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17.05.2011

HPV-Impfung kann fruchtbare Frauen von Operationen am Gebärmutterhals bewahren

Die Impfung gegen Humane Papillomviren (HPV) wird zum Schutz vor Gebärmutterhalskrebs angeboten. Allein in Deutschland erkranken jährlich mehr als 6.000 Frauen an dieser Krebserkrankung - rund 1.700 sterben pro Jahr daran. „Durch den Impfschutz können neben Gebärmutterhalskrebs jedoch auch die zahlenmäßig wesentlich häufiger vorkommenden Krebsvorstufen verhindert werden, die bereits in einem früheren, oftmals noch fruchtbaren Lebensalter auftreten und behandelt werden müssen. Das ist ein ganz wichtiger Aspekt des Schutzes der HPV-Impfung, der angesichts der niedrigen Impfraten offenbar noch zu wenig bekannt ist", erklärt Prof. Klaus Friese, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) in München. „Jedes Jahr werden aufgrund von Zellauffälligkeiten an die 100.000 Eingriffe am Muttermund -  so genannte Konisationen - durchgeführt. Diese Eingriffe haben eine Komplikationsrate von 2 - 7 % und können in der Folge das Risiko für Frühgeburten und Fehlgeburten erhöhen, weil der Gebärmutterhals durch die Operation an Stabilität verliert. Hinzu kommen mitunter erhebliche psychische Belastungen für die Betroffenen. Oft ist über einen langen Zeitraum ungewiss, ob ein operativer Eingriff bevorsteht oder ob die Veränderung von selbst wieder ausheilen", ergänzt der Gynäkologe. In Deutschland sind nur rund ein Drittel der Mädchen und jungen Frauen geimpft, für welche die Impfung empfohlen wird. Die Ständige Impfkommission (STIKO) des Robert Koch-Instituts rät Mädchen im Alter von 12 bis 17 Jahren seit 2007 zu der Immunisierung.

Schutzwirkung der HPV-Impfung stärker als angenommen

Nach aktuellen Studiendaten ist die Impfung wesentlich effektiver als angenommen wurde. Die HPV-Impfung ist gegen die beiden Verursacher von Gebärmutterhals gerichtet, die am häufigsten an der Krebsentstehung beteiligt sind und rund 70% der HPV-bedingten Erkrankungen verursachen. „Nun zeigten Studien, dass Mädchen, die zum Zeitpunkt der Impfung noch nicht mit HPV infiziert sind, zu 93% Prozent vor Krebsvorstufen durch HP-Viren geschützt sind. Diese erweiterte Schutzwirkung ist dadurch zu erklären, dass bestimmte HP-Viren strukturell ähnlich aufgebaut sind, weswegen sich der Impfschutz erfreulicherweise zu einem Teil auch auf diese Typen erstreckt", ergänzt der Direktor der Kliniken und Polikliniken für Frauenheilkunde und Geburtshilfe in München-Grosshadern und Innenstadt.

Bislang ist eine Schutzdauer von mehr als sechs Jahren nachgewiesen worden. Experten gehen jedoch davon aus, dass eine anhaltende Wirksamkeit von über 10 Jahren erreicht werden wird. Ab welchem Zeitpunkt eine Booster-Impfung notwendig sein wird, müssen die laufenden Studien jedoch noch klären. „Auch haben sich bislang die Befürchtungen nicht bestätigt, dass es aufgrund der Impfung zu einem Ersetzen in der Populationslücke durch andere HPV-Typen kommen könnte, gegen die der Impfstoff nicht gerichtet ist", erklärt Prof. Friese.

Die Impfung ist sicher und verträglich

Für eine vollständige Immunisierung sind drei Impfdosen notwendig, die im Zeitraum eines halben Jahres verabreicht werden. Als unerwünschte Reaktionen nach der Impfung können Fieber, Juckreiz, Schmerzen, Rötungen, Schwellungen und Blutungen an der Einstichstelle am Oberarm vorkommen. Leichte und schwere unerwünschte Nebenwirkungen entsprechen denen, bereits etablierter Impfstoffe, die seit Jahren vom Robert Roch-Institut als Standard-Impfungen bei Jugendlichen empfohlen werden. „Ab dem Zeitpunkt der Einführung der Impfung, wurden die Todesfälle bei Mädchen und Frauen im Alter zwischen 15 und 25 Jahren genau überwacht. Seitdem kam es zu keinem Anstieg dieser Ereignisse", berichtet Prof. Friese.

Aufklärung über Impfung wichtig

Am wirkungsvollsten ist die Impfung vor dem ersten Geschlechtsverkehr, da sich Mädchen theoretisch bereits beim «ersten Mal» anstecken können. Aus medizinischer Sicht kann jedoch jeder Frau, die sexuell aktiv ist, zu einer Impfung geraten werden. „Wir Frauenärzte können nur empfehlen, dass sich die Mütter von jungen Mädchen und auch Jugendliche selbst, über die Risiken von HPV-Infektionen und die Chancen einer rechtzeitigen, kostenfreien Impfung aufklären. Das kann beispielsweise in der Mädchensprechstunde erfolgen, die von vielen Frauenärzten angeboten wird, doch auch die normale gynäkologische Sprechstunde kann dazu genutzt werden", ergänzt Dr. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte (BVF) in München. „Weil die Impfung nicht gegen alle gefährlichen HPV-Typen gerichtet ist, bleibt die jährliche Untersuchung zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs trotz Impfung weiterhin empfohlen."

Humane Papillomviren werden in der Regel beim Sexualkontakt über die infizierte Hautoberfläche übertragen. Sie können chronische, symptomlose Infektionen hervorrufen aus denen sich Jahre später über Krebsvorstufen eine Krebserkrankung entwickelt.

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