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Impfung gegen Grippe (Influenza) in der Schwangerschaft

Grippe und Immunsystem


Das Immunsystem hat die Aufgabe, Fremdstoffe und Krankheitserreger zu erkennen, zu neutralisieren und zu vernichten und Schutzmechanismen aufzubauen, die auch in weiter Zukunft vor erneuten Infektionen bewahren sollen.
Um vor Krankheitserregern wie Viren, Bakterien und Pilzen zu schützen und Infektionen zu überwinden, hat der Körper ein mehrstufiges System:

  1. Mechanische Schutzfunktionen der Haut und Schleimhaut - Hornschichten, Sekret, Flimmerhärchen, Säuregehalt.
  2. Weiße Blutkörperchen, die im Knochenmark gebildet werden. Zu ihren Aufgaben gehören:
    • Erkennen von Schadstoffen und Krankheitserregern
    • Vernichten von Schadstoffen und Krankheitserregern durch Auffressen und Verdauen oder Abkapseln
    • Erkennen von Protein-Strukturen auf der Hülle der Krankheitserreger, die für diese typisch sind (Antigene)
    • Produktion von passgenauen Gegenstücken zu diesen Antigenen (Antikörper), die sich an die Antigene binden können und so dazu beitragen, den Krankheitserreger inaktiv zu machen
    • Vervielfältigung dieser Antikörper, um sämtliche vorhandenen Krankheitserreger zu binden und unschädlich zu machen
    • Aufbau eines Gedächtnisses, das noch nach Jahren in der Lage ist, diesen Krankheitserreger wiederzuerkennen und unschädlich zu machen.

  3. Erhöhung der Körpertemperatur, weil die meisten Krankheitserreger durch eine Temperaturerhöhung von 37 auf 38 oder 39 Grad geschwächt werden können.
  4. Krankheitsgefühl, das zur Schonung zwingt, so dass Energie und Baustoffe ausschließlich für die Krankheitsbekämpfung zur Verfügung stehen.

Schwere Erkrankungsverläufe durch Influenza-Infektion möglich

Das Influenza-Virus ist viel aggressiver als andere Erkältungsviren: Es befällt die Zellen der Bronchien, dringt in sie ein, und jede einzelne infizierte Zelle wird so umprogrammiert, dass sie innerhalb von 18 Stunden bis zu 20.000 neue Viren produziert und freisetzt. Nach 36 Stunden sind also aus einem einzelnen Influenza-Virus bereits bis zu 40 Millionen Viren entstanden. Die befallenen Zellen geht bei diesem Prozess zugrunde, die neuen Viren befallen die benachbarten Zellen. In der Atemluft von infizierten Personen finden sich bis zu 10 Millionen Viren pro Milliliter - handelt es sich um Erkältungsviren (Rhinoviren), so findet man nur etwa 300.000 Viren pro Milliliter.

Im akuten Stadium der Krankheit sind die Schleimhäute der Bronchien vollständig entzündet und geschädigt. Damit das Immunsystem in dieser Situation nicht völlig außer Kontrolle gerät, schüttet das Hormonsystem als Schutz Cortisol aus, das die Entzündungsreaktionen eindämmt.

Allerdings dämpft Cortisol insgesamt das Immunsystem. Das führt zum einen dazu, dass die Erholung bei einer Influenza verzögert abläuft. Und zum anderen hat der Körper nur einen reduzierten Schutz, wenn weitere Krankheitserreger die vorgeschädigte Schleimhaut der Atemwege befallen.

Deswegen erkranken Menschen, die sich von einer Influenza schon fast erholt haben, häufig noch ein zweites Mal, und zwar an einer Bronchitis oder Lungenentzündung, die durch Bakterien verursacht wurde. Die meisten Todesfälle werden durch diese Folgekrankheiten verursacht. Auch bei Säuglingen und ganz besonders bei Frühgeborenen ist nicht nur die Influenza-Erkrankung selbst, sondern die nachfolgenden bakteriellen Erkrankungen gefährlich. Bei Frühgeborenen, deren Immunsystem noch sehr schwach ist, kommt es häufiger zu einer Sepsis; damit wird ein Stadium bezeichnet, in dem die Krankheitserreger ins Blut eindringen und sich im Blut weiter vermehren. Eine Sepsis ist immer eine lebensbedrohliche Komplikation.


Mit fachlicher Unterstützung durch:
  •  Dr. med. Susanna Kramarz, Pressereferentin des Berufsverbandes der Frauenärzte e.V.
  •  Dr. med. Michael Wojcinski, Vorsitzender der AG Impfen des Berufsverbandes der Frauenärzte e.V

 

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