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Osteoporose

Therapie


Auf Grund der verschiedenen Messmethoden und individuellen Unterschieden im Alter, dem Knochenstoffwechsel und der Lebensweise, ist die exakte Diagnose einer Osteoporose mit Schwierigkeiten verbunden. Für die Behandlung ist es vor allem ausschlaggebend, die verschiedenen Formen (z. B. Altersosteoporose, postmenopausale u. a.) zu unterscheiden. Der Schweregrad der Osteoporose und ihre Behandlung richtet sich nach dem Alter des Patienten, dem Stoffwechselverhalten des Knochens oder weiteren Erkrankungen.

Grundsätzlich ist eine Osteoporose bis heute nicht vollständig heilbar - lediglich ihr Fortschreiten kann durch eine Behandlung verzögert werden. Allerdings kann bereits ein verzögerter Knochenabbau eine deutliche Verbesserung des Krankheitsbildes bewirken. Die Behandlung richtet sich damit immer nach der individuellen Situation des Patienten. Besteht bereits ein Wirbelkörperbruch, kann dessen Versorgung und die Schmerzlinderung im Vordergrund stehen, während in einem früheren Stadium eine Beeinflussung des Knochenstoffwechsels das Hauptziel darstellen kann.

Eine Osteoporosebehandlung kann aus folgenden Komponenten bestehen:

Basistherapie mit Kalzium und Vitamin D

Für eine Stärkung des Knochenaufbaus stellt die medikamentöse Zufuhr von Kalzium und Vitamin D die Basistherapie dar. Vitamin D fördert die Aufnahme von Kalzium ins Blut und seinen Einbau in den Knochen. Da der Einbau nur bei einer ausreichenden Kalziummenge erfolgen kann, werden Vitamin D und Kalzium in der Regel in Form von Tabletten, Brausetabletten oder Pulver zusammen eingenommen. Dabei sollte die Zufuhr von Vitamin D über ein Jahr 1000 IE (Internationale Einheiten) und diejenige von Kalzium 1000 mg entsprechen.

Medikamentöse Therapie

Es werden zwei Gruppen von Medikamenten unterschieden: solche, die eine erhöhte Knochenabbaurate bremsen (Antiresorptiva) und solche, die den Muskel- und Knochenaufbau stimulieren (Anabolika). Zu den Antiresorptiva zählen Bisphosphonate (z. B. Alendronat, Risedronat, Eidronat), Kalzitonin, Östrogene (weibliche Geschlechtshormone), selektive Östrogen-Rezeptor-Modulatoren (SERM) und aktivierte Formen von Vitamin-D (Vitamin-D-Metabolite). Antiresorptiva können einer stark erhöhten Knochenabbaurate entgegenwirken.

Bisphosphonate können bei allen Formen der Osteoporose eingesetzt werden und haben auch bei langjähriger Anwendung keinen negativen Einfluss auf die Knochenqualität - bei den neueren Präparaten treten keine Mineralisationsstörungen mehr auf. Zudem haben sie geringe Nebenwirkungen, sollten jedoch nicht in der Schwangerschaft oder Stillzeit eingenommen werden.

Kalzitonin wird entweder unter die Haut gespritzt oder über ein Nasenspray aufgenommen. Seine starken Nebenwirkungen wie Hitzegefühl bis hin zu Erbrechen schränken eine Anwendung über einen längeren Zeitraum deutlich ein. Es kann jedoch zur akuten Schmerzbehandlung zum Einsatz kommen.

SERMs sind Stoffe, die einige Wirkungen des Östrogens besitzen, jedoch nicht alle. Sie können den Knochenabbau verringern und vor allem das Risiko eines Wirbelkörperbruches senken.

Besteht das primäre Behandlungsziel in einem Aufbau von Knochensubstanz, kommen Fluoride, Testosteron (männliches Geschlechtshormon), Parathormon (Teriparatid) und Strontium zum Einsatz. An der Wirksamkeit der bis vor einigen Jahren verwendeten Fluoride bestehen heute erhebliche Zweifel. Die Gabe von Parathormon und Strontium stellen neuere Therapieansätze dar. Während Strontium sich noch in der Erprobung befindet, scheint der unter Einfluss des Parathormons neu gebildete Knochen alle Merkmale eines normalen Knochens zu besitzen. Das Parathormon muss unter die Haut injiziert werden.

