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20.01.2015

Pille danach - Rezeptpflicht bleibt bis zum Frühjahr

Die "Pille danach" bleibt in Deutschland noch bis zum Frühjahr rezeptpflichtig und wird in dieser Zeit auch weiterhin nur mit ärztlichem Rezept in der Apotheke erhältlich sein. Die Umstellung auf die Rezeptfreiheit, die das Bundesgesundheitsministerium plant, soll nach Vorstellung des Ministeriums zwar zügig erfolgen. Aber zunächst müssen noch die notwendigen Änderungen der Verordnung vorgenommen werden, die Arzneimittelverschreibungen regelt, und Fragen der Beratung und Dokumentation in der Apotheke müssen geklärt werden. Am 16. Januar 2015 traf sich erstmals eine Runde mit Vertreterinnen und Vertretern der Ärzte, der Apotheker und der Arzneimittelindustrie im Bundesgesundheitsministerium, um die Rezeptfreiheit für die Notfallverhütung vorzubereiten.

In der Schweiz werden Frauen mit Hilfe eines standardisierten Dokumentationsbogens in der Apotheke befragt und beraten. Ob ein ähnliches Modell auch in Deutschland eingeführt werden sollte, darüber werden die Beratungen in den kommenden Wochen entscheiden. "Bei beiden Arzneimitteln zur Notfallverhütung handelt es sich um hochwirksame Medikamente, die selbstverständlich außerhalb der Notfallsituation in der Rezeptpflicht bleiben", erläutert Dr. med.  Klaus König, Vizepräsident des Berufsverbandes der Frauenärzte, einer der beiden Vertreter des Berufsverbandes in der Gesprächsrunde. "Apotheken haben deshalb im Prinzip bei der Abgabe dieser Arzneimittel dieselben Pflichten der Aufklärung und Dokumentation wie Ärzte, und sie müssten sich denselben Standards unterwerfen, was die Fragen zur Notwendigkeit der Einnahme angeht, zur Wirksamkeit oder Unwirksamkeit des Arzneimittels, zum Ausschluss von Gegenanzeigen und zur Aufklärung über Nebenwirkungen und vor allem auch zur notwendigen Verhütung im weiteren Verlauf des Zyklus. Fühlt sich eine Frau nicht hinreichend beraten und wird dann ungewollt schwanger, so wird es dem Apotheker helfen, wenn er die Befragung und die Aufklärung dokumentiert hat."

Ein weiteres Thema muss ebenfalls in den kommenden Wochen geklärt werden: "Wir haben in Deutschland die niedrigste Rate an unerwünschten Schwangerschaften bei Teenagern weltweit und die niedrigste Rate an Schwangerschaftsabbrüchen", stellt Sanitätsrat Dr. med. Werner Harlfinger fest, Landesvorsitzender Rheinland-Pfalz des Berufsverbandes der Frauenärzte und ebenfalls Teilnehmer an der Gesprächsrunde im Bundesgesundheitsministerium. "Wir führen dies auf die hervorragende Aufklärung und frauenärztliche Versorgung junger Mädchen und ihre ärztliche Betreuung in der Situation der Notfallverhütung in Deutschland zurück. Weder in Schweden noch in Großbritannien, Frankreich oder den USA haben wir vergleichbare Strukturen; und in all diesen Ländern ist trotz langjähriger Rezeptfreiheit der Notfallverhütung die Rate an Schwangerschaftsabbrüchen bei Teenagern teilweise um ein Vielfaches höher." Es müsse alle Sorge dafür getragen werden, so der Frauenarzt, dass auch in Zukunft unerwünschte Teenagerschwangerschaften in Deutschland die Ausnahme bleiben. "Es gilt, hierfür eine tragfähige Lösung zu erarbeiten. Das hat für uns alle Priorität."

©BVF 2015


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