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08.12.2017

Krankheiten der Gebärmutter haben Folgen für den Kinderwunsch

Krankheiten der Gebärmutter, die zur Kinderlosigkeit führen können, sind nicht selten. In vielen Fällen allerdings kann die Kinderwunschmedizin eine Lösung finden, damit die Frau Mutter eines eigenen Babys werden kann. Auf dem 7. DVR-Kongress, dem führenden wissenschaftlichen Kongress für Kinderwunschmedizin in Deutschland, hat sich deshalb eine ganze Vortragsreihe mit diesen Krankheiten befasst und mit den Möglichkeiten, sie zu behandeln.

Endometriose - die Entzündung in den Griff bekommen

Bei der häufigsten dieser Erkrankungen handelt es sich um die Endometriose , an der fast jede zehnte Frau leidet. Dabei breiten sich Zellen, die eigentlich nur im Inneren der Gebärmutter wachsen sollen, auch in den Eileitern, auf den Eierstöcken, der Harnblase oder im Bauchraum aus. Wenn die Regelblutung einsetzt, bluten auch diese Inseln aus Gebärmutter-Gewebe. Deshalb haben diese Mädchen und Frauen zunehmend schwere bis schwerste Schmerzen während der Menstruation, und zwar nicht nur an typischer Stelle im Unterleib, sondern auch seitlich, nach oben oder zum Rücken ausstrahlend. Solange kein Kinderwunsch besteht, helfen Arzneimittel oft sehr gut, die das Wachstum der Gebärmutter-Schleimhaut eindämmen und teilweise auch als hormonelle Verhütungsmittel verwendet werden können. Mit diesen Arzneimitteln können die Schmerzen oft weitgehend beseitigt werden.

Frauen mit Endometriose haben ganz typische Veränderungen ihrer Immunabwehr, wie die Biologin Franziska Würfel vom Labor für Molekulare Medizin der Universitäts-Frauenklinik Erlangen erläuterte. Zum einen sieht es so aus, als ob die natürlichen Abwehrzellen wie beispielsweise die sogenannten Natürlichen Killerzellen im Bauchraum zu inaktiv wären, um die Endometriose-Inseln auf natürlichem Weg aufzulösen. Auf der anderen Seite rufen die fehlgesteuerten Ansiedlungen des Gebärmutter-Gewebes Entzündungen hervor, die ihrerseits Immunreaktionen hervorrufen, die das Gewebe in der Gebärmutter verändern. Diese Einflüsse sind so stark, dass Frauen mit einer unbehandelten Endometriose oft keine Kinder bekommen können.

Das beste Vorgehen ist es deshalb, dies betonte Dr. med. Sebastian D. Schäfer, Universitäts-Frauenklinik Münster, die Endometriose-Herde möglichst vollständig zu finden und operativ zu entfernen. Dadurch wird die Immunreaktion beseitigt, die Entzündung heilt ab, und die Frau kann auf natürlichem Weg schwanger werden.

Endometriose-Operationen sind technisch sehr anspruchsvoll und brauchen viel Erfahrung des frauenärztlichen Operationsteams. Deshalb empfahl Prof. Schäfer dringend, sich für die Diagnostik und für die Operation selbst in ein Endometriose-Zentrum zu begeben, selbst wenn die Wege dorthin sehr lang sein sollten. Die Chancen, dass möglichst viele der Endometriose-Inseln gefunden und ohne Beschädigung der befallenen Organe entfernt werden können, sind dann sehr viel größer. Viele Untersuchungen haben bewiesen, dass damit auch die Chance der Frau ganz deutlich ansteigt, später schwanger werden zu können.

Myome - Tumore, die das Baby verdrängen

Eine zweite sehr häufige Krankheit der Gebärmutter, die nicht nur zu dauerhaften Blutungen und Schmerzen führen kann, sondern auch zu Kinderlosigkeit, sind Myome , also gutartige Wucherungen des Muskelgewebes der Gebärmutter. Solange Myome klein sind, langsam wachsen und in tiefen Wandschichten der Gebärmutter verboren liegen, stören sie eine Schwangerschaft oft nicht, wie Prof. Dr. med. Jörg Engel, Chefarzt der Frauenklinik am Krankenhaus Nordwest, Frankfurt, erläuterte. Wenn sie dagegen oberflächlich und schnell wachsen, und zahlreich oder sehr groß sind, dann wird das Wachstum des Embryos häufig so sehr gestört, dass die Schwangerschaft verloren geht. In diesen Fällen müssen die Myome behandelt werden, bevor die Frau plant, schwanger zu werden.

Zu der Behandlung gehört heute häufig eine Vorbehandlung mit dem Arzneimittel Ulipristalacetat, das den natürlichen Einfluss des Hormons Progesteron auf die Gebärmutter blockiert und Myome verkleinern kann. Nach der Vorbehandlung folgt eine Operation. Dabei ist wichtig, dass wirklich alle Myome vom Operateur erreicht und entfernt werden können. Daran richtet sich die Art des Eingriffs aus. Nach der Operation muss über mehrere Monate eine vollständige Heilung abgewartet werden, bevor eine Schwangerschaft geplant werden kann.

Solange die Frau nicht ausschließen kann, dass sie später noch Kinder bekommen möchte, muss die Behandlungsmethode darauf Rücksicht nehmen, betonte Prof. Engel. Eine Verödung von Blutgefäßen, wodurch die Myome ausgetrocknet werden sollen, kommt bei Frauen mit Kinderwunsch nicht in Frage. Das Gleiche gilt derzeit noch für den fokussierten Ultraschall, mit dem die Myome durch Überhitzung behandelt werden. Da noch keine Erfahrungen mit Schwangerschaften nach diesen Behandlungen vorliegen, wird derzeit eine Ultraschallbehandlung nicht empfohlen, wenn eine Frau noch Kinder bekommen möchte.

Fehlbildungen - häufig gut operabel

Ein weiteres Problem, von dem Frauen oftmals erst erfahren, wenn sie sich wegen eines vergeblichen Kinderwunsches in der Spezialsprechstunde vorstellen, sind Fehlbildungen der Gebärmutter. Hier gibt es verschiedene, typische Varianten, die alle mit der Entstehung der Gebärmutter in der Zeit zu tun haben, als die Frau selbst noch ein Embryo war, erläutert Prof. Dr. med. Thomas Römer, Chefarzt an der Frauenklinik des Klinikums Köln-Weyertal. Die häufigste Variante ist eine Trennwand in der Mitte der Gebärmutter, ein sogenanntes Septum. Weiterhin kann der Uterus zwei völlig voneinander getrennte Höhlen haben, in anderen Fällen gibt es zwei Höhlen, die durch eine schmale Öffnung miteinander verbunden sind. Viele dieser Veränderungen können heute operativ so behandelt werden, dass anschließend eine normale Schwangerschaft möglich ist, betont Prof. Römer. Die Entfernung eines Septums durch eine schonende, minimal-invasive Operation ist heute für geübte Operateure ein Standardverfahren. Auch bei einer zweigeteilten Gebärmutter kann mit den Methoden der modernen Chirurgie heute eine Gebärmutter aufgebaut werden, die in glücklichen Fällen später in der Lage sein kann, eine Schwangerschaft zuzulassen. Die Geburt wird dann allerdings immer als Kaiserschnitt erfolgen.

Gebärmutter-Transplantationen - bald keine Einzelfälle mehr

Wenn eine Frau überhaupt keine Gebärmutter hat - sei es von Geburt an oder nach einer Operation - , ist eine Schwangerschaft nicht mehr möglich. In wenigen Einzelfällen haben Operationsteams vor allem in Schweden, den USA und in Tschechien und vor einem Jahr erstmals in Deutschland, nämlich am Universitätsklinikum Tübingen, Frauen eine Gebärmutter transplantiert, wie Prof. Dr. med. Sara Y. Brucker von der Universitäts-Frauenklinik Tübingen auf dem DVR-Kongress darlegte. In einigen Fällen außerhalb von Deutschland sind nach einer ausreichend langen Heilungsphase Kinderwunschbehandlungen mit einer künstlichen Befruchtung geglückt und bereits gesunde Kinder auf die Welt gekommen. Bei anderen Frauen gab es Probleme mit der Durchblutung der neu eingesetzten Gebärmutter, oder die Abstoßungs-Reaktionen konnten nicht beherrscht werden, so dass das fremde Organ wieder entfernt werden musste.

Während alle oben genannten Verfahren bewährte Methoden sind, um Frauen mit Kinderwunsch zu einer Schwangerschaft zu verhelfen, sind Transplantationen einer Gebärmutter - Spenderin sind meist sehr nahe Verwandte der Patientin - derzeit noch Einzelfälle. „Je mehr Erfahrung weltweit und in jedem einzelnen Operationszentrum vorhanden ist, umso genauer wissen wir, in welchen Situationen ein solcher Eingriff Erfolg verspricht und wann nicht." Dass derartige Transplantationen keine Einzelfälle bleiben werden, davon geht Prof. Brucker aus: „Wir schätzen, dass allein in Deutschland bis zu 10.000 Frauen leben, die von Geburt an oder nach einer Krankheit keine Gebärmutter mehr haben, und denen wir mit dieser Methode dazu verhelfen könnten, trotzdem Mutter zu werden."

© DVR-Kongress 2017



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