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31.07.2017

Stillen: Besiedlung mit gesundheitsförderlichen Bakterien im Baby-Darm

Eine aktuelle amerikanische Studie fand heraus, dass durch das Stillen nützliche Bakterien von Müttern auf ihre Kinder übertragen werden. 30 Prozent der nützlichen Bakterien, die im Darmtrakt eines Babys landen, stammen direkt aus der Muttermilch und weitere 10 Prozent von der Haut der mütterlichen Brust.

Darüber hinaus profitieren gestillte Babys von den gesundheitsförderlichen Bakterien der Mutter noch über das Stillen hinaus, auch wenn sie schon feste Nahrung zu sich nehmen.

Nach der Geburt gelangen nützliche Bakterien von der Mutter und Umwelt in den Darm des Säuglings und „bevölkern" ihn. Sie helfen dabei die Nahrung zu verdauen und das Immunsystem des Babys zu trainieren, damit es gesundheitsförderliche von gesundheitsschädlichen Bakterien unterscheiden lernt. Bis heute verstehen Wissenschaftler noch nicht vollständig, welche Mechanismen das Baby dabei unterstützen, eine gesunde Darmflora aufzubauen, die aus einer vielfältigen Gemeinschaft von Bakterien besteht.

"Muttermilch ist eine erstaunliche Flüssigkeit, die sich durch Millionen von Jahren der Evolution entwickelt hat, um Babys gesund zu erhalten und insbesondere ihr Immunsystem zu stärken", sagte Studienleiterin Professor Dr. Grace Aldrovandi von der Universität von Kalifornien, Los Angeles (UCLA) "Wir haben einen neuen Mechanismus identifiziert, der dazu beiträgt, dass Babys gesünder werden." Die Ergebnisse erschienen in der 8. Mai-Ausgabe der „JAMA Pediatrics". Die Studie, die 107 Mutter-Säuglingspaare beobachtete, sei bis dato die größte, die den Transfer von Bakterien von der Milch in den Darm des Babys zeige, erklärte Aldrovandi.

Eine gesunde Darmflora schützt vor Erkrankungen

Frühere Untersuchungen haben gezeigt, dass eine ausgewogene Bakteriengemeinschaft im Darm eine wichtige Rolle für die Anfälligkeit eines Menschen gegenüber Immunkrankheiten spielt. Zum Beispiel haben Kinder, die Typ-1-Diabetes entwickeln, Anomalien in ihrer Darm-Flora. Ein gesunder Darm schützt anscheinend ein Leben lang gegen Allergien, Asthma und entzündliche Darmerkrankungen. "Mittlerweile wissen wir immer mehr zu schätzen, wie diese Bakteriengemeinschaften, besonders im Darm, Böses bzw. Gesundheitsschädliches abwehren", so Aldrovandi. "Wir wissen von Tiermodellen, dass derjenige, der gute Bakterien in seinem frühen Leben erhalten hat, auch eher gesund ist."

Während des ersten Lebensjahres der Babys sammelten Forscher Bakterien-Proben von der Muttermilch, vom Säuglingsstuhl und von der Haut um die mütterliche Brustwarze. Sie analysierten die Proben, um zu beurteilen, welche Bakterien Mütter und Säuglinge gemeinsam aufwiesen, und berechneten die relative Häufigkeit der Bakterien. Der Ursprung der Muttermilchbakterien bleibt den Experten zufolge unklar. Eine Hypothese ist, dass sie vom Darm der Mutter zur Brust wandern. In der Arbeit wurde nicht untersucht, wie Babys, die nur mit dem Fläschchen gefüttert werden, eine gesunde Darmflora erhalten.

Langzeitergebnisse dürften interessant sein

Aldrovandi und Kollegen wollen im Rahmen zukünftiger Forschungsarbeiten noch Proben in der späten Kindheit sammeln und bewerten, um den Übergang von der kindlichen Darmflora zu einem erwachsenen Mikrobiom besser zu verstehen. Sie möchten im Labor testen, welche Bedeutung Bakterien, die die Kinder während der Stillzeit erhalten, bei den Immunantworten von Säuglingen haben und ermitteln, welche nützlichen Bakterien bei Personen mit bestimmten Krankheiten fehlen.

Quelle: NewsWise , JAMA Pediatrics von kinderaerzte-im-netz.de



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