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25.09.2017

Frauen zunehmend von Alkoholsucht betroffen

Alkoholsucht trifft nach Darstellung von Experten immer häufiger auch Frauen - ihr Alkoholkonsum nähert sich dem von Männern zusehends an. „War ein problematisches Trinkverhalten zu Beginn des letzten Jahrhunderts bei Männern noch dreimal so verbreitet wie bei Frauen, lagen Männer zum Ende des 20. Jahrhunderts nur noch geringfügig vorne", erläutert der Chefarzt der Oberbergklinik Berlin/Brandenburg, Bastian Willenborg.

Insbesondere junge Menschen trinken heute annähernd gleich viel, berichtet sagt der Spezialist für Suchterkrankungen: Bei Personen, die zwischen 1991 und 2000 geboren wurden, bestünden kaum noch geschlechtsspezifische Unterschiede in Bezug auf ihren Alkoholkonsum, wie internationale Studien zeigten. Experten raten Frauen, nicht mehr als 0,25 Liter Bier oder 0,1 Liter Wein am Tag zu trinken. Für Männer gilt maximal die doppelte Menge. An mindestens zwei Tagen pro Woche sollten beide Geschlechter komplett auf Alkohol verzichten. Allerdings geht aus dem Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung hervor, dass der Alkoholkonsum von Kindern und Jugendlichen deutlich zurückgegangen ist. Vor allem das sogenannte Komasaufen hat demnach stark nachgelassen.

Belastungsdruck hat bei Frauen zugenommen

Warum trinken nun Frauen immer öfter zu viel Alkohol? Frauen seien heute viel eigenständiger und emanzipierter als früher, erklärt Willenborg. Damit sei auch der Druck gestiegen. Bestes Beispiel sei die Doppelbelastung aus Beruf und Haushalt. Wie Männer versuchten sie dann, mit Alkohol Stress und Probleme wegzudrücken. Um etwa die Familie zusammenzuhalten, gerieten eigene Bedürfnisse und Emotionen schnell in den Hintergrund. Hier komme dann Alkohol als scheinbares Hilfsmittel ins Spiel.

Dabei gibt es besonders für Frauen gute Gründe, äußerst behutsam mit Alkohol umzugehen, wie Willenborg erläutert: «Weibliche Körper haben einen höheren Fett- und einen niedrigeren Wasseranteil als männliche. Da sich der Alkohol auf weniger Flüssigkeit verteilt und Frauen für gewöhnlich eine geringere Masse haben, werden sie dementsprechend schneller betrunken.» Zudem könnten Frauen Alkohol nicht so schnell abbauen. Außerdem sei das Risiko für Herz- und Gehirnschäden bei weiblichen Menschen höher. Und: «Das Brustkrebsrisiko steigt selbst bei gemäßigtem Konsum», sagt Willenborg.

Alkohol in der Schwangerschaft ist hoch problematisch

Besonders gefährlich ist Alkohol in der Schwangerschaft. Rund 2000 Kinder kommen jedes Jahr mit massiven Behinderungen zur Welt, weil ihre Mütter während der Schwangerschaft Alkohol getrunken haben. Die Schädigungen erstrecken sich vom Wachstum über das Zentrale Nervensystem bis zu auffälligen Veränderungen im Gesicht. Schätzungen gehen davon aus, dass pro Jahr rund 10000 Neugeborene mindestens Teilstörungen erleiden. Alle Formen dieser vorgeburtlichen Schädigungen werden unter dem Begriff FASD (fetale Alkoholspektrum-Störungen) zusammengefasst. Trotz aller Warnungen halten immer noch 18 Prozent der Bundesbürger ein gelegentliches Gläschen Sekt oder Bier während der Schwangerschaft für vertretbar.

Hilfsangebote für Menschen, die ihren Alkoholkonsum verändern möchten:

Ein Gespräch in einer Beratungsstelle kann helfen! Auf einer Webseite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) finden sie Informationen, warum ein Gespräch hilfreich und entlastend sein kann: Die Beratung Gemeinsam nach neuen Wegen suchen https://www.kenn-dein-limit.de/alkohol/alkoholabhaengigkeit/behandlung-therapie/beratung/#_

Über die Website der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) ist auch eine Suche nach Beratungsstellen in Ortsnähe möglich. Wer selbstständig seinen Alkoholkonsum verändern will, kann dies mit Unterstützung des online Hilfeprogramms www.selbsthilfealkohol.de versuchen.

Auch für Schwangere steht ein Online-Angebot zur Verfügung - die Plattform IRIS II http://www.iris-plattform.de. Das kostenlose therapeutische Online-Programm wendet sich speziell an schwangere Frauen, die Schwierigkeiten dabei haben, auf Alkohol oder Zigaretten zu verzichten.

Quelle: dpa


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