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15.06.2017

Studie: Brustkrebs-Patientinnen profitieren von personalisiertem Training

Regelmäßige körperliche Aktivität hat einen positiven Effekt – auch bei kranken Menschen. Diese Erkenntnis ist mittlerweile vielfach bestätigt. Noch nicht geklärt ist jedoch, welche Patienten mit welcher Erkrankung welche Art von Training benötigen. Im Rahmen einer Studie mit Brustkrebs -Patientinnen konnte der Sportwissenschaftler Priv.-Doz. Dr. Freerk Baumann vom Centrum für Integrierte Onkologie (CIO) an der Uniklinik Köln jetzt nachweisen, dass der Schlüssel für nachhaltig positive Effekte in der Personalisierung des Trainings liegt. Die Studienergebnisse wurden nun im internationalen Fachmagazin Supportive Care in Cancer veröffentlicht.

Die Studie wurde in Kooperation mit Prof. Dr. Monika Reuss-Borst, Ärztliche Koordinatorin der Reha-Zentren Bad Kissingen und Bad Mergentheim, sowie mit der Deutschen Sporthochschule Köln durchgeführt. Finanziell gefördert wurde die Studie von der Deutschen Rentenversicherung Baden-Württemberg. Insgesamt nahmen 194 Patientinnen mit Brustkrebs teil.

Die erste Gruppe von 111 Patientinnen durchlief ein speziell auf sie zugeschnittenes – personalisiertes – dreiwöchiges Training in einer Rehabilitationsklinik. Anschließend wurde diese Gruppe nach jeweils vier beziehungsweise acht Monaten noch einmal für jeweils eine Woche stationär aufgenommen und erhielt zusätzlich eine auf sie persönlich zugeschnittene Empfehlung für das Training zu Hause. Darin wurde beispielsweise berücksichtigt, welche sportlichen Vorlieben oder Gewohnheiten jede einzelne Patientin hat oder welche Trainingsmöglichkeiten vor Ort bestehen. Auch Kontakte zu lokalen Krebssportgruppen wurden hergestellt.

Die zweite Gruppe (sogenannte Kontrollgruppe) mit 83 Patientinnen erhielt eine leitliniengerechte Standard-Reha ohne weitere Betreuung oder Anleitung, was der heute gängigen Rehabilitationspraxis für Brustkrebs-Patientinnen entspricht.

Beide Gruppen wurden im Laufe der Studie insgesamt fünf Mal befragt: das erste Mal vier Monate nach Beginn der Intervention und das letzte Mal zwei Jahre danach. Dabei ging es um die Klärung von zwei Fragestellungen: Gibt es einen Unterschied der Gruppen in Bezug auf ihr körperliches Bewegungsverhalten und ist ein Zusammenhang mit dem Auftreten typischer Nebenwirkungen wie zum Beispiel Müdigkeit (Fatigue-Syndrom) nachweisbar?

Deutliche bessere Ergebnisse bei personalisiertem Training

Die Ergebnisse zeigten für beide Fragestellungen einen signifikanten Unterschied: Bei den Patientinnen, die ein Trainingsprogramm erhielten, das auf ihre persönlichen Vorlieben und Fähigkeiten zugeschnitten war, hat sich das körperliche Aktivitätsniveau über die zwei Jahre deutlich verbessert. 75 Prozent der Patientinnen erreichten die Bewegungsempfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von mindestens 150 Minuten moderater Aktivität pro Woche. Die Kontrollgruppe konnte sich dagegen nur leicht steigern. Auch das Fatigue-Syndrom wurde signifikant reduziert und die gesundheitsbezogene Lebensqualität konnte insgesamt gesteigert werden. Für Frauen, die an Brustkrebs erkrankt sind, konnten somit eindeutige und nachhaltig positive Effekte nachgewiesen werden, sofern sie nach einem individuell angepassten Programm trainieren.

Priv.-Doz. Baumann will in einem nächsten Schritt die gewonnenen Erkenntnisse auf die Trainingspläne für Patientinnen mit Brustkrebs übertragen: „Wir wissen jetzt: Wenn wir optimale und damit nachhaltige Effekte einer Bewegungstherapie erreichen wollen, dann müssen die Angebote personalisiert gestaltet werden. Darüber hinaus zeigt diese Studie einmal mehr, dass eine Reha wirkungsvoll und unverzichtbar ist – wenn sie denn richtig angewendet wird. Dahingehende Anpassungen im Rehabilitationssystem sind aus unserer Sicht notwendig.“

Originalpublikation: Sustainable impact of an individualized exercise program on physical activity level and fatigue syndrome on breast cancer patients in two German rehabilitation centers
Baumann, F.T., Bieck, O., Oberste, M. et al. Support Care Cancer (2017) 25: 1047. DOI:10.1007/s00520-016-3490-x  

Quelle: Uniklinik Köln auf idw



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