Frauenärzte im Netz


Brustentwicklung & Muttermilch

Wie entwickelt sich die Muttermilch?


Brustentwicklung während der Schwangerschaft  
Mütterliche und kindliche Stillreflexe steuern Regelkreis
Nährstoffe in der Muttermilch
Zufüttern während der Stillzeit

Brustentwicklung während der Schwangerschaft

Oftmals spüren Frauen an der Veränderung ihrer Brust sehr frühzeitig, dass sie schwanger sind. Die Brüste werden größer, empfindlicher und spannen. Die Geschlechtshormone Östrogen und Progesteron sowie eine Reihe anderer Hormone (Relaxin, Prolaktin und Insulin) sorgen während der Schwangerschaft für das große Wachstum der Brust und eine Differenzierung der Drüsen. Gleichzeitig werden die Zellen der Milchgänge und Milchsäckchen (Alveolen) auf die Milchabgabe vorbereitet. Diesen Vorgang nennt man Galaktogenese. Er ist in der zweiten Schwangerschaftshälfte soweit entwickelt, dass Vormilch („Kolostrum") vorhanden ist und das Stillen selbst nach einer Frühgeburt möglich ist.

Der Spiegel des Hormons  Prolaktin, das entscheidend zur Milchbildung beiträgt, steigt bei schwangeren Frauen um das zwanzigfache an. Prolaktin wirkt entspannend, macht gelassener und weckt Beschützergefühle, daher wird es auch Mütterlichkeitshormon genannt. Ist es während der Schwangerschaft durch den hohen Östrogen- und Progesteronspiegel gehemmt, entfaltet es nach der Geburt, d.h. durch den raschen Abfall dieser beiden Schwangerschaftshormone, seine ganze Wirkung. Neben Prolaktin wird das Hormon Oxytocin ausgeschüttet, das das Ausstoßen der Milch beim Stillen erleichtert, in dem es die Milchgänge zusammenzieht. Gleichzeitig wirkt es auf die Muskelzellen der Gebärmutter und fördert deren Kontraktion. Darüber hinaus verringert es die Ausschüttung von Stresshormonen bei Mutter und Kind und fördert die Bindung zwischen beiden („Bindungshormon"). Es wird sowohl durch direkten Haut-zu-Haut-Kontakt zwischen Mutter und Baby, als auch durch Saugen an der Brust und Stimulation der Brustwarzen ausgeschüttet. Etwa zwei bis drei Tage nach der Entbindung ist die Milchbildung etabliert, wobei der Saugreiz durch das Kind beginnend in den ersten 1 bis 2 Stunden nach der Geburt und in den Folgetagen mindestens 8 bis 12 Mal pro 24 Stunden  erforderlich ist.

Mütterliche und kindliche Stillreflexe steuern Regelkreis

Die Aufrechterhaltung der Milchbildung und -abgabe durch das Prolaktin und Oxytocin wird durch eine Reihe mütterlicher sowie kindlicher Reflexe in Gang gesetzt. Darüber hinaus ist eine regelmäßige und möglichst vollständige Entleerung der Brüste wichtig, um die Milchbildung zu verstärken.

Der Such-, Saug- und Schluckreflex ist bei einem Säugling schon in der ersten Schwangerschaftshälfte ausgebildet. Die Brustwarze findet das Baby in den ersten 1 bis 2 Stunden nach der Geburt ohne weitere Hilfe, wenn es unmittelbar nach der Geburt  Haut-zu-Haut-Kontakt auf dem Bauch der Mutter hat. Es dockt selbstständig an und beginnt zu saugen, wenn ihm Zeit dazu gelassen wird und es nicht gestört wird. Dadurch, dass der Mund des Kindes Brustwarze, Warzenhof und Teile des Brustgewebes umfasst bzw. zusammenpresst und mit den Lippen luftdicht verschließt, wird beim Saugen ein Unterdruck erzeugt. Dieser Unterdruck fördert, unterstützt durch Wellenbewegungen der Zungenmuskulatur, die Milch aus den Milchgängen in die kindliche Mundhöhle und löst dort das Schlucken aus.

