Frauenärzte im Netz


Aktuelle Meldungen


11.05.2015

HPV verursacht zahlreiche Krebsformen

Humane Papilloma-Viren (HPV) können Krebs im gesamten Intimbereich und seiner Umgebung auslösen - an den Schamlippen, in der Vagina, im Analbereich. Bösartige Erkrankungen durch HP-Viren an diesen Orten sind ebenso häufig wie Krebs des Gebärmutterhalses

Bei Frauen von 20 bis 60 Jahren ist Krebs des Gebärmutterhalses die bei weitem häufigste durch HPV ausgelöste Krebsart. Mit steigendem Lebensalter nimmt zusätzlich das Risiko für  Krebskrankheiten der Schamlippen, des Analbereichs und der Vagina zu; ab einem Alter von 60 Jahren übertrifft die Zahl der Neuerkrankungen diejenige an Gebärmutterhalskrebs (Abbildung 1).

Besonders häufig ist inzwischen die Krebserkrankung der Schamlippen. „Wir sehen in den letzten Jahren hier einen stetigen Anstieg auch bei jüngeren Frauen", so Dr. med. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte. „Außerdem werden Spätformen des Krebses häufiger bei Frauen über 60 oder über 70 Jahre entdeckt, die häufig nicht mehr jedes Jahr zur Krebsfrüherkennung gehen."

Allen diesen Krebsarten ist gemeinsam, dass die Infektion mit HP-Viren zunächst nur oberflächliche Veränderungen in der Haut oder Schleimhaut verursachen, die weder jucken noch Schmerzen verursachen. Frühzeitig entdeckt, können diese Areale schon im Vorstufenstadium durch kleine Eingriffe entfernt werden; die Krebsgefahr ist dann gebannt. Unbehandelt kann die äußerliche Infektion  ebenso wie beim Krebs des Gebärmutterhalses über typische Zellveränderungen zu Vorstufen und Frühformen des Krebs führen, bis die Zellen im Endstadium in das Gewebe eindringen. In einem solchen späten Stadium werden meist größere Operationen erforderlich, zusätzlich Bestrahlungen und Chemotherapie, um den Krebs zurückzudrängen. Diese Behandlung bedeutet einen erheblichen Einschnitt und eine schwerwiegende Einbuße an Lebensqualität. „Vor allem bei älteren Frauen erleben wir oft, dass sie lange Zeit brauchen, um sich von den Strapazen zu erholen", erläutert Dr. med. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte.

„Im Rahmen der jährlichen Krebsfrüherkennungsuntersuchung kontrolliert die Frauenärztin oder der Frauenarzt auch den gesamten Intimbereich. HPV-basierte Veränderungen an den Schamlippen oder in anderen Intimregionen und am After können so frühzeitig entdeckt werden", so Dr. med. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte. Eine engmaschige Krebsfrüherkennung, die in Deutschland jeder Frau lebenslang ab ihrem 20. Geburtstag als kostenlose Leistung der Krankenkasse gesetzlich zusteht, ist somit nicht nur wesentlich für die frühzeitige Erkennung von Vorstufen des Gebärmutterhalskrebs sowie  von Tumoren in der Brust. Sie hilft auch entscheidend, alle anderen durch HP-Viren verursachte Karzinome im Intimbereich bereits in ihren Vorstadien zu entdecken und zu behandeln.

Eine Veränderung der Krebsfrüherkennung und eine Umstellung auf eine reine Labordiagnostik, so wie dies in vielen anderen Ländern der Fall ist, hält Albring für schädlich: „Die Krebsfrüherkennungsuntersuchung in Großbritannien, Schweden, den USA, Frankreich und den meisten anderen Ländern weltweit wird durch medizinisches Hilfspersonal oder Allgemeinärzte durchgeführt und besteht häufig nur aus einem Zellabstrich aus der Scheide, oder seltener aus dem Gebärmutterhals. Eine frauenärztliche Beratung und ganzheitliche Untersuchung findet nicht statt. In Großbritannien, wo zudem der Abstand zwischen zwei Terminen zur Krebsfrühuntersuchungen auf bis zu fünf Jahre verlängert wurde, steigt derzeit nicht nur die Erkrankungsrate an Gebärmutterhals-Krebs, sondern es nimmt auch die Häufigkeit von anderen Krebserkrankungen des Intimbereichs zu."

