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05.01.2017

Frühzeitig auf gesunde Knochen achten - Osteoporose ist nicht heilbar

Osteoporose ist tückisch. Denn wenn die Knochendichte abnimmt, spürt der Betroffene es gar nicht. Dass jemand an Osteoporose erkrankt ist, stellen die Ärzte deshalb häufig erst nach einem Sturz fest. Poröse Knochen brechen leicht und wachsen nicht mehr so gut zusammen. So kann ein Patient selbst nach einem eigentlich harmlosen Stolperer pflegebedürftig werden. Heilbar ist Osteoporose nicht. Deshalb sollten auch junge Menschen auf ihre Knochengesundheit achten.

Osteoporose zählt nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu den zehn häufigsten Erkrankungen weltweit. In Deutschland sind Schätzungen zufolge rund acht Millionen Menschen betroffen. „Mit steigendem Alter nimmt das Risiko, an Osteoporose zu erkranken, zu", sagt Prof. Andreas Kurth. Er ist Chefarzt Orthopädie in der Klinik für Traumatologie, Orthopädie und Handchirurgie am Klinikum Frankfurt (Oder). Bereits ab dem 40. Lebensjahr werden im menschlichen Körper Muskeln und Knochen abgebaut.

Wechseljahre erhöhen Osteoporose-Risiko

Besonders häufig sind Frauen nach den Wechseljahren betroffenen. Rund 80 Prozent der Osteoporose-Patienten fallen in diese Gruppe. Kurth zufolge liegt das einerseits daran, dass mit Beginn der Wechseljahre weniger vom Hormon Östrogen ausgeschüttet wird. Zum anderen haben Frauen ohnehin eine geringere Knochenmasse als Männer. Aber auch die können an Osteoporose erkranken. Die Ausschüttung des Hormons Testosteron nimmt nämlich ebenfalls mit dem Alter ab, erklärt Sonja Endres vom Bundesselbsthilfeverband für Osteoporose (BfO). Zu den Risikofaktoren zählt neben dem Alter und der Hormonumstellung auch eine erbliche Veranlagung.

Osteoporose kann auch Folge einer Krebserkrankung sein. Dann spricht man von sekundärer Osteoporose. „Sie kann auch durch kortisonhaltige Präparate entstehen", erklärt Kurth, der auch Erster Vorstandsvorsitzender im Dachverband Osteologie ist. Auch Untergewicht kann brüchige Knochen nach sich ziehen. „Das liegt dann daran, dass Betroffene unter einen Nährstoffmangel leiden", erklärt Endres. Nikotin und Alkohol wirken sich ebenfalls negativ auf den Knochenstoffwechsel aus und erhöhen die Gefahr, an Osteoporose zu erkranken.

Mit Knochendichtemessung Osteoporose-Risiko abschätzen

Eine Knochendichtemessung an der Lendenwirbelsäule und an der Hüfte gibt einen ersten Hinweis, ob ein erhöhtes Risiko für eine Osteoporose vorliegt. „Ermittelt wird die Dichte über ein spezielles Röntgenverfahren", erklärt Endres. Durch das Skelett werden Energiestrahlen unterschiedlicher Intensität geschickt. Die Knochendichte wird aus der Menge der Strahlung, die durch den Knochen gelangt, errechnet. Am Ende wird das Ergebnis mit Risikofaktoren wie Alter und Geschlecht kombiniert.

Ist die Knochendichte einmal verringert, kann man den Prozess bestenfalls aufhalten. Deswegen ist es wichtig, die eigenen Knochen so früh wie möglich zu stärken - zum Beispiel durch viel Bewegung. „Dazu gehört auch, im Alltag die schwere Einkaufstasche selbst zu tragen oder statt den Aufzug zu nutzen die Treppe hochzugehen", sagt Kurth. Endres rät auch zu regelmäßigem Krafttraining. Denn: Eine starke Muskulatur stärkt auch die Knochen.

 Beim Training sollte der Fokus allerdings nicht nur auf dem Muskelaufbau liegen, auch der Gleichgewichtssinn sollte gefördert werden. „Dadurch lassen sich häufig Stürze und damit einhergehende Knochenbrüche vermeiden", erklärt Endres. Manche Selbsthilfegruppen des BfO organisieren spezielle Kurse, an denen sowohl Erkrankte teilnehmen können als auch Menschen, die vorbeugen wollen. Und wer lieber an der frischen Luft unterwegs ist, kann seine Muskelkraft - und damit auch die Knochen - auch durch Wandern und Laufen stärken.

Ernährung, Bewegung und Tageslicht helfen bei der Vorbeugung

Neben Bewegung wirken sich auch bestimmte Nährstoffe auf die Knochendichte aus - vor allem Kalzium und Vitamin D. Kalzium ist in Milchprodukten wie Käse oder Joghurt sowie in Gemüse, Hülsenfrüchten, Nüssen und Samen enthalten. Ein Erwachsener benötigt täglich 1000 Milligramm Kalzium. Mit einer Scheibe Käse, einer Portion Grünkohl und einem Glas Milch ist diese Menge erreicht. „Vitamin D fördert unter anderem die Aufnahme von Kalzium aus dem Magen-Darm-Trakt sowie die Härtung von Knochen", sagt Antje Gahl von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Vitamin D kann aber auch dazu beitragen, dass die Muskelkraft gestärkt und Gleichgewichtsstörungen nachlassen.

Vitamin D steckt allerdings nur in wenigen Lebensmitteln, zum Beispiel in fettem Seefisch wie Lachs oder Hering. Der größte Teil des Vitamins wird durch Einwirken von Sonnenstrahlen auf die Haut gebildet. Wer Vitamin D tanken will, sollte also raus ans Tageslicht gehen - von März bis Oktober am besten 25 Minuten pro Tag. Gelingt das nicht, kann unter bestimmten Voraussetzungen die Einnahme von Vitamin-D-Tabletten sinnvoll sein. Mit fortschreitendem Alter bildet die Haut immer weniger Vitamin D. Menschen ab 60 sollten daher mit ihrem Arzt besprechen, ob eine Einnahme von Tabletten ratsam ist. Nach einer Empfehlung des Dachverbands Osteologie sollte die tägliche Dosis bei 800 bis 1000 Internationale Einheiten (IE) liegen.

Wichtig ist eine möglichst frühzeitige Diagnose der Erkrankung, weil einmal eingetretene Schädigungen nur in sehr begrenztem Maße rückgängig gemacht werden können. Frauen können sich hierüber mit ihrem Frauenarzt besprechen. Für eine Stärkung des Knochenaufbaus stellt die medikamentöse Zufuhr von Kalzium und Vitamin D die Basistherapie dar. Daneben kann eine Hormonersatztherapie sinnvoll sein.

Quelle: dpa



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