Ob das Behandlungsziel erreicht wird oder nicht, kann sowohl mittels einer nachfolgenden Knochendichtemessung als auch mit einer Laboruntersuchung des Blutes oder des Urins festgestellt werden.

Hormonersatztherapie

Insbesondere die Östrogenersatztherapie bei Frauen ist eine Möglichkeit, wenn andere Therapieformen nicht angewandt werden können. Heute wird die Hormonersatztherapie bei Frauen in den Wechseljahren wieder als Standardbehandlung verordnet. Eine Alternative können pflanzliche Östrogenvarianten (Phytoöstrogene) darstellen, deren positive Wirkungen bisher jedoch nicht eindeutig bestätigt werden konnten und die in der erforderlichen hohen Dosis eine Reihe von Nebenwirkungen hervorrufen können.

Schmerztherapie

Bei Patienten mit bestehender Osteoporose steht oft zunächst eine Schmerztherapie im Vordergrund. Zu den am häufigsten verwendeten Schmerzmedikamenten gehören nichtsteroidale Antiphlogistika (NSAID), die jedoch bei längerer Einnahme Magen-Darm-Beschwerden verursachen können. Eine Alternative stellen COX-2-Hemmerdar, welche für Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen aber nicht geeignet sind.

Daneben können auch muskelentspannende Medikamente dazu beitragen, die durch Fehlstellungen hervorgerufenen Schmerzen zu lindern. Bei stärkeren Schmerzen können Opiate eingesetzt werden. Eine Alternative stellen physikalische Maßnahmen wie Massagen, Akupunktur, Kälte- oder Wärmebehandlungen dar. Auch Elektrotherapien und Hydrotherapien sind möglich.

Bewegungstherapie

Aktives Muskeltraining stärkt die Knochen und Muskulatur und trägt so zur Schmerzlinderung bei. Schon regelmäßiges Spazieren gehen fördert den Knochenaufbau und stimuliert die körpereigene Vitamin D-Produktion. Wichtiger als die Intensität der Übungen ist deren Regelmäßigkeit.

Zur Stärkung der Rücken- und der Bauchmuskulatur werden häufig krankengymnastische Behandlungen mit Entspannungs- und Atemübungen durchgeführt. Beugende Übungen der Wirbelsäule sollten vermieden werden, weil sie die betroffenen Wirbel zu stark belasten. Wenn es der Krankheitsverlauf erlaubt, kann die Krankengymnastik durch eine Sporttherapie abgelöst werden. Gymnastik, Schwimmen, Aqua-Jogging, Wandern oder Walking und Radfahren sind besonders geeignet. Aber auch ein leichtes Krafttraining unter fachmännischer Betreuung kann sinnvoll sein. Eine Sporttherapie sollte unter ärztlicher Anleitung durchgeführt werden.

Knochenbewusste Ernährung

Neben diesen Behandlungsansätzen gehört eine Ernährungsumstellung auf eine kalziumreiche Ernährung zur Basistherapie. Fisch, Milch und Milchprodukte sowie Eier und Kalziumsalze sind dafür geeignet. Die kalziumreiche Ernährung kann durch die Einnahme von Kalzium und Vitamin D in Form von Tabletten oder als lösliches Pulver unterstützt werden. Die Vitamin D-Einnahme muss mit der Kalziumgabe abgestimmt werden, damit es nicht zu einer Hyperkalzämie kommt.

Sturzprophylaxe

Bei einer bestehenden Osteoporose empfiehlt es sich, das eigene Sturzrisiko zu reduzieren. Dies kann zum einen durch eine gute Ausleuchtung von Zimmern und einer Beseitigung von Stolperfallen (z. B. Telefonkabel, rutschige Unterlagen) erfolgen, zum anderen durch das Tragen spezieller Kleidung. Handflächengroße Kunststoffschalen, die in die Unterhose eingenäht werden, bieten einen wirksamen Schutz bei Stürzen. Bereits bestehende Wirbelkörperbrüche können durch speziell angepasste Stützmieder (Orthesen) stabilisiert und entlastet werden.

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