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04.05.2016

Autoren der WHI-Studie bedauern Fehlinterpretation von Studiendaten

Frauen mit Wechseljahres-Symptomen eine Hormonersatzbehandlung zu verweigern, erzeugt eine große und unnötige Bürde des Leidens. In einer Publikation des angesehenen New England Journal of Medicine weisen Autoren der WHI-Studie auf die Folgen der jahrelangen, fehlerhaften Interpretation ihrer Studiendaten hin: Hunderttausende von Frauen hatten in der Folge der Studie, deren Auswertungen seit 2002 publiziert werden, die Hormonpräparate abgesetzt oder wurden nicht angemessen behandelt, weil die Annahme vorherrschte, dass die Hormonersatzbehandlung (HET) durchweg gesundheitliche Risiken berge. Jedoch übersteigt der Nutzen dieser Ersatzbehandlung bei weitem mögliche Risiken, so JoAnn E. Manson und Andrew M. Kaunitz, zwei der maßgeblichen StudienautorInnen in einem im März publizierten Artikel des renommierten Journals "New England Journal of Medicine" (1).

Die WHI-Studie war bei Frauen durchgeführt worden, deren Durchschnittsalter bei Beginn der Therapie 63 Jahre betrug. Es sollte vor allem die Frage geklärt werden, ob eine Vorbeugung von Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems selbst in diesem für den Beginn einer Hormonersatztherapie relativ hohen Alter möglich ist. Dabei handelte es sich vorwiegend um Studienteilnehmerinnen, die die Wechseljahre längst hinter sich hatten. Außerdem hatte etwa jede zweite dieser Frauen bedeutende Risiken wie ausgeprägte Adipositas und Bluthochdruck oder waren Raucherinnen; zum Teil existierten sogar Vorerkrankungen wie Diabetes oder koronare Herzerkrankungen. Es wurde nur ein einziges, in Europa weitgehend unübliches Präparat in einer für die genannte Altersgruppe zu hohen Dosierung geprüft.

Die Frage, ob Frauen mit einem gesunden Herz-Kreislauf-System in den Wechseljahren von einer Hormonersatztherapie einen medizinischen Nutzen haben können und ob in dieser Altersgruppe durch die Behandlung gesundheitliche Risiken auftreten können, wurde in der WHI-Studie nicht gestellt.

Trotzdem wurden die Studiendaten durch die Medien, aber auch durch Ärzte weltweit, wie auch in Deutschland, fehlinterpretiert, so dass vor einer Anwendung der Hormonersatzbehandlung in den Wechseljahren allgemein gewarnt wurde.

Betrachtet man in der WHI-Studie nur die Frauen zwischen 50 und 59 Jahren, kann bei ihnen neben der nachhaltigen Beseitigung der Hormonmangel-Symptome auch eine geringere Zahl an Knochenbrüchen, eine Senkung der Erkrankungsrate an Diabetes und an Todesfällen allgemein festgestellt werden, und bei der Untergruppe mit einer alleinigen Estrogentherapie sogar eine Senkung der Brustkrebs-Rate im Vergleich zu der mit einem Plazebo behandelten Gruppe. Das heisst, eine Hormonersatztherapie sollte im Idealfall sofort beim Eintreten der Wechseljahre beginnen, um den größtmöglichen Benefit zu erlangen.

 "Es ist sehr erfreulich, dass die Autoren der WHI-Studie selbst soeben im 'New England Journal of Medicine' die Aussagefähigkeit ihrer eigenen Studie zurechtgerückt haben", so Dr. med. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte. "Mindestens ein Drittel aller Frauen in den Wechseljahren ist durch den Verlust der Hormonproduktion so sehr beeinträchtigt, dass sie eine medizinische Unterstützung brauchen, die über allgemeine Tipps zur Lebensführung und pflanzliche Plazebos aus dem Drogeriemarkt hinausgeht.  Viele von ihnen haben jahrelang um ihre Gesundheit gefürchtet, wenn wir ihnen einen Ersatz ihrer Hormone empfohlen und verordnet haben. All diese Frauen können jetzt wirklich erleichtert sein, und wir als ihre behandelnden Frauenärztinnen und -ärzte sind es auch."

 (1) Menopause Management â€" Getting Clinical Care Back on Track. JoAnn E. Manson, M.D., Dr.P.H., and Andrew M. Kaunitz, M.D. N Engl J Med 2016; 374:803-806March 3, 2016 DOI: 10.1056/NEJMp1514242

Quelle: Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e. V., des Berufsverbandes der Frauenärzte e. V.  und der Deutschen Menopause Gesellschaft e. V.

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Anja Frohloff
Gabriele Nioduschewski
Referentinnen für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V.
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