Frauenärzte im Netz


Aktuelle Meldungen


18.05.2017

Studie: „Schwangerschaftsdemenz“ beginnt erst im Wochenbett

Entgegen einer weit verbreiteten Annahme kommt es im Verlauf der Schwangerschaft nicht zu einem Rückgang von kognitiven Fähigkeiten. Erst in den ersten Wochen nach der Entbindung fällt vielen Frauen das Denken schwerer, wie eine Studie in der Fachzeitschrift „American Journal of Perinatology " (Thieme Publishers, New York. 2017) zeigt.

Viele Frauen klagen in der Schwangerschaft über zunehmende Vergesslichkeit, Verwirrtheit oder Wortfindungsstörungen. In der Öffentlichkeit wird dies oft als „Schwangerschaftsdemenz" bezeichnet. Im Englischen wird dieser Umstand als "pregnancy brain" oder "placenta brain" umschrieben. Lynn Yee von der Feinberg School of Medicine in Chicago und ihre Mitarbeiter wollten herausfinden, ob Schwangere deshalb schlechter in der Lage sind, gesundheitsrelevante Entscheidungen für sich und ihr Baby zu treffen.

77 Schwangere und 24 Wöchnerinnen nahmen an der Querschnittsstudie teil. In einer Reihe kognitiver Tests überprüften die Wissenschaftler ihre Lesefähigkeit, ihr Arbeits- und Langzeitgedächtnis, ihre Denkgeschwindigkeit sowie ihre Fähigkeit Schlussfolgerungen zu ziehen. Des Weiteren nahmen die Forscher die Gesundheitskompetenz unter die Lupe: Inwieweit waren die Teilnehmerinnen in der Lage Gesundheitsinformationen, zum Beispiel in Form einer Nährwerttabelle, zu verstehen und zu beurteilen? War es ihnen möglich entsprechend der Angaben gesundheitsbewusst zu handeln?

Sozioökonomische Faktoren spielen in Bezug auf Gesundheitskompetenz eine Rolle

Ihr Ergebnis: Bei der Denkgeschwindigkeit ließ die Fähigkeit mit fortgeschrittener Schwangerschaft tatsächlich nach. Die Unterschiede waren jedoch statistisch nicht signifikant, so dass ein Zufall nicht auszuschließen ist. Auch bei allen weiteren Tests konnten keine Unterschiede abhängig vom Schwangerschaftstrimester festgestellt werden. Die Existenz einer „Schwangerschaftsdemenz" konnte Yee deshalb nicht belegen. In Bezug auf die Gesundheitskompetenz stellten die Forscher fest, dass diese stärker durch soziale Faktoren bestimmt wird als durch den Verlauf der Schwangerschaft: Junge Frauen ohne Schulabschluss, die zu einer nicht-weißen Bevölkerungsschicht gehören oder bei Krankheiten auf staatliche Unterstützung (Medicaid) angewiesen waren, hatten in der US-Studie die schlechtesten Ergebnisse in diesem Test.

Kognitive Defizite nach der Entbindung

Nach der Entbindung kam es jedoch zu einem Einbruch der kognitiven Fähigkeiten. Fast die Hälfte der Frauen erzielte im Test zur Denkgeschwindigkeit ein niedriges Ergebnis, berichtet Yee. Und auch beim Test zum schlussfolgernden Denken schnitten viele Wöchnerinnen gegenüber den Schwangeren schlechter ab. Yee vermutet, dass die kognitiven Defizite eine Folge der Erschöpfung infolge der Geburt und des Schlafmangels danach sind. Auch Stimmungsschwankungen und fehlende soziale Unterstützung könnten ihrer Ansicht nach eine Rolle spielen.

Deshalb sollte bei der Gesundheitsberatung auf die verminderte Aufnahmefähigkeit von Wöchnerinnen geachtet werden. Eine Schwangerschaft und die erste Zeit nach der Geburt sind für Frauen eine wichtige Lernphase, da sich das Leben mit der Geburt des Kindes grundlegend ändert. Eine verminderte Gesundheitskompetenz könnte langfristig negative Auswirkungen haben.

L. Yee et al.: Characterizing literacy and cognitive function during pregnancy and postpartum. American Journal of Perinatology 2017; eFirst erschienen am 22.3.2017 DOI: 10.1055/s-0037-1601307

Quelle: Pressemitteilung Thieme (fzm, Stuttgart, April 2017)  



Artikel drucken   Artikel empfehlen

Im Fokus

Schwangerschafts- beratungsstellen

Hier können sich Frauen und Männer zu allen Fragen rund um Schwangerschaft und Familienplanung kostenfrei und auf Wunsch anonym beraten lassen. Infos und Beratungsstelle in Ihrer Nähe finden (BZgA)...

zum Artikel...

Krebsfrüherkennung – so geht es weiter

Die Krebsfrüh- erkennung beim Frauenarzt wird umgestaltet. Sie hat große Erfolge erzielt und bleibt eine ganz wichtige Maßnahme zur Früherkennung von Krebs.

zum Artikel...

Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen

Das Hilfetelefon berät deutschlandweit betroffene Frauen. Es informiert und vermittelt bei Bedarf an geeignete Unterstützungseinrichtungen vor Ort - an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr.

zum Artikel...

Folsäure-Ergänzung vor Schwangerschaft notwendig

Gerade zu Beginn einer Schwanger- schaft ist der Bedarf an Folsäure besonders hoch. Ein Mangel ist in vielen Fällen die Ursache für Fehlbildungen bei Babys.

zum Artikel...

Infos zum Stillen

Obwohl die Natur das Stillen vorgesehen hat, ist das Gelingen keineswegs selbstverständlich. Hier finden Mütter zahlreiche Tipps und Ratgschläge rund um das Thema.

zum Artikel...

HPV-Impfung nach Konisation reduziert Risiko einer Zweiterkrankung

Die Immuni- sierung nach einer OP trägt dazu bei, das Wiedererkrankungsrisiko deutlich zu senken.

zum Artikel...

Zellauffälligkeiten am Gebärmutterhals

Was bedeutet der Pap-Befund und wie geht es bei Auffälligkeiten beim Abstrich weiter?

zum Artikel...

HPV-Impfung - Schutz gegen Humane Papillomviren

Mit der HPV-Impfung existiert die Möglichkeit, das Risiko für eine Gebärmutterhalskrebs-Erkrankung zu verringern.

zum Artikel...

Safer Sex

Sexuell- übertrag- bare  Krankheiten sind wieder auf dem Vormarsch. In den allermeisten Fällen kann man sich gut davor schützen.

zum Artikel...

"Frauenkrankheiten" von A bis Z

Infos zu den Symptomen und Be- schwerden, der Diagnostik und der Behandlung von gynäkologischen Erkrankungen...

zum Artikel...

Pille vergessen - und jetzt?

Wurde die planmäßige Einnahme der Pille versäumt, sollte die fehlende Tablette am besten sofort nachgenommen werden. Ob zusätzlich verhütet werden muss erfahren Sie hier.

zum Artikel...