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09.12.2015

Natürliche Geburt nach dem Kaiserschnitt ist möglich

Wenn eine Frau bereits einen Kaiserschnitt hatte, wird bei den folgenden Geburten in 70 Prozent ebenfalls ein Kaiserschnitt durchgeführt. Denn es wird gefürchtet, dass die Gebärmutter an der Narbe reißen könnte, insbesondere wenn die Frau bei der vorangehenden Geburt einen Kaiserschnitt vor Geburtsbeginn erhalten hatte. Diese Sorge vor der Uterusruptur ist nicht immer begründet. In der europäischen Studie OptiBIRTH, die von elf Universitäten aus acht Ländern geplant wurde und an der sich Geburtskliniken aus drei Ländern beteiligen, wird nach Wegen gesucht, den Anteil natürlicher Geburten bei Frauen nach Kaiserschnitt zu steigern. Prof. Dr. phil. Mechthild Groß, Hebamme an der Medizinischen Hochschule Hannover, stellte den aktuellen Stand des internationalen Projekts anlässlich des 27. Deutschen Kongresses für Perinatale Medizin in Berlin am 3. 12. 2015 in Berlin vor.

Großbritannien, Irland, Deutschland, Italien, Schweden, Finnland, Belgien und die Niederlande waren in die Planung involviert. „In den Niederlanden, in Schweden und Finnland wird etwa jede zweite Geburt nach einem Kaiserschnitt als natürliche Geburt durchgeführt, in Italien und Deutschland nur etwa 30%", erläutert die Hebammenwissenschaftlerin. „Aber wir denken, dass es möglich ist, diese Rate auch bei uns auf 40% anzuheben. Die OptiBIRTH-Studie soll uns dazu Wissen, Können und Argumente an die Hand liefern."

Dass eine erneute Schwangerschaft nach einem Kaiserschnitt mit speziellen Risiken einhergehen kann, ist bekannt. So wächst in diesen Schwangerschaften die Plazenta ungewöhnlich häufig auf dem Narbengewebe oder direkt auf dem Muttermund an oder dringt in die Muskulatur der Gebärmutter ein, so dass sie sich nach der Geburt nicht unkompliziert von der Gebärmutter löst, was zu heftigen Blutungen führen kann; oder die Narbe hält die Belastungen der späten Schwangerschaft und der Geburt nicht aus und droht zu reißen. Auch wenn die Plazenta direkt vor dem Muttermund liegt, ist eine natürliche Geburt unmöglich. Es wird in solchen Fällen immer ein Kaiserschnitt durchgeführt. Ebenso sind ein sehr großes Kind, Krankheiten bei Mutter und Kind sowie untypisch starke Schmerzen Anlässe, sich bei einer Geburt nach einem Kaiserschnitt erneut für einen Kaiserschnitt zu entscheiden. „Hier wird niemand der Frau zu einer natürlichen Geburt raten", so Prof. Groß. „Wenn aber Mutter und Baby gesund sind und die Mutter sich fit fühlt, wenn das Narbengewebe fest ist, wenn mit der Plazenta alles in Ordnung ist, ist eine natürliche Geburt möglich. Und wir denken, dass das häufiger der Fall ist als in der Geburtsmedizin bisher angenommen wird."

Grundsätzlich ist es am wichtigsten, sofern möglich bereits den ersten Kaiserschnitt zu vermeiden. Dies wird auch von der amerikanischen Fachgesellschaft für Geburtshilfe und Gynäkologie vertreten . Ein wichtiges Argument für die vaginale Geburt nach Kaiserschnitt ist, dass bei multiplen Kaiserschnitten die Risiken mit jedem Kaiserschnitt massiv steigen. Deshalb ist es am Wichtigsten, bereits den ersten Kaiserschnitt nur dann durchzuführen, wenn es gewichtige Gründe dafür gibt. Wenn er nicht verhindert werden konnte, ist die vaginale Geburt nach Kaiserschnitt - sofern möglich - die richtige Entscheidung, um, multiple Kaiserschnitte mit steigenden Risiken zu verhindern.

© DGPM 2015 (Deutscher Kongress für Perinatale Medizin)



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