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15.05.2015

Immunologische Anpassung an die Schwangerschaft im Fokus von Forschung

Am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) wollen Forscher die Schwangerschaft als Modell nutzen, um Wege zur Prävention und Therapie von immunologischen Erkrankungen zu finden. Dazu werden die Mediziner und Naturwissenschaftler in den kommenden drei Jahren von der Deutschen Forschungsgemeinschaft mit zunächst rund 3,4 Millionen Euro unterstützt. „Wir wollen grundsätzlich verstehen, wie die immunologische Anpassung an die Schwangerschaft medizinische Vorteile, aber auch Nachteile für Mutter und Kind nach sich zieht", erklärt die Sprecherin der neuen Klinischen Forschergruppe KFO 296, Prof. Dr. Petra Arck von der Klinik für Geburtshilfe und Pränatalmedizin des UKE.

Um das Kind, das zur Hälfte väterliche Gene hat, nicht als Fremdkörper abzustoßen, verändert sich während der Schwangerschaft das Immunsystem der werdenden Mutter. Mit dieser Veränderung ist für die Frauen ein höheres Infektionsrisiko verbunden. Schwangere haben schwerere Krankheitsverläufe und sterben auch häufiger an Grippe als nicht schwangere Frauen. Frauen mit Autoimmunerkrankungen wie Rheumatoide Arthritis oder Multiple Sklerose (MS) profitieren dagegen von den immunologischen Veränderungen während der Schwangerschaft: „Es gibt kein Medikament, das so wirksam wie eine Schwangerschaft die Krankheitsschübe bei MS verhindern kann", sagt Prof. Arck. „Wenn wir diese immunologischen Vorgänge verstehen, können wir vielleicht eines Tages einen Schwangerschafts-ähnlichen Zustand simulieren und damit das Fortschreiten der Krankheit verhindern."

Wie die werdende Mutter mit dem reifenden Immunsystem des Föten kommuniziert, sei ein weiterer Schwerpunk der neuen KFO 296 („Feto maternale immune cross talk: Consequences for Maternal and Offspring´s Health"), so Prof. Arck. „Man weiß, dass Medikamenteneinnahme, Infektionen oder eine erhöhte Stressbelastung der werdenden Mutter das Immunsystem der ungeborenen Kinder prägen kann. Diese Kinder haben ein höheres Risiko für immunologische Erkrankungen im späteren Leben. Warum das so ist, wollen wir herausfinden."

Klinische Forschergruppen verbinden Labor und Krankenbett
Die neue Forschergruppe umfasst 14 Ärzte und Grundlagenforscher aus verschiedenen Kliniken und Instituten des UKE und des Heinrich-Pette-Instituts. Die Frauenheilkundler, Pränatalmediziner, Immunologen und Virologen werden zudem mit nationalen und internationalen Experten zusammenarbeiten. Kooperationspartner sind das Forschungszentrum Borstel, das Helmholtz Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig, die TU Dresden sowie die University of Edinburgh in Großbritannien. Durch die DFG-Förderung können nun Forschungsvorhaben fortgeführt werden, die seit 2011 dank einer Anschubfinanzierung durch die Behörde für Wissenschaft und Forschung der Freien und Hansestadt Hamburg begonnen wurden. Von der DFG unterstützte Klinische Forschergruppen sind auf krankheits- oder patientenorientierte klinische Forschung ausgerichtet. Durch die enge Zusammenarbeit von Grundlagenforschern und Ärzten sollen sie als wissenschaftliche Arbeitsgruppen dauerhaft in klinischen Einrichtungen implementiert werden.

Weitere Informationen zur Experimentellen Feto-Maternalen Medizin am UKE:
www.uke.de/fmm

Quelle: Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf



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