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Entwicklung zum Mädchen

Von der Geburt bis zur Pubertät


Entwicklung in der Kindheit

Der hohe mütterliche Östrogenspiegel in den letzten Schwangerschaftswochen wirkt über die Plazenta auch auf das Kind. Deshalb sind bei der Geburt eines Mädchens häufig körperliche Merkmale entwickelt, die durch Östrogene beeinflusst werden. So ist die Schleimhaut der Scheide bei neugeborenen Mädchen hoch aufgebaut, d. h. einige Millimeter dick, und das Jungfernhäutchen (Hymen) ist weich und reich an Flüssigkeit. Die Brustdrüsen sind bei der Geburt bereits vorgebildet. Es sind einige verzweigte, mit Epithelzellen ausgekleidete Gänge vorhanden. Bei 80 bis 90% der neugeborenen Mädchen scheidet die Brustdrüse ein milchiges Sekret aus, die so genannte Hexenmilch. Diese spezifisch weiblichen Merkmale verschwinden jedoch nach kurzer Zeit wieder, weil die Konzentration der weiblichen Hormone während der Kindheit im Blut sehr gering ist.

Bei der Geburt ist ein Mädchen im Durchschnitt 50 bis 53cm lang und wiegt 3.500g. Im Verlauf des ersten Lebensjahres verdreifacht sich das Geburtsgewicht und die Körperlänge verdoppelt sich beinahe. Im zweiten Lebensjahr verlangsamt sich das Längenwachstum. Jetzt nehmen Fett- und Muskelmasse zu. Der Kopf ist im Verhältnis zum Rumpf groß (1:5), Arme und Beine sind dagegen verhältnismäßig kurz.

Im Grundschulalter haben die Körperproportionen eines Mädchens schon große Ähnlichkeit mit denen einer Frau. Größe und Gewicht nehmen im Grundschulalter relativ gleichmäßig zu: vier bis sechs Zentimeter pro Jahr. Der Entwicklungsstand kann anhand der Knochenbildung festgestellt werden. Die Ausbildung des Handwurzelknochens gibt Auskunft über das Längenwachstum und kann zur Feststellung von Groß- oder Kleinwuchs herangezogen werden.

Während der gesamten Kindheit legen die weiblichen Geschlechtsorgane eine Ruhepause ein. So bleibt die Größe der Gebärmutter unverändert (2 bis 3cm). Die Eierstöcke, die bei der Geburt eine wurstförmige Gestalt haben, verkürzen und verdicken sich im Verlauf des 1. Lebensjahrs und verharren dann in diesem Zustand. Bei der Geburt sind in den Eierstöcken rund 400.000 Eibläschen (Follikel) vorhanden, bis zum Beginn der Pubertät sinkt ihre Zahl auf 30.000.

Der Aufbau der obersten Zellschicht der Scheide (das Scheidenepithel) und ihre Flora (Vaginalflora) hängen von der Konzentration der im Blut zirkulierenden Östrogene ab und verändern sich entsprechend in den verschiedenen Lebens- und Zyklusphasen. Sichtbar wird dies im Abstrich des Scheidenepithels, der unter dem Mikroskop betrachtet werden kann. Da während der Kindheit nur geringe Östrogenmengen im Blut zirkulieren, ist die Scheidenschleimhaut dünn, verletzlich und anfällig für Infekte. Für das Auftreten von Infekten spielt der pH-Wert der Scheidenschleimhaut eine entscheidende Rolle. Er ist während der Kindheit höher als im Erwachsenenalter, weil in der Vaginalflora von Kindern weniger Laktobazillen vorkommen als in der Vaginalflora von erwachsenen Frauen.

Der unterschiedliche Östrogenspiegel während der verschiedenen Alters- und Entwicklungsstufen des Mädchens wirkt sich auch auf den Zustand des Jungfernhäutchens (Hymen) aus. In der Kindheit ist es gespannt und fest, während es in der Pubertät weich und flüssigkeitsreich ist.

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