Frauenärzte im Netz


Aktuelle Meldungen


09.11.2017

Toxisches Schocksyndrom: Risiken durch Tampon-Verwendung äußerst gering

Der Berufsverband der Frauenärzte (BVF) weist darauf hin, dass das Erkrankungsrisiko für ein Toxisches Schocksyndrom (TSS) durch die Verwendung von Tampons äußerst gering ist. Beim TSS handelt es sich um eine Infektionserkrankung mit dem Bakterium Staphylococcus aureus die sehr selten auftritt - oft im Zusammenhang mit Infektionen abseits von der Menstruation .

Das Bakterium s. aureus kommt fast überall in der Natur vor. Etwa 15 - 40 Prozent der gesunden Menschen sind im Nasen-Rachenraum damit besiedelt. Der Erreger kann bestimmte Giftstoffe (Exotoxine mit Superantigeneigenschaft) produzieren, auf die das menschlich Immunsystem stark reagieren kann, wenn es zum ersten Mal damit in Kontakt kommt. Schwerwiegende Krankheitserscheinungen - wie das Toxische Schocksyndrom - treten dann auf, wenn das Bakterium auf ein Immunsystem trifft, dass noch keinen Kontakt zum Erreger hatte und daher nicht in der Lage ist, entsprechende Antikörper zu bilden. Menschen, die an einem TSS erkranken, sind oft jung und waren noch nicht mit dem Erreger konfrontiert. Im späteren Erwachsenenalter besitzen mehr als 90 Prozent aller Menschen Antikörper. Ein TSS kann jedoch auch durch andere bestimmte Bakterienstämme ausgelöst werden, wie z.B. Streptococcus pyogenes.
Typische Symptome eines TSS sind plötzliches Auftreten von Kopfschmerzen, Schwindel und insbesondere ein Blutdruckabfall sowie hohes Fieber und sonnenbrandähnlicher Hautausschlag. Bei entsprechenden Symptomen ist grundsätzlich ärztliche Hilfe zu suchen.

TSS kommt keinesfalls nur bei menstruierenden Frauen vor

Als Eintrittspforten für die Erreger eines Toxischen Schocksyndroms fungieren Hautwunden, Verbrennungen, Insektenstiche oder chirurgische Wunden. Ein TSS kann auch als Komplikation bei Frauen mit Diaphragma, im Wochenbett, mit infektiösem Abort sowie in der nicht geburtshilflichen gynäkologischen Chirurgie auftreten.
Das Toxische Schocksyndrom kommt häufiger nicht-menstruell als im Zusammenhang mit der Menstruation vor. Zudem trifft es mehr Kinder und Männer als Frauen. Das Krankheitsbild ist also keinesfalls auf menstruierende Frauen beschränkt, sondern kann praktisch in allen Lebenssituationen und bei verschiedenen Krankheitsbildern (u.a. Abszessen, Nasen- und Nasennebenhöhlenerkrankungen, Haut- und Schleimhautinfektionen, Verbrennungen, Influenza etc.) vorkommen.

Es gibt wenige Fälle aus der Vergangenheit, bei der die Erkrankung auch mit der Verwendung von Tampons in Verbindung gebracht wurde. Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre kam in den USA der Begriff der „Tamponkrankheit" auf, da in diesem Zeitraum spezielle hochsaugfähige Produkte zeitweise auf den Markt waren und parallel menstruationsassoziierte TSS beobachtet wurden. Eine spätere Untersuchung zum Einfluss des Materials von Tampons und damit einhergehenden Risiken für ein TSS kam zu keinem eindeutigen Ergebnis.
Nach Literaturrecherche sind in Deutschland nur vereinzelt Fallberichte mit TSS beschrieben - einmal im Zuge einer Nagelbettentzündung (Panaritium), einmal nach plastischen Operationen und einmal während einer Menstruation ohne Tampongebrauch. Für Deutschland liegen keine gesicherten Zahlen vor. Das Robert Koch-Institut gibt 2015 geschätzt 3-6 Fälle von TSS pro 100.000 sexuell aktive Frauen/Jahr an - davon 92 Prozent im Zusammenhang mit der Menstruation. In den USA wird mit etwa einem Fall von Toxischem Schocksyndrom pro 200.000 Einwohner gerechnet.

Berücksichtigt man den weltweit verbreiteten Gebrauch von Tampons seit Jahrzehnten, so ist das gemeinsame Auftreten von TSS im Zusammenhang mit der Menstruation und der Verwendung von Tampons extrem selten.

