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Impfung gegen Grippe (Influenza) in der Schwangerschaft

Bedenken zur Grippe-Impfung in der Schwangerschaft?


Kann die Grippe-Impfung während der Schwangerschaft schaden?

Die Inhaltsstoffe der Impfungen und ihre zulässigen Höchstmengen sind im Europäischen Arzneibuch streng geregelt.  Aber viele Schwangere möchten sich trotzdem lieber nicht impfen lassen, weil sie fürchten, sich und vor allem ihrem Baby zu schaden. Wir führen hier sämtliche Inhaltsstoffe von Grippe-Impfungen auf, ihre Konzentrationen und ihre möglichen Wirkungen im Körper.

Das Wichtigste aber zuerst: Die Grippe-Impfung enthält kein Aluminium und kein Quecksilber. Sie enthält Virus-Teilchen, die nicht bis zum ungeborenen Baby gelangen. Sehr große Studien, die die Kinder von geimpften Schwangeren bis ins Schulalter nachbeobachtet haben, haben gezeigt, dass die Kinder sich in nichts von ungeimpften Kindern unterscheiden, abgesehen davon, dass die Kinder ungeimpfter Mütter in ihren ersten Lebenswochen und -monaten häufiger an schweren Infektionen der Atemwege erkranken.

Es gibt nur einen einzigen Grund, von einer Grippe-Impfung in der Schwangerschaft abzusehen, und zwar dann, wenn die Schwangere eine Allergie gegen Hühnereiweiß hat. Denn derzeit braucht man für das Anzüchten und Vervielfältigen der Influenza-Viren Hühnereier. Es gibt deshalb keinen Impfstoff, der vollkommen frei ist von Hühnereiweiß.

1. Viruspartikel

Für die Produktion der Impfstoffe werden zunächst spezielle, keimfreie Hühnereier mit den Viren beimpft und dann einige Tage bei 37 Grad im Brutschrank aufbewahrt. Damit sich in dieser Zeit keine Krankheitskeime auf den Eiern und den Viren verbreiten, werden hierbei auch Antibiotika verwendet. Die Viren vermehren sich im Eiklar. Die Eier werden dann durch eine Kältebehandlung abgetötet, die Viren aus dem Ei gewonnen, isoliert und durch Formaldehyd oder ähnliche, desinfizierende Substanzen inaktiviert.

Durch weitere Produktionsschritte werden die Viren so weit in ihre einzelnen Bestandteile aufgelöst, dass soweit möglich nur noch die Eiweißstrukturen übrig sind, auf die das menschliche Immunsystem reagiert und einen Immunschutz aufbaut. Alle anderen Virusbestandteile werden herausgewaschen.

Der Fachbegriff für diese gereinigten Viruspartikel lautet "Hämagglutinin". Jeder Impfstoff besteht also zunächst einmal aus drei oder vier aus unterschiedlichen Virus-Stämmen herausgewaschenen Hämagglutinin-Bestandteilen (je 15 Mikrogramm).

2. Reste von Hühner-Eiweiß

Trotz zahlreicher Reinigungsschritte kann der Grippe-Impfstoff minimale Reste von Hühner-Eiweiß enthalten. Deshalb dürfen Schwangere, bei denen eine Allergie auf Hühnereiweiß bekannt ist, derzeit nicht gegen Grippe geimpft werden. Einige Hersteller versuchen, von der Impfstoff-Produktion mit Hühnereiern wegzukommen, nicht nur um Allergien zu vermeiden, sondern auch, weil pro Impfdosis ein keimfreies Hühnerei verbraucht wird, was hohe Kosten verursacht und die Produktion des Impfstoffes verzögert.

3. Wasser

Jeder Impfstoff enthält 1 ml hochgereinigtes, destilliertes Wasser.

4. Salze und Puffer

Damit sich die gereinigten Viruspartikel im Impfstoff nicht auflösen oder verklumpen, und damit die Impfflüssigkeit dem menschlichen Blut möglichst ähnlich wird, werden Salze und Puffer zugesetzt, und zwar in Mengen, die auch den natürlichen Bedingungen entsprechen. Zu diesen Salzen und Puffern gehören - bei unterschiedlichen Herstellern in unterschiedlichen Mengen - NaCl (Kochsalz), KaCl (Kaliumsalz, das auch als Lebensmittelzusatz ohne Mengenbeschränkung zugelassen ist), Natrium- und Kaliumhydrogenphosphate als Puffer, damit der pH-Wert der Impflösung stabil bleibt. Beide Phosphate werden als Standardpuffer bei der Herstellung flüssiger Arzneimittel gebraucht und auch in der Nahrungsmittelproduktion.