Der Suchreflex kann beim Baby durch Berührung eines Mundwinkels ausgelöst werden. Das Saugen provoziert bei der Mutter einen Nervenimpuls zum Gehirn, der die Ausschüttung von Prolaktin für die Milchbildung (Galaktopoese) und Oxytocin für den Milchspendereflex (Galaktokinese) bewirkt.

Der Erektionsreflex der Brustwarze, ein weiterer mütterlicher Reflex, erleichtert das Umfassen durch den kindlichen Mund. Auf diese Weise bilden die Reflexe von Mutter und Kind einen Regelkreis, der das Stillen biologisch überhaupt erst ermöglicht. Je weniger das Baby an der Brust saugt, desto weniger wird Milch produziert, d.h. der natürliche Kreislauf muss in Gang gehalten werden. Durch das Zusammenspiel von Stillverhalten der Mutter und Saugverhalten des Babys pendelt sich ein Gleichgewicht zwischen Milchproduktion und Bedarf ein. Daher werden auch keine festen Stillzeiten, sondern Stillen nach Bedarf des Babys empfohlen.

Frühe Stillzeichen des Babys: Suchen, Bewegungen der Arme (Hand zum Mund, Beugen der Arme) und/oder der Beine (wie beim Fahrradfahren), Fäuste ballen, Anspannung, Unruhe, sanfte Laute, Seufzen. Schreien ist das letzte Alarmzeichen!

Sättigungszeichen des Babys: Verschwinden der Stillzeichen, hörbares Schlucken, längere Pausen zwischen den Saugepisoden, verstärktes non nutritives Saugen, Baby lässt von selbst die Brust los, entspannte Hände, Arme und Beine, schläfrig.

Nährstoffe in der Muttermilch

Muttermilch enthält mehr als 200 Bestandteile, die bis heute nicht vollständig entschlüsselt werden konnten. Daher ist sie im Labor nicht naturidentisch reproduzierbar.

Muttermilch hat den unschätzbaren Vorteil, dass sie sich dem Ernährungsbedarf des Säuglings automatisch anpasst:

  • Vormilch (Kolostrum) wird etwa 12 Wochen vor der Geburt und in den ersten zwei bis drei Tagen nach der Geburt in wenigen Millilitern gebildet. Sie ist gelb, dickflüssig, reich an Eiweißen und Vitaminen, aber arm an Fetten und Kohlenhydraten. Somit ist sie energiearm und für das Neugeborene leicht verdaulich. Die abführende Wirkung unterstützt den Abgang des  Kindspechs (Mekonium) auf natürliche Weise. Die Eiweiße ermöglichen dem Kind außerdem eine passive Stimulierung des Immunsystems: Neben mütterlichen Antikörpern werden weiße Blutkörperchen (Leukozyten) und Fresszellen (Makrophagen) weitergegeben. Weiterhin enthalten Kolostrum wie auch reife Muttermilch Stammzellen, deren Bedeutung noch erforscht werden muss.
  • Im Anschluss wird für etwa 10 bis 14 Tage die Übergangsmilch produziert. Die Kohlenhydrat- und Fettkonzentration nimmt zu, der Eiweißgehalt ab.
  • Für die restliche Stillzeit entsteht die so genannte reife Milch.

Während eines Stillvorgangs verändert sich die Milch ebenfalls: Zu Beginn ist sie als Vordermilch durstlöschend, d.h. wässrig und fettarm. Nach etwa zwei bis drei Minuten folgt die Hinter- bzw. Hauptmilch, die fett- und energiehaltiger ist. Beim Anlegen an der zweiten Brust wird eine Mischung aus Vorder- und Hintermilch gebildet.

