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23.04.2015

Impfungen - das ist vor und während der Schwangerschaft wichtig

Impfungen sind die sicherste Vorbeugung vor schweren Infektionskrankheiten.  Pocken sind durch Impfprogramme weltweit ausgerottet,  bei der Kinderlähmung ist es fast geschafft. In Deutschland sind Wundstarrkrampf, Diphtherie und Kinderlähmung  praktisch ausgerottet, weil selbst hartnäckige Impfgegner sich meist darauf einlassen, ihre Kinder gegen diese lebensgefährlichen Erkrankungen impfen zu lassen.

Auf welche Impfungen sollten Frauen mit Kinderwunsch oder in der Schwangerschaft achten? Welche Impfungen sind auch in der Schwangerschaft möglich, wenn ein hohes Infektionsrisiko besteht? Anlässlich der Europäischen Impfwoche vom 19. bis 26. April 2015  hat der Berufsverband der Frauenärzte eine vollständige Liste einschließlich Reiseimpfungen zusammengestellt (siehe Tabelle).

Grundsätzlich muss niemals eine Schwangerschaft abgebrochen werden, weil eine Impfung durchgeführt wurde, obwohl bereits eine Schwangerschaft bestand. Es gibt sogar Impfungen, die unbedingt Schwangere erhalten sollten wie z.B. die Grippeimpfung. Auch sollte ein fehlender Schutz vor Wundstarrkrampf und Diphtherie sowie ein fehlender Hepatitis B-Schutz durch Impfung in der Schwangerschaft beseitigt werden.

"In der Schwangerschaft sollte so wenig wie möglich, aber so viel wie nötig geimpft werden. Keine Impfung - auch keine versehentliche Impfung mit Lebendimpfstoffen - hat bislang weltweit einen Schaden bei der Schwangeren oder ihrem Ungeborenen angerichtet", so Dr. med. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte.  „Dennoch sollte bereits  vor einer Schwangerschaft darauf geachtet werden, bestehende Impflücken aufzudecken und zu schließen. Insgesamt  sind  Impfungen in der Schwangerschaft  immer  ungefährlicher,  als Schwangere und Ungeborene  dem Risiko einer Erkrankung auszusetzen", ergänzt Dr. med. Wojcinski, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Impfen des Berufsverbandes.