Sämtliche Salze und Puffer sind in den verwendeten Mengen völlig unschädlich.

5. Desinfektionsmittel und Konservierungsstoffe

Zur Reinigung, Desinfektion und Konservierung verwenden unterschiedliche Hersteller unterschiedliche Substanzen. Zu diesen gehören:

Formaldehyd, Cetrimoniumbromid, Natriumdesoxycholat, Polysorbat 80, Octoxinol, Squalen.

Durch zahlreiche Reinigungsschritte sind von diesen Substanzen in den Impfstoffen nur noch Spuren enthalten. Die zulässigen Höchstmengen sind im Europäischen Arzneibuch definiert.

Hier ein Beispiel: Formaldehyd: Die zulässige Höchstmenge in Impfstoffen beträgt 0,2 Gramm pro Liter. Da eine Impfung nur 1ml Flüssigkeit enthält, ist die Höchstmenge, die man dadurch an Formaldehyd aufnimmt, 0,0002 Gramm. Durch die Nahrung nimmt ein Erwachsener in Deutschland täglich 1 bis 15 Milligramm Formaldehyd auf, entsprechend 0,001 bis 0,015 Gramm. In einer Grippe-Impfung ist also maximal ein Fünftel der Formaldehyd-Menge enthalten, die man - auch bei sehr gesundheitsbewusster Ernährung - täglich mit der Nahrung aufnimmt. Die einmalige, zusätzliche Formaldehyd-Menge, mit der der Körper durch eine Impfung belastet wird, fällt demgegenüber nicht ins Gewicht, weder als möglicher Auslöser einer Allergie noch als möglicher Giftstoff.

6. Antibiotika

Damit sich auf und in den Hühnereiern, in denen die Viren angezüchtet werden, in den Brutschränken keine Krankheitskeime ansiedeln und vermehren, werden die Hühnereier mit Antibiotika behandelt. Unterschiedliche Hersteller verwenden hierfür unterschiedliche Substanzen. Zu ihnen gehören:

Neomycin, Polymyxin, Kanamycin, Gentamycin

Auch die verwendeten Antibiotika werden in zahlreichen Reinigungsschritten aus den Impfstoffen herausgewaschen, so dass im fertigen Impfserum - wenn überhaupt - nur noch Spuren davon enthalten sind.

Hier zwei Beispiele: Das Antibiotikum Gentamycin wird bei schweren Lungenentzündungen und anderen Infektionskrankheiten in einer Dosis von bis zu 300 Mikrogramm pro Tag über ein bis zwei Wochen angewendet. Das ungeborene Baby wird durch diese Mengen nicht geschädigt; das haben medizinische Studien gezeigt. In Impfstoffen ist eine Höchstmenge von weniger als 30 Mikrogramm (0,03 Milligramm) pro Milliliter gestattet. Das ergibt bei einer 60 kg schweren Schwangeren eine Belastung von einem halben Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht, wobei das Antibiotikum eine Halbwertzeit von etwa zwei Stunden hat. Nach vier Stunden ist also nur noch 0,125 Mikrogramm des Antibiotikums im Körper. Gentamycin hat in dieser Konzentration keinerlei Wirkung, weder auf Krankheitskeime noch auf die Gesundheit von Mutter und Kind.

Auch für das Antibiotikum Neomycin liegt der Grenzwert, der in Impfstoffen zulässig ist, bei weniger als 30 Mikrogramm pro Milliliter.

Da die Antibiotika, die im Herstellungsprozess für Impfstoffe verwendet werden, beim Menschen nur sehr selten verordnet werden, ist die Gefahr sehr gering, dass eine schwangere Frau eine Allergie auf eines der Antibiotika hat. Falls eine solche Allergie allerdings vorliegt, dann sollte die Situation mit dem Frauenarzt oder der Frauenärztin besprochen werden, weil dann die positiven Effekte der Impfung gegen einen möglichen allergischen Impf-Zwischenfall abgewogen werden müssen.

Komplett ausgeschlossen ist es dagegen, dass durch die Antibiotika in der Impfung multiresistente Keime erzeugt werden könnten. Denn die Antibiotika sind - wenn sie überhaupt vorhanden sind - in so geringen Spuren vorhanden und werden auch in so kurzer Zeit ausgeschieden, dass eine positive oder negative Wirkung auf Krankheitskeime ausgeschlossen ist.


Mit fachlicher Unterstützung durch:
  •  Dr. med. Susanna Kramarz, Pressereferentin des Berufsverbandes der Frauenärzte e.V.
  •  Dr. med. Michael Wojcinski, Vorsitzender der AG Impfen des Berufsverbandes der Frauenärzte e.V

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