In der Umsetzung des Krebsfrüherkennungs- und Registergesetzes wird ab 2017 die Frau in Deutschland die Wahl zwischen dem Zellabstrich aus dem Gebärmutterhals einmal pro Jahr oder einem HPV-Test - dann aber nur alle fünf Jahre - zur Früherkennung des Gebärmutterhalskrebses haben. „Das von den Krankenkassen beauftragte Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, das IQWiG, hatte jedoch schon in 2014  festgestellt, dass kein Hinweis für einen Vorteil des HPV-Testes gegenüber Krebsfrüherkennung per Zellabstrich zu finden ist, was die Entdeckung von direkten Krebsvorstufen - den sogenannten CIN3 - und Frühformen des Krebses - den sogenannten CIS - angeht. Deshalb muss die Entscheidung des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenversicherungen, den HPV-Test ab 2017 für 5 Jahre zu testen, zumindest verwundern", äußert sich Dr. Albring. „Besonders irritiert diese Entscheidung aber auch deshalb, weil Studien aus 2015 erneut zeigen, dass der Krebs des Gebärmutterhalses in beinahe 20% nicht vom HPV-Test gefunden wird. Eine weitere Studie zeigt, dass es zu einem erhöhten Auftreten von Karzinomen führen kann, wenn die Abstände zwischen den Untersuchungen zur Krebsfrüherkennung von einem auf mehrere Jahre verlängert werden, einfach weil eine Krebserkrankung dadurch längere Zeit hat, sich unerkannt weiter zu entwickeln."

Abbildung 1. Durch HPV-Infektionen verursachte Krebserkrankungen bei der Frau
(Quelle: Krebsdatenbank des Robert-Koch-Instituts für das Jahr 2011)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abbildung 2. Durch HPV-Infektionen verursachte Todesfälle durch Krebserkrankungen bei der Frau
(Quelle: Krebsdatenbank des Robert-Koch-Instituts für das Jahr 2011)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Quelle: © BVF 2015



Artikel drucken   Artikel empfehlen

Im Fokus

Grippe-Impfung - Schwangere gibt ihren Schutz an ihr Baby weiter

Jede Frau mit Kinder- wunsch und jede Schwangere sollte sich gegen Grippe impfen lassen.

zum Artikel...

Schwangerschafts- beratungsstellen

Hier können sich Frauen und Männer zu allen Fragen rund um Schwangerschaft und Familienplanung kostenfrei und auf Wunsch anonym beraten lassen. Infos und Beratungsstelle in Ihrer Nähe finden (BZgA)...

zum Artikel...

Krebsfrüherkennung – so geht es weiter

Die Krebsfrüh- erkennung beim Frauenarzt wird umgestaltet. Sie hat große Erfolge erzielt und bleibt eine ganz wichtige Maßnahme zur Früherkennung von Krebs.

zum Artikel...

Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen

Das Hilfetelefon berät deutschlandweit betroffene Frauen. Es informiert und vermittelt bei Bedarf an geeignete Unterstützungseinrichtungen vor Ort - an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr.

zum Artikel...

Folsäure-Ergänzung vor Schwangerschaft notwendig

Gerade zu Beginn einer Schwanger- schaft ist der Bedarf an Folsäure besonders hoch. Ein Mangel ist in vielen Fällen die Ursache für Fehlbildungen bei Babys.

zum Artikel...

Infos zum Stillen

Obwohl die Natur das Stillen vorgesehen hat, ist das Gelingen keineswegs selbstverständlich. Hier finden Mütter zahlreiche Tipps und Ratgschläge rund um das Thema.

zum Artikel...

HPV-Impfung nach Konisation reduziert Risiko einer Zweiterkrankung

Die Immuni- sierung nach einer OP trägt dazu bei, das Wiedererkrankungsrisiko deutlich zu senken.

zum Artikel...

Zellauffälligkeiten am Gebärmutterhals

Was bedeutet der Pap-Befund und wie geht es bei Auffälligkeiten beim Abstrich weiter?

zum Artikel...

HPV-Impfung - Schutz gegen Humane Papillomviren

Mit der HPV-Impfung existiert die Möglichkeit, das Risiko für eine Gebärmutterhalskrebs-Erkrankung zu verringern.

zum Artikel...

Pille vergessen - und jetzt?

Wurde die planmäßige Einnahme der Pille versäumt, sollte die fehlende Tablette am besten sofort nachgenommen werden. Ob zusätzlich verhütet werden muss erfahren Sie hier.

zum Artikel...