Tabelle. Erkrankungen, Sicherheit der Impfung und Risiken der Impfung während der Schwangerschaft. (© BVF 2015) 
Erkrankung
Krankheitsbild
Dauer und Sicherheit der Immunisierung durch eine Impfung
Impfung während der
Schwangerschaft möglich?
Cholera (Reiseimpfung)
Schwere Durchfälle, Erbrechen, dadurch Wasserverlust und Austrocknung.
Die Impfung bietet nur einen 60-85%igen Schutz; sie sollte nur zusätzlich zu sorgfältigen Hygienemaßnahmen durchgeführt werden. Der Impfschutz hält nur 6 Monate an. Bei einer erneuten Reise in ein Hochrisikogebiet und potentiellem Cholerakontakt muss nachgeimpft werden.
Die Choleragefährdung  bei touristischen Reisen unter guten Hygieneverhältnissen ist gering, deshalb gibt es nach WHO weltweit keine Impfpflicht für Reisende. Es besteht aber eine Infektionsgefahr  besonders bei Reisen und Einsätzen in Hochrisiko-Arealen wie Katastrophengebieten, Flüchtlingslagern oder Slums. Schwangere sollten Reisen in gefährdete Gebiete grundsätzlich meiden.
Diphtherie (ggf. Reiseimpfung)
Die Diphtherie-Erreger infizieren zuerst Haut und Schleimhäute, verlegen durch Membranbildungen die Atemwege,  können sich aber im ganzen Körper ausbreiten. Das Gift der Erreger kann Herz, Niere und Leber schwer schädigen.
Auffrischimpfung alle 10 Jahre. Unbedingt vor einer Schwangerschaft kontrollieren.
Die Impfung ist in der Schwangerschaft erlaubt. Es handelt sich um einen für Schwangere unbedenklichen Toxoidimpfstoff.
Frühsommer-Meningo-enzephalitis (FSME) (ggf. Reiseimpfung)
Entzündung des Gehirns; Übertragung nur durch Stich einer infizierte Zecke
Bei Aufenthalt in Risikogebieten (z. B. Baden-Württemberg, Bayern, Südhessen, Südthüringen)Auffrischung alle drei Jahre
Falls notwendig, ist die Impfung auch in der Schwangerschaft möglich.
Gelbfieber (Reiseimpfung)
Plötzliches, hohes Fieber, schweres Krankheitsgefühl.  1-2 Tage Erholung, dann erneuter Fieberanstieg, schwere Fälle bis hin zum Koma. In 10-50% tödlich.
Nur vor Reisen in Risikogebiete; die Lebendimpfung ist reich an Nebenwirkungen. Wenn eine solche Reise während der Schwangerschaft unumgänglich ist, sollte die Impfung vor der Schwangerschaft abgeschlossen sein.
Ungeimpfte Schwangere sollten Länder mit Gelbfieberrisiko meiden.
Grippe
Fieber, Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen, Husten
Grippe in der Schwangerschaft kann zu vorzeitigen Wehen und Fehlgeburten führen. Besonders schwere Verläufe bei Schwangeren
Impfung muss jedes Jahr vor Beginn der Grippesaison aufgefrischt werden
Impfung ist in der Schwangerschaft dringend empfohlen, wenn erforderlich auch in den ersten drei Monaten. Alle Kontaktpersonen von Neugeborenen sollten geschützt sein.
Hepatitis A (Reiseimpfung)
Erschöpfung, Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Schmerzen rechten Oberbauch, Gelbsucht
Impfung nur bei Reisen in Infektionsgebiete, häufigem Verzehr von Muscheln und Meeresfrüchten oder beruflichem Kontakt mit Ausscheidungen
Impfung in der Schwangerschaft möglich, wenn ein besonderes Risiko besteht (Reisen)
Hepatitis B
Erschöpfung, Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Schmerzen rechten Oberbauch, seltener Gelbsucht; selten Leberversagen
Falls eine Grundimmunisierung vorhanden ist, muss vor einer Schwangerschaft nicht aufgefrischt werden.
Impfung sollte auch in der Schwangerschaft erfolgen, falls die Schwangere noch keinen Schutz davor hat
HPV-Impfung
Krebserkrankungen von Gebärmutterhalses, Vagina, Schamlippen, Anus, Lippen und Kehlkopf
Impfung sollte vor dem Beginn der sexuellen Aktivität abgeschlossen sein. Ob irgendwann eine Auffrischung erforderlich wird, ist noch nicht bekannt.
Als Totimpfstoff in der Schwangerschaft unbedenklich, jedoch sollte eine begonnene Grundimmunisierung während der Schwangerschaft unterbrochen werden.
Keuchhusten
Schwere Hustenattacken über mehrere Wochen, anfangs Fieber. Bei Säuglingen statt Husten auch Atemstillständ.
Immunität lässt nach 10 Jahren nach. Deshalb Auffrischimpfung vor der Schwangerschaft empfehlenswert.
Falls notwendig, ist eine Impfung während der Schwangerschaft möglich. Alle Kontaktpersonen von Neugeborenen sollten geschützt sein.
Kinderlähmung (Polio)
Fieber, als Langzeitfolge dauerhafte Lähmungen
Auffrischimpfung bei erhöhtem Infektionsrisiko (z.B. Reisen) empfehlenswert
Als Totimpfstoff in der Schwangerschaft unbedenklich, jedoch sollte eine Impfung nur bei dringender Notwendigkeit durchgeführt werden, z.B.  ungeimpfte Schwangere mit potentieller Gefährdung durch unabwendbare Reisenotwendigkeit in Gefährdungsgebiet. Nebenwirkungen: Leichtes Fieber, Frösteln, Kopf- und Gliederschmerzen
Masern
Hohes Fieber, Husten, Augenrötungen, Ausschlag. Bei 1  von 1000 Erkrankten: Entzündung des Gehirns. 1 von 500 Kindern, die innerhalb der ersten zwei Lebensjahre infiziert werden, erleidet eine tödliche Folgeerkrankung.