Immer wieder machen Frauen sich Sorgen, dass ihre Milch durch Schadstoffe aus der Umwelt belastet sein könnte. Die Nationale Stillkommission hat hierzu erklärt, dass die Belastung in den letzten Jahren eindeutig zurückgegangen ist. Die Vorteile des Stillens sind deutlich höher als das Risiko durch belastende Faktoren. In einigen Bundesländern ist es möglich, die Muttermilch kostenlos oder gegen einen Kostenbeitrag untersuchen zu lassen. Informationen hierzu erteilen die zuständigen Gesundheitsämter.

Zufüttern während der Stillzeit

Nach heutigen Erkenntnissen hat eine Zufütterung von Neugeborenen in den ersten Lebenstagen ohne medizinischen Grund negative Auswirkungen auf seinen Stoffwechsel. Babys Stoffwechsel sowie Energie- und Wasserhaushalt sind durch einen ausgeklügelten Hormonhaushalt so geregelt, dass es mit der Muttermilch (Vormilch) sowie den Energiereserven, die in Leber und Fettgewebe während der letzten Schwangerschaftswochen gespeichert wurden, völlig auskommt. Auch wenn manche Eltern den natürlichen Gewichtsverlust in der ersten Zeit nach der Geburt mit Sorge betrachten, stört das Zufüttern, beispielsweise von Tee, Zuckerlösungen oder Säuglingsnahrung, dieses natürliche Gleichgewicht.

Als Richtwerte für eine gesunde Gewichtsentwicklung gelten:

  • Bis zu 7% Gewichtsverlust in den ersten 3 Tagen ist normal.
  • Innerhalb von 10 Tagen wird das Geburtsgewicht wieder erreicht.
  • Im 1. und 2. Lebensmonat nimmt der Säugling wöchentlich 170 bis 330 g zu, im 3. und 4. Lebensmonat wöchentlich 110g bis 330g zu, wobei die Gewichtsentwicklung von Säugling zu Säugling sehr unterschiedlich ist.
  • Nach 3 bis 5 Monaten wird das Gewicht verdoppelt, gegen Ende des 1. Lebensjahres verdreifacht.

Ist der Gewichtsverlust in den ersten Lebenstagen größer, muss das Stillverhalten überprüft und korrigiert werden. Ein Gewichtsverlust von 10 % oder mehr in den ersten Lebenstagen, Gelbsucht, Dehydratationszeichen (wie schlaffe Haut, wenig Urin oder Stuhl) oder Krankheitssymptome erfordern bereits eine Therapie, z.B. Zufüttern von abgepumpter Muttermilch oder einer Säuglingsanfangsnahrung.

Kranke Säuglinge, unreife Frühgeborene oder stark Untergewichtige unterliegen anderen Regeln und eine Zufütterung kann aus medizinischer Sicht notwendig sein. Die Entscheidung über etwaiges Zufüttern sollte die Mutter in jedem Fall ihrer Ärztin/ ihrem Arzt überlassen.

Artikel drucken   Artikel empfehlen

Im Fokus

Grippe-Impfung - Schwangere gibt ihren Schutz an ihr Baby weiter

Jede Frau mit Kinder- wunsch und jede Schwangere sollte sich gegen Grippe impfen lassen.

zum Artikel...

Schwangerschafts- beratungsstellen

Hier können sich Frauen und Männer zu allen Fragen rund um Schwangerschaft und Familienplanung kostenfrei und auf Wunsch anonym beraten lassen. Infos und Beratungsstelle in Ihrer Nähe finden (BZgA)...

zum Artikel...

Krebsfrüherkennung – so geht es weiter

Die Krebsfrüh- erkennung beim Frauenarzt wird umgestaltet. Sie hat große Erfolge erzielt und bleibt eine ganz wichtige Maßnahme zur Früherkennung von Krebs.

zum Artikel...

Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen

Das Hilfetelefon berät deutschlandweit betroffene Frauen. Es informiert und vermittelt bei Bedarf an geeignete Unterstützungseinrichtungen vor