Sorgfältige Menstruationshygiene ist grundsätzlich wichtig

Auch um Infektionen mit anderen Krankheitskeimen vorzubeugen, ist eine gute Menstruationshygiene grundsätzlich wichtig und angeraten. Folgende Hinweise werden in Lehrbüchern (2.) oder auch von Herstellern von Hygieneprodukten genannt:

  • Vor und nach dem Einführen eines Tampons sollten gründlich die Hände gewaschen werden.
  • Beim ersten Eintritt der Regelblutung empfiehlt es sich, mit der kleinsten Tamponstärke zu beginnen.
  • Es empfiehlt sich, die Stärke des Tampons entsprechend der aktuellen Blutungsstärke individuell anzupassen.
  • An Tagen mit stärkerer Blutung kann es sein, dass der Tampon häufiger gewechselt werden muss, meistens aber alle 3 - 6 Stunden.
  • An Tagen leichter Blutung kann ein kleinerer Tampon auch 6 - 8 Stunden getragen werden.
  • Hersteller empfehlen, den Tampon zu wechseln, bevor er acht Stunden in Benutzung war
  • Nachts kann die gleiche Tampongröße wie tagsüber verwendet werden. Hersteller empfehlen hier, den Tampon vor dem zu Bett gehen einzuführen und ihn gleich nach dem Aufstehen wieder zu wechseln
  • Schläft man länger als acht Stunden, machen Hersteller darauf aufmerksam, den Tampon gleich nach dem Aufstehen zu wechseln
  • Es ist wichtig, nur Tampons aus unbeschädigten Originalverpackungen zu verwenden.

Fragen zur Menstruationshygiene können in der frauenärztlichen Sprechstunde gestellt werden. Nähere Informationen zu den einzelnen Tampon-Produkten, die auf dem Markt sind, kann man der Packungsbeilage entnehmen.

Quellen:

1.      Das Toxic-Shock-Syndrom aus gynäkologischer Sicht, Werner Mendling, Frauenarzt 2016/11

2.      Kinder- und Jugendgynäkologie, Patricia G. Oppelt/ Helmuth-Günther Dörr (Hrsg.) 2014

3.      RKI-Ratgeber für Ärzte "Staphylokokken-Erkrankungen", www.rki.de

4.      http://www.ob.de/steigt-das-risiko-tss-zu-erkranken-wenn-ich-nachts-tampons-trage

November 2017 (ain-red)



Artikel drucken   Artikel empfehlen

Im Fokus

Schwangerschafts- beratungsstellen

Hier können sich Frauen und Männer zu allen Fragen rund um Schwangerschaft und Familienplanung kostenfrei und auf Wunsch anonym beraten lassen. Infos und Beratungsstelle in Ihrer Nähe finden (BZgA)...

zum Artikel...

Krebsfrüherkennung – so geht es weiter

Die Krebsfrüh- erkennung beim Frauenarzt wird umgestaltet. Sie hat große Erfolge erzielt und bleibt eine ganz wichtige Maßnahme zur Früherkennung von Krebs.

zum Artikel...

Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen

Das Hilfetelefon berät deutschlandweit betroffene Frauen. Es informiert und vermittelt bei Bedarf an geeignete Unterstützungseinrichtungen vor Ort - an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr.

zum Artikel...

Folsäure-Ergänzung vor Schwangerschaft notwendig

Gerade zu Beginn einer Schwanger- schaft ist der Bedarf an Folsäure besonders hoch. Ein Mangel ist in vielen Fällen die Ursache für Fehlbildungen bei Babys.

zum Artikel...

Infos zum Stillen

Obwohl die Natur das Stillen vorgesehen hat, ist das Gelingen keineswegs selbstverständlich. Hier finden Mütter zahlreiche Tipps und Ratgschläge rund um das Thema.

zum Artikel...

HPV-Impfung nach Konisation reduziert Risiko einer Zweiterkrankung

Die Immuni- sierung nach einer OP trägt dazu bei, das Wiedererkrankungsrisiko deutlich zu senken.

zum Artikel...

Zellauffälligkeiten am Gebärmutterhals

Was bedeutet der Pap-Befund und wie geht es bei Auffälligkeiten beim Abstrich weiter?

zum Artikel...

HPV-Impfung - Schutz gegen Humane Papillomviren

Mit der HPV-Impfung existiert die Möglichkeit, das Risiko für eine Gebärmutterhalskrebs-Erkrankung zu verringern.

zum Artikel...

Safer Sex

Sexuell- übertrag- bare  Krankheiten sind wieder auf dem Vormarsch. In den allermeisten Fällen kann man sich gut davor schützen.

zum Artikel...

"Frauenkrankheiten" von A bis Z

Infos zu den Symptomen und Be- schwerden, der Diagnostik und der Behandlung von gynäkologischen Erkrankungen...

zum Artikel...

Pille vergessen - und jetzt?

Wurde die planmäßige Einnahme der Pille versäumt, sollte die fehlende Tablette am besten sofort nachgenommen werden. Ob zusätzlich verhütet werden muss erfahren Sie hier.

zum Artikel...