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13.04.2017

Wenn Stillen nicht klappt: Nur sichere Alternativen als Säuglingsnahrung verwenden

Muttermilch ist das Beste für Säuglinge, darin sind sich alle Experten einig. Kinder, die nicht gestillt werden können, brauchen eine Säuglingsnahrung, die in ihrer Wirkung der Muttermilch möglichst nah kommt. Bei erhöhtem Allergierisiko aufgrund einer erblichen Vorbelastung ist eine in Studien geprüfte HA-Nahrung auf Kuhmilchbasis notwendig. Säuglingsnahrungen aus Soja- oder Ziegenmilch eignen sich nicht zur Allergievorbeugung. Vor Nahrungen auf Basis von Stuten- oder Mandelmilch wird gewarnt. Die Deutsche Haut- und Allergiehilfe sprach mit Professor Dr. Berthold Koletzko (1), Leiter der Abteilung Stoffwechsel und Ernährung am Kinderspital der Universitätsklinik München.

Muttermilch ist das natürlichste und beste Nahrungsmittel für Säuglinge in den ersten vier bis sechs Lebensmonaten, denn sie ist in ihrer Zusammensetzung den kindlichen Bedürfnissen optimal angepasst. Zudem enthält sie nur Spuren an artfremdem Eiweiß aus der Nahrung der Mutter. So kann sich das kindliche Immunsystem langsam an diese potenziell allergieauslösende Stoffgruppe gewöhnen. Für Säuglinge mit erhöhtem Allergierisiko ist ausschließliches Stillen in den ersten vier Lebensmonaten daher besonders wichtig. Doch was tun, wenn es mit dem Stillen nicht klappt? „Säuglinge, die nicht gestillt werden, brauchen eine nach den gesetzlichen Regelungen hergestellte Säuglingsanfangsnahrung", erklärt Koletzko. Für allergiegefährdete Kinder kommt dabei nur hypoallergene (HA) Nahrung auf Kuhmilchbasis infrage, deren allergievorbeugende Wirkung durch wissenschaftliche Studien belegt ist (1,2). Für nicht gestillte Säuglinge, die bereits eine Allergie gegen Milcheiweiß entwickelt haben, gibt es therapeutische Spezialnahrungen, die vom Kinderarzt verschrieben werden.

Vorsicht mit alternativer Säuglingsnahrung

Bei Säuglingsnahrungen auf pflanzlicher Basis oder solchen, die aus Milch anderer Tierarten hergestellt wurden, rät Koletzko zur Vorsicht: „Sojamilch ist wenig verwandt mit der Muttermilch und nicht gleichwertig in Bezug auf die Nährstoffe, die Babys brauchen. Gleichzeitig enthält sie Substanzen, die in der Muttermilch nicht in nennenswerten Mengen enthalten sind und möglicherweise unerwünschte Wirkungen haben, wie zum Beispiel Phytoöstrogene (3)." In Einzelfällen, etwa bei der sehr seltenen angeborenen Milchzuckerunverträglichkeit, kann eine solche Nahrung nach Rücksprache mit dem Kinderarzt gegeben werden. Säuglingsnahrung auf Basis von Ziegenmilch - nicht zu verwechseln mit reiner Ziegenmilch - ist in Deutschland seit 2014 zur Ernährung von Säuglingen zugelassen, dabei aber deutlich teurer als Säuglingsnahrung auf Kuhmilchbasis. „Zur Allergievorbeugung eignet sie sich nicht, da sie ein ähnlich allergenes Potenzial besitzt wie herkömmliche Kuhmilchnahrung", gibt Koletzko zu bedenken. Dasselbe gilt für Soja-basierte Säuglingsmilch, denn auch Soja hat ein hohes allergenes Potenzial. Vor anderen Alternativen wie Stuten- oder Mandelmilchnahrung warnt der Experte ausdrücklich: „Solche Nahrungen sind für das Wachstum und die Entwicklung von Säuglingen ungeeignet. Sie zu füttern kommt einem unkontrollierten Experiment am Kind gleich, mit unabsehbaren Folgen für die Gesundheit."

(1) Professor Koletzko ist Mitautor der aktuellen Handlungsempfehlungen zur Ernährung von Säuglingen, an denen u.a. Experten für Kinderernährung und Kinderheilkunde, die Nationale Stillkommission sowie die Deutsche Gesellschaft für Hebammenwissenschaft beteiligt waren: „Ernährung und Bewegung von Säuglingen und stillenden Müttern", Aktualisierte Handlungsempfehlungen von „Gesund ins Leben - Netzwerk Junge Familie", eine Initiative von IN FORM, Monatsschr. Kinderheilkd. 2016, 164, 771-798

(2) S3-Leitlinien zur Allergieprävention der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI) und der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ)  

(3) Phytoöstrogene sind sekundäre Pflanzenstoffe, die eine strukturelle Ähnlichkeit mit Östrogenen aufweisen und durch Bindung an Östrogenrezeptoren eine östrogene oder antiöstrogene Wirkung erzielen können.

Quelle: Pressemitteilung Deutsche Haut- und Allergiehilfe e. V.



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