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02.11.2017

Malaria in der Schwangerschaft und Stoffwechselstörungen bei Nachkommen

Es besteht ein direkter Zusammenhang zwischen Malaria in der Schwangerschaft und dem späteren Auftreten von Stoffwechselstörungen bei den Nachkommen. Hierzu zählen ein gestörter Zuckerstoffwechsel und Bluthochdruck. Das ist das Ergebnis einer im Jahr 2000 gestarteten Gesundheitsstudie in Ghana/Westafrika, an der 155 Mutter-Kind-Paare teilgenommen haben. Das internationale Wissenschaftlerteam um Ina Danquah vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE), zu dem auch Forscher der ghanaischen Kwame Nkrumah University of Science and Technology und der Charité - Universitätsmedizin Berlin gehören, veröffentlichte seine Resultate nun in der Fachzeitschrift Journal of Infection (G. Bedu-Addo et al., 2017; DOI: 10.1016/j.jinf.2017.08.010).

Stoffwechselerkrankungen nehmen südlich der Sahara zu

In den afrikanischen Ländern südlich der Sahara hat die Zahl der Menschen deutlich zugenommen, die von nicht-übertragbaren Stoffwechselerkrankungen betroffen sind. So sind allein in Ghana etwa 10 Prozent der Erwachsenen an einem Typ-2-Diabetes erkrankt, 20 Prozent sind krankhaft übergewichtig und 41 Prozent leiden unter zu hohem Blutdruck. Gleichzeitig sind viele Ghanaer von Malaria betroffen. Diese von Mücken übertragene Infektionskrankheit führt besonders bei Kleinkindern zu lebensbedrohlichen Zuständen. In Gebieten, in denen Malaria besonders stark verbreitet ist, verläuft die Erkrankung jedoch bei vielen Schwangeren ohne auffällige Symptome. Sie geht aber häufig mit einer Blutarmut der Mütter, Entzündungen des Mutterkuchens (Plazenta) und einer gestörten Entwicklung des ungeborenen Kindes einher. Als Resultat sind die Neugeborenen oft untergewichtig und kommen zu früh zur Welt.

Obwohl in Westafrika Malaria, Typ-2-Diabetes und Bluthochdruck weit verbreitet sind, sind nach Angaben der Forscher mögliche Zusammenhänge zwischen dem Auftreten dieser Krankheiten nur unzureichend untersucht. Um mehr über diese Zusammenhänge zu erfahren, werteten die Wissenschaftler die medizinischen Daten von 155-Mutter-Kind-Paaren aus, die an der Gesundheitsstudie im ländlichen Ghana teilgenommen hatten. Die Daten waren kurz nach der Entbindung von den Müttern und Neugeborenen sowie 15 Jahre später von den Teenagern erhoben worden. Zum Zeitpunkt der Entbindung waren 45 Prozent der Mütter mit Malaria infiziert. 82 der Kinder waren männlich und 73 weiblich.

Die Auswertung der Daten belegt einen direkten Zusammenhang zwischen dem Auftreten von Malaria während der Schwangerschaft und einen erhöhten Nüchtern-Blutzuckerwert der Nachkommen im Teenageralter. Die systolischen bzw. diastolischen Blutdruckwerte der Jugendlichen, deren Mütter zur Zeit der Geburt infiziert waren, überstiegen die Werte der anderen Kinder ebenfalls. Die beobachteten Beziehungen waren dabei unabhängig vom Alter der Mutter bei der Entbindung, der Anzahl vorangegangener Schwangerschaften sowie dem familiären sozioökonomischen Status. Die Schwangerschaftsdauer, das Geburtsgewicht der Kinder oder der Body-Mass-Index der Jugendlichen beeinflussten die beobachteten Zusammenhänge nur unwesentlich.

Die an der Studie beteiligten Wissenschaftler sind sich einig, dass auch wenn die Studie relativ klein ist, sie doch deutliche Zusammenhänge erkennen lässt. Nach ihren Angaben lieferten ihre Ergebnisse schon heute ein weiteres Argument dafür, die Malariaprävention und -therapie zu verstärken, um auch den in der Bevölkerung immer häufiger auftretenden Diabetes- und Bluthochdruckerkrankungen zu begegnen. Zukünftig seien natürlich weitere und umfassendere Studien notwendig. Diese sollten auch molekulare Untersuchungen einschließen, um den biochemischen Mechanismen auf die Spur zu kommen, die die Krankheiten miteinander verbinden.

Während Schwangerschaft wird vor Reisen in Malariagebiete grundsätzlich abgeraten

Eine Erstinfektion mit Malaria nimmt in der Schwangerschaft meistens einen schwereren Verlauf als normal und verursacht daher eine erhebliche Gefährdung von Mutter und Fetus. Wer es vermeiden kann, sollte während einer Schwangerschaft nicht in Malaria-Gebiete reisen. Lässt sich eine Reise in die Tropen nicht vermeiden, gilt es Risiken abzuwägen und die optimale Medikation für Mutter und Kind zu finden. Schwangere Frauen sollten sich hierzu intensiv reisemedizinisch beraten lassen.

Literatur: George Bedu-Addo, Marie Alicke, Justice K. Boakye-Appiah, Inusah Abdul-Jalil, Markus van der Giet, Matthias B. Schulze, Frank P. Mockenhaupt, Ina Danquah: In utero exposure to malaria is associated with metabolic traits in adolescence: The Agogo 2000 birth cohort study,Journal of Infection 75, Published online: August 26, 2017.

Quelle: Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke auf idw



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