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09.03.2017

Hormonersatztherapie für jede Frau?

Bei allen Frauen lässt irgendwann im Lauf des Lebens die Fähigkeit nach, schwanger zu werden. Die Eierstöcke verlieren nach und nach ihre Eizellen und damit die dort produzierten Botenstoffe Östrogen und Gestagen; die Schleimhaut der Gebärmutter wird nur noch unregelmäßig durch diese Hormone stimuliert, so dass die Menstruationsblutungen unregelmäßiger werden und schließlich ganz ausbleiben. Wenn dieser Prozess abgeschlossen ist, können normalerweise nur noch sehr wenige weibliche Hormone im Blut nachgewiesen werden, die vor allem im Fettgewebe produziert werden.

„Bis zum Ende des Lebens versucht das Hormonzentrum im Gehirn, die Hypophyse, das frühere Gleichgewicht an weiblichen Hormonen wieder herzustellen", erläuterte Dr. med. Christian Albring, Kongresspräsident des FOKO 2017, am 9. März 2017 auf der Pressekonferenz des Kongresses. Da das vom Gehirn ausgeschüttete follikelstimulierende Hormon (FSH), das die Eierstöcke anregt, gleichzeitig auch das Zentrum für die Temperaturregelung beeinflusst, kann es über längere Zeit zu immer wiederkehrenden Schweißausbrüchen, Blutgefäßerweiterungen und Hautrötungen kommen, den Hitzewallungen.

Weil der Botenstoff Östrogen für den Aufbau der Schleimhaut verantwortlich ist, und zwar nicht nur in der Gebärmutter, sondern auch in der Vagina und der Harnröhre, beobachten viele Frauen zunehmende Harnwegsinfekte und - vor allem wenn sie weiterhin sexuell aktiv sind - Trockenheit, Schmerzen, Juckreiz und auch Infektionen in der Vagina.

  • Bei etwa jeder dritten Frau verursacht die Umstellung in den Wechseljahren keine subjektiven gesundheitlichen Beschwerden, obwohl auch bei Ihnen nach Abschluss dieser Lebensphase kaum noch Östrogene nachweisbar sind. In diesen Fällen, so Albring, ist der Leidensdruck bzw. der Wunsch, eine Hormonersatzbehandlung durchzuführen, nicht vorhanden. Gleichwohl verlieren auch diese Frauen durch das Fehlen von Östrogen Knochenmasse, verändern sich die Schleimhäute und Blutgefäße.
  • Eine zweite Gruppe von Frauen beobachtet in dieser Lebensphase seelische Veränderungen oder auch gelegentliche Hitzewallungen und Schlafstörungen, aber ohne schweren Leidensdruck. Bei leichteren Beschwerden reichen eine gesunde, entspannte Lebensweise, der weitgehende Verzicht auf Kaffee und Alkohol und ausreichende körperliche Bewegung aus, um die subjektive Beschwerdefreiheit zu erzielen. Gelegentlich helfen am Übergang zu den Wechseljahren auch pflanzliche Präparate zur Beseitigung der Symptome, nicht aber zur Beseitigung der Ursache. Wenn die Frau auf den Ersatz ihrer Botenstoffe verzichten möchte, sollte sie allerdings auch keine Soja- oder Rotklee-Präparate verwenden, da beide pflanzliche Östrogene enthalten, die dieselben Wirkungen und Nebenwirkungen wie arzneiliche Zubereitungen haben können.
    Bei lokalen Problemen im Intimbereich - Harninfektionen, Trockenheit, Juckreiz, Schmerzen beim Sex - sind örtliche Östriol-Anwendungen hilfreich. Östriol ist ein Östrogen, das nur lokal wirkt und in der Dosierung auch keinerlei allgemeine Wirkung entfaltet.
  • Das dritte Drittel der Frauen entwickelt im Zusammenhang mit der hormonellen Umstellung starke Hitzewallungen, Schweißausbrüche, Schlafstörungen , die den Alltag über eine längere Zeit deutlich beeinträchtigen nur durch eine geeignete Hormonersatzbehandlung beseitigt werden können. Diese Symptome treten gleich zu Beginn der Wechseljahre auf. Vielfach liegt die letzte Menstruation bereits länger zurück, bevor sich der Hormonmangel auch mit weiteren Symptomen, wie Trockenheit, Herz- und Gelenkbeschwerden, Knochenschmerzen etc. bemerkbar macht. Dies haben im Frühjahr 2016 zwei Autor/innen der großen US-amerikanischen WHI-Studie betont.[1]

„Um die Botenstoffe Östradiol und Progesteron zu ersetzen - ähnlich wie man auch fehlendes Insulin oder Schilddrüsenhormon ersetzt -,  ist eine Einnahme als Tabletten möglich, aber auch die Anwendung als Pflaster, Gel und Spray, weil damit der Einfluss auf die Blutgerinnung und damit das Risiko für Thrombosen minimal gehalten werden kann", führt Albring aus. „Ein Gestagen wird in der Regel zugefügt, damit die Östradiolgabe nicht zu einem unerwünschten Wachstum der Gebärmutterschleimhaut und zu Blutungen führt; nur bei Frauen, die keine Gebärmutter mehr haben, kann auf diesen Zusatz verzichtet werden."

Manche Frauen entwickeln diese Mangelsymptome zu Beginn der Wechseljahre , viele andere aber auch erst später, manchmal erst mehrere Jahre, nachdem sie ihre letzte Blutung hatten und eigentlich schon fast gar nicht mehr an die Wechseljahre denken. Ob die Symptome durch den Hormonmangel ausgelöst wurden, lässt sich einfach feststellen: Verschwinden die Beschwerden innerhalb kurzer Zeit nach Beginn der Behandlung, so war der Hormonmangel der Auslöser. Bleiben die Symptome bestehen, so muss auch nach anderen Ursachen gefahndet werden.

Eine niedrig dosierte Hormonersatzbehandlung kann nach neuesten Erkenntnissen bei Bedarf und Fehlen von Kontraindikationen durchaus lange Jahre erfolgen. Regelmäßige Beratungen und Kontrollen sowie das Mammographiescreening sollten vorausgesetzt werden.

[1] JoAnn E. Manson, M.D., Dr.P.H., and Andrew M. Kaunitz, M.D. Menopause Manage-ment - Getting Clinical Care Back on Track. N Engl J Med 2016; 374:803-806March 3, 2016DOI: 10.1056/NEJMp1514242

© FOKO 2017



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