diese Kinder haben ihr Leben lang unter teilweise schweren intellektuellen, sozialen und emotionalen Beeinträchtigungen zu leiden, werden häufig selbst abhängig und müssen vielfach ihr ganzes Leben lang in einer betreuenden Einrichtung leben. Aber auch viele andere Organsysteme können durch Alkohol in ihrer Entwicklung dauerhaft und schwer geschädigt werden - das Herz, Augen und Ohren, die Form des Gesichtsknochens, Gaumen und Zähne, Arme und Beine und das Genitale. Diese vielfältigen Schäden werden unter dem Begriff „Fetales Alkohol-Syndrom" - FAS - zusammengefasst.
Schätzungen gehen davon aus, das eines von 67 Babys, deren Mütter in der Schwangerschaft regelmäßig Alkohol getrunken haben, am Vollbild des FAS erkranken. Wie hoch die Zahl der Kinder mit unentdeckten Störungen wie Lernschwäche, Verhaltensauffälligkeiten, motorischen Problemen ist, die auf Alkoholkonsum in der Schwangerschaft zurückgeführt werden müssen, ist völlig unbekannt.
Quelle: Pressemitteilung © FOKO 2018
Tipp: Für Schwangere steht ein Online-Angebot zur Verfügung – die Plattform IRIS II www.iris-plattform.de. Das kostenlose therapeutische Online-Programm wendet sich speziell an schwangere Frauen, die Schwierigkeiten dabei haben, auf Alkohol oder Zigaretten zu verzichten.


