Frauenärzte im Netz


Aktuelle Meldungen


05.12.2013

Schwere Zeiten – Wochenbett nach dem Kaiserschnitt

In Deutschland kommt fast jedes dritte Kind per Kaiserschnitt auf die Welt. Vor 20 Jahren lag der Anteil der Kaiserschnittgeburten noch bei 16 Prozent. Diese Veränderung stellt nicht nur enorme Anforderungen an das Personal im Kreißsaal sondern auch an das Personal auf den Wochenbettstationen und  die Hebammen in der häuslichen Wochenbettbetreuung.

Das Wochenbett beginnt per Definition mit der Geburt der Plazenta. Bei einer Geburt per Kaiserschnitt beginnt das Wochenbett also noch im Operationssaal. Da in vielen Krankenhäusern die Frauen nach Kaiserschnitt nicht mehr im Aufwachraum überwacht werden, sondern im Kreißsaal, sind Hebammen nicht nur für die „normale" Betreuung von Müttern nach der Geburt zuständig, sondern auch für die kritische Situation nach der Kaiserschnitt-Operation. Intensivmedizinische Überwachung der frisch operierten Frau und Unterstützung der frühen, engen Kontaktaufnahme von Mutter und Kind sind zwei Aspekte, die sich oft nur schwer vereinbaren lassen, weil auch hier die Kapazitäten der Hebammen oft nicht für beides reicht. Außerdem leiden Kinder nach Kaiserschnittgeburten häufiger unter Anpassungsstörungen,  die eine Verlegung in die Kinderklinik notwendig machen.

Nach der Verlegung aus dem Kreißsaal auf die Station erschweren oft starke Schmerzen nach der Operation die Beweglichkeit und das Aufstehen und machen das eigenständige Versorgen des Neugeborenen nahezu unmöglich. Frauen nach einer Kaiserschnitt-Entbindung sind deutlich mehr auf Hilfe und Unterstützung des Pflegepersonals angewiesen als Frauen nach vaginalen Geburten. Allerdings ist diese Unterstützung oft nicht im ausreichenden Maße möglich, da auch auf den Wochenbettstationen  oft nicht genug Pflegepersonal  zur Verfügung steht. Besonders schwierig ist die Situation, wenn das Neugeborene in der Kinderklinik liegt und der anstrengende Weg dorthin der Mutter den Kontakt erschwert.

 Im Zuge der Einführung des neuen Vergütungs-Systems für die Krankenhäuser, des DRG-Systems, haben Krankenhäuser die Liegezeiten auch auf den Wochenbettstationen drastisch verkürzt. Nicht selten werden Frauen bereits vor dem 3.oder 4. Wochenbetttag nach Hause entlassen, auch nach einem Kaiserschnitt, obwohl nach der DRG-Festlegung der Aufenthalt auch ohne weitere Komplikationen bis zu sieben Tagen betragen darf. Wird Entlassung zu früh angesetzt, so treffen die nachbetreuenden Hebammen dann oft auf Frauen mit erheblichen Wundschmerzen und Stillschwierigkeiten . Die Frauen können ihre Babys nur schwer tragen und wickeln, und sie können sich kaum um ältere Geschwister kümmern, die ja meist selbst noch im Kleinkindalter sind. Der deutlich höhere Unterstützungsbedarf der Frauen nach Kaiserschnitt kann heute oftmals nicht über PartnerIn, Familie oder Freunde abgedeckt werden. So kommt es zunehmend dazu, dass sich Frauen nach einem Kaiserschnitt nicht ausreichend schonen und erholen können und  häufiger Wundheilungsstörungen und Entzündungen auftreten.  Auch wenn der spätere  Verlauf des Wochenbetts dem nach einer vaginalen Geburt meist entspricht, so sind es doch diese ersten wichtigen Tage, die maßgeblich mit über Bonding und Bindungsaufbau zwischen Mutter und Kind bestimmen. Hier gibt es häufig großen Bedarf nach Beratung und Anleitung durch die Hebamme.

Alle Frauen haben Anspruch auf Hebammenhilfe. Auch für Schwangere, bei denen ein Kaiserschnitt geplant ist, ist es unbedingt empfehlenswert, sich bereits vor der Geburt um eine Hebamme unter anderem für die Betreuung in der Wochenbettperiode zu kümmern.

Der Berliner Hebammenverbandes e. V. vertritt die Interessen von über 850 Hebammen und werdenden Hebammen in Berlin,  sowohl im angestellten als auch im freiberuflichen Bereich.

Quelle: http://www.berliner-hebammenverband.de/


Artikel drucken   Artikel empfehlen

Im Fokus

Grippe-Impfung - Schwangere gibt ihren Schutz an ihr Baby weiter

Jede Frau mit Kinder- wunsch und jede Schwangere sollte sich gegen Grippe impfen lassen.

zum Artikel...

Schwangerschafts- beratungsstellen

Hier können sich Frauen und Männer zu allen Fragen rund um Schwangerschaft und Familienplanung kostenfrei und auf Wunsch anonym beraten lassen. Infos und Beratungsstelle in Ihrer Nähe finden (BZgA)...

zum Artikel...

Krebsfrüherkennung – so geht es weiter

Die Krebsfrüh- erkennung beim Frauenarzt wird umgestaltet. Sie hat große Erfolge erzielt und bleibt eine ganz wichtige Maßnahme zur Früherkennung von Krebs.

zum Artikel...

Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen

Das Hilfetelefon berät deutschlandweit betroffene Frauen. Es informiert und vermittelt bei Bedarf an geeignete Unterstützungseinrichtungen vor Ort - an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr.

zum Artikel...

Folsäure-Ergänzung vor Schwangerschaft notwendig

Gerade zu Beginn einer Schwanger- schaft ist der Bedarf an Folsäure besonders hoch. Ein Mangel ist in vielen Fällen die Ursache für Fehlbildungen bei Babys.

zum Artikel...

Infos zum Stillen

Obwohl die Natur das Stillen vorgesehen hat, ist das Gelingen keineswegs selbstverständlich. Hier finden Mütter zahlreiche Tipps und Ratgschläge rund um das Thema.

zum Artikel...

HPV-Impfung nach Konisation reduziert Risiko einer Zweiterkrankung

Die Immuni- sierung nach einer OP trägt dazu bei, das Wiedererkrankungsrisiko deutlich zu senken.

zum Artikel...

Zellauffälligkeiten am Gebärmutterhals

Was bedeutet der Pap-Befund und wie geht es bei Auffälligkeiten beim Abstrich weiter?

zum Artikel...

HPV-Impfung - Schutz gegen Humane Papillomviren

Mit der HPV-Impfung existiert die Möglichkeit, das Risiko für eine Gebärmutterhalskrebs-Erkrankung zu verringern.

zum Artikel...

Pille vergessen - und jetzt?

Wurde die planmäßige Einnahme der Pille versäumt, sollte die fehlende Tablette am besten sofort nachgenommen werden. Ob zusätzlich verhütet werden muss erfahren Sie hier.

zum Artikel...