Alle Personen sollten durch zweimalige Masern-Mumps-Rötelnimpfung lebenslang geschützt sein. Frauen mit Kinderwunsch müssen vor der Schwangerschaft geimpft werden. Als Lebendimpfstoff in der Schwangerschaft nicht erlaubt. Auffrischungen sind nicht erforderlich.
Es wird mit abgeschwächten, lebenden Viren geimpft. Deshalb kann es gelegentlich innerhalb von 2 Wochen nach der Impfung zu masernähnlichen Symptomen kommen. Diese durch Impfstoff ausgelöste Reaktion ist ungefährlich, klingt ohne Behandlung wieder ab und kann andere nicht anstecken.
Die Impfung sollte nicht in der Schwangerschaft stattfinden, da es sich um einen Lebendimpfstoff handelt. Versehentliche Impfung in der Schwangerschaft ist aber kein Grund zur Sorge oder gar einen Schwangerschaftsabbruch.
Meningo-
kokken C
Gehirnhautentzündung
Einmalige Impfung reicht; vermutlich lebenslange Immunität. Jeder Jugendliche erhält diese Impfung bis zum 18. Lebensjahr.
Nachimpfen nur bei unumgänglichen Reisen in Risikogebiete. Dann aber als Vierfachimpfstoff gegen die Meningitis-Erregertypen A, C, W135 und Y
Mumps
Grippeähnlich, schmerzhafte Schwellung der Ohrspeicheldrüsen. In 10% Entzündung der Hirnhäute, seltener Entzündung der Bauchspeicheldrüse, des Hörnervs oder der Hoden und Nebenhoden. Langzeitfolgen sind möglich.
Wenn die Immunisierung mit 2 Impfungen in der Kindheit vollständig war, muss vor einer Schwangerschaft nicht geimpft werden. Sonst vor der Schwangerschaft für die Komplettierung der 2 Impfungen sorgen
Die Impfung sollte nicht in der Schwangerschaft stattfinden, da es sich um einen Lebendimpfstoff handelt. Versehentliche Impfung in der Schwangerschaft ist aber kein Grund zur Sorge oder gar einen Schwangerschaftsabbruch.
Pneumokokken-Erkrankungen
Lungenentzündung, bei immungeschwächten Menschen auch schwere, fiebrige Entzündungen im HNO-Bereich oder der Hirnhäute.
Die Impfung wird bei verschiedenen chronischen Erkrankungen  der inneren Organe, bei Diabetes und Immungeschwächten empfohlen (nach HIV-Infektion, Organtransplantation o.ä.), bei Fehlen der Milz und verschiedenen Krankheiten der roten Blutkörperchen.
Die Impfung ist nur bei Vorerkrankungen notwendig, die das Immunsystem beeinträchtigen. Es ist sinnvoll, in einer solchen Situation alle notwendigen Impfungen vor einer geplanten Schwangerschaft abzuschließen.
Röteln
Fieber, Hautausschlag. In der Schwangerschaft ist eine schwere Schädigung des ungeborenen Babys möglich.
Falls die Impfung als Kind nicht vollständig war oder der Impfstatus unklar ist, sollte unbedingt vor Beginn der Schwangerschaft geimpft werden.
Die Impfung sollte nicht in der Schwangerschaft stattfinden, da es sich um einen Lebendimpfstoff handelt. Versehentliche Impfung in der Schwangerschaft ist aber kein Grund zur Sorge oder gar einen Schwangerschaftsabbruch.
Tetanus (Wundstarrkrampf)
Meist tödliche Krämpfe und Atemstillstand.
Alle 10 Jahre Auffrischimpfung.
Falls die letzte Auffrischimpfung länger als 10 Jahre zurückliegt, sollte in der Schwangerschaft geimpft werden. Dann möglichst als Kombinationsimpfung auch gegen Diphtherie und Keuchhusten.
Tollwut (Reiseimpfung)
Tollwut ist immer tödlich. Übertragung durch infizierte Fleischfresser - Füchse, Schakale, Affen, Fledermäuse, Wild lebende Hunde und Katzen. Tollwut gilt derzeit in Mitteleuropa und Australien als ausgerottet.
Nach einer dreimaligen Grundimmunisierung ist ein Nachimpfen nicht erforderlich.
Falls während der Schwangerschaft ein Kontakt oder Biss durch ein tollwutkrankes Tier nicht ausgeschlossen werden kann, müssen sofort sämtliche Maßnahmen der passiven Immunisierung (Immunglobuline) und ggf auch aktive Immunisierung  nach WHO-Schema vorgenommen werden. Ohne diese Maßnahmen verläuft die Krankheit tödlich, sobald die ersten Symptome aufgetreten sind.
Typhus (Reiseimpfung)
Lange Phase mit steigendem, dann hohem Fieber, schwerem Krankheitsgefühl und Bauchschmerzen; später schwere Durchfälle, Darmperforationen, Meningitis und andere schwere Krankheitszeichen.
Die Impfung schützt nur 60% der Geimpften, die Immunität geht nach drei Jahren wieder verloren. Nachimpfung vor jedem Aufenthalt in Risikogebieten.
Falls eine Reise in ein Typhus-Risikogebiet während der Schwangerschaft unumgänglich ist, kann auch während der Schwangerschaft geimpft werden. Dadurch sinkt das Risiko einer Infektion erheblich.

Windpocken

Fieber, Hautausschlag, juckende Bläschen. Nach durchgemachter Erkrankung kann sich später eine Gürtelrose (Herpes zoster) entwickeln. Bei Säuglingen oft schwere Verläufe.
Falls die Impfung als Kind nicht vollständig war oder der Impfstatus unklar ist, sollte unbedingt vor Beginn der Schwangerschaft geimpft werden
Jede ungeschützte Frau  sollte 2 Impfungen erhalten haben.
Die Impfung sollte nicht in der Schwangerschaft stattfinden, da es sich um einen Lebendimpfstoff handelt. Versehentliche Impfung in der Schwangerschaft ist aber kein Grund zur Sorge oder gar einen Schwangerschaftsabbruch.

© BVF 2015


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