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20.07.2015

Kieler Kliniken starten größte Strahlentherapiestudie bei Brustkrebs

Bundesweit erkranken jedes Jahr etwa 72.000 Frauen an Brustkrebs. Behandelt wird die Erkrankung oft auch mit einer Strahlentherapie, die bisher in der Regel sechs bis sieben Wochen dauerte. Mit Hilfe neuer technischer Entwicklungen ist es jetzt möglich, die Zahl der Bestrahlungen zu verringern und die Behandlungszeit auf etwa drei Wochen zu verkürzen. Unter der Leitung der Klinik für Strahlentherapie an der Medizinischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) und am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) wird dazu in den nächsten fünf Jahren die größte Strahlentherapiestudie in Deutschland mit über 2.000 Patientinnen durchgeführt.

Bei Frauen ist Brustkrebs (Mammakarzinom) die häufigste Krebserkrankung, jede achte bis zehnte Frau erkrankt im Laufe ihres Lebens daran. Nach einer Operation ist die Bestrahlung ein wichtiger Teil der Behandlung, vor allem bei einer brusterhaltenden Therapie. Die Strahlen zerstören dabei die Tumorzellen, während das gesunde Gewebe geschont wird, da sich die gesunden Zellen besser von der Bestrahlung erholen. Eine konventionelle Strahlentherapie dauerte bisher sechs bis sieben Wochen und bestand aus 30 bis 35 Terminen. In den vergangenen Jahren gelang es, die Behandlungszeit zu verkürzen, wobei die Bestrahlung mit erhöhter Einzeldosis in weniger Sitzungen erfolgte. „Diese sogenannte hypofraktionierte Bestrahlung verkürzte die Behandlungszeit auf etwa fünf Wochen", erklärt Professor Jürgen Dunst, Direktor der Klinik für Strahlentherapie, Medizinische Fakultät der CAU und UKSH.

Kurze, hochdosierte Therapie offenbar vorteilhaft

Große Studien in Kanada und Großbritannien haben gezeigt, dass diese verkürzte, höher dosierte Bestrahlung der konventionellen Behandlung gleichwertig ist. Die Ergebnisse einer Nachbeobachtungszeit von fünf bis zwölf Jahren zeigen deutlich, dass die hypofraktionierte Bestrahlung vergleichbar gute Resultate hinsichtlich der lokalen Tumorkontrolle und des Überlebens erzielt wie die konventionelle Strahlentherapie. Eine weitere Verkürzung auf nur mehr etwa drei Wochen und 16 Sitzungen ist möglich, wenn ein neues technisches Verfahren, der simultan integrierte Boost (SIB), mit der Hypofraktionierung kombiniert wird. „Die zusätzliche Bestrahlung des Operationsgebietes, die bisher erst nach der Strahlentherapie der ganzen Brust erfolgte, wird bereits auf die einzelnen Termine bei der Strahlenbehandlung der ganzen Brust verteilt", erklärt Dunst.

Dieses Kombinationsverfahren soll nun in der groß angelegten Studie mit dem Name HYPOSIB unter Leitung von Professor Dunst geprüft werden. „Die Patientinnen erhalten dabei entweder die bisherige Standardtherapie mit einer Behandlungsdauer von etwa fünf bis sechs Wochen oder die verkürzte Bestrahlung mit einer dreiwöchigen Behandlungsdauer", erklärt PD Dr. Kathrin Dellas, Fachärztin für Strahlentherapie in Kiel und maßgeblich an der Durchführung der Studie beteiligt. Neben der Klinik für Strahlentherapie ist am Kieler Campus auch die Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe unter Leitung von Professor Nicolai Maass beteiligt.

Im Brustzentrum Kiel, einer interdisziplinären Einrichtung der Kliniken für Gynäkologie und Geburtshilfe sowie für Strahlentherapie, haben Patientinnen mit Brustkrebs die Möglichkeit, an klinischen Studien teilzunehmen und so frühzeitig neuartige und vielversprechende operative und medikamentöse Therapien zu erhalten. Die behandelnden Ärztinnen und Ärzte legen dabei ein besonders großes Augenmerk auf eine verbesserte Lebensqualität der Frauen. Die neue Strahlentherapiestudie HYPOSIB ergänzt das bereits umfassende Angebot an Behandlungsoptionen. Finanziert wird die Multicenter-Strahlentherapiestudie, an der bundesweit mehr als 80 Kliniken teilnehmen werden, von der Deutschen Krebshilfe. Endgültige Ergebnisse werden in fünf bis acht Jahren vorliegen.

Quelle: Christian-Albrechts-Universität zu Kiel



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