22.04.2013

47% weniger Schwangerschaftsabbrüche bei Jugendlichen seit 2006

Die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland liegt bei jungen Mädchen und Frauen erheblich unter denen im angloamerikanischen Raum und in vielen anderen europäischen Ländern.

Seit 2006 ist die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland bei Mädchen und Frauen bis 18 Jahren um 47% zurückgegangen, und zwar von 7247 Abbrüchen im Jahr 2005 auf 3835 Abbrüche im Jahr 2012. Das Statistische Bundesamt hat diese Zahlen vor wenigen Tagen auf seiner Homepage veröffentlicht. Damit liegt die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche bei jungen Mädchen und Frauen erheblich unter denen im angloamerikanischen Raum und in vielen anderen europäischen Ländern. In Deutschland wurden im Jahr 2012 auf 10.000 Frauen in dieser Altersgruppe 30 Schwangerschaftsabbrüche gezählt, in in der Schweiz 46, in Frankreich 56, den Niederlanden 70, den USA 130, in England Wales 150, in Österreich 175 und in Schweden 198.

„Wir gehen davon aus, dass mehrere Faktoren für diese ausgezeichneten Ergebnisse verantwortlich sind“, so der Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte, Dr. med. Christian Albring. „An erster Stelle scheint die wirkungsvolle Aufklärung der jungen Mädchen und ebenso ihrer Eltern zu stehen. Sexualität im Teenageralter wird in Deutschland zwar vielleicht nicht von allen begrüßt, aber sie wird auch nicht tabuisiert, so dass die jungen Mädchen und auch ihre Partner sich frühzeitig umfassend und sachlich informieren und rechtzeitig mit einer wirkungsvollen Verhütung beginnen können. Außerdem bieten wir in Deutschland seit 2006 eine spezielle Zusatzausbildung für niedergelassene Frauenärztinnen und –ärzte im Sinn einer ‚Mädchensprechstunde‘ an, die bis jetzt 6.000 Ärztinnen und Ärzte absolviert haben, und schulen die Kolleginnen und Kollegen speziell im Umgang mit diesen jungen Frauen. Das alles hat ganz offensichtlich dazu beigetragen, dass in Deutschland eine zuverlässige Verhütung schon bei jungen Frauen üblich und damit weltweit beispielhaft ist.“

Aber auch insgesamt liegt die Zahl der Abbrüche, bezogen auf 10.000 Frauen, in Deutschland auf einem weltweit beispielhaft niedrigen Niveau und nimmt kontinuierlich noch weiter ab (Abbildung 2): Sie beträgt in Deutschland 57 Abbrüche auf 10.000 Frauen; in den Niederlanden liegt sie bei 87, in Frankreich bei 151 Abbrüchen, in UK (England und Wales) bei 175 Abbrüchen auf 10.000 Frauen (2011), in Schweden bei 178 (2009), in den USA bei 196 auf 10.000 Frauen. In der Schweiz und in England/Wales stieg die Zahl der Abbrüche in den vergangenen Jahren sogar an.

Auch die seit 2010 in Deutschland erhältliche, moderne Notfallverhütung mit Ulipristalacetat hat, so vermutet Albring, zu dem weiteren Rückgang von Schwangerschaftsabbrüchen in Deutschland beigetragen: „Da die Frauen in Deutschland auf jeden Fall für die Notfallkontrazeption einen Arzt aufsuchen müssen, erhalten sie heute in fast allen Fällen das sehr sichere Ulipristalacetat. Die Rezeptfreiheit für das weniger sichere Levonorgestrel in den meisten Ländern der Welt trägt nirgends zu einem wirkungsvollen Rückgang der Schwangerschaftsabbrüche bei“, so der Frauenarzt. „Es besteht deshalb keinerlei Veranlassung, dieses ineffiziente Modell in Deutschland nachzuahmen.“

Literaturangaben: www.bvf.de/fach_info.php

Quelle: Pressemitteilung BVF

Autor/Autoren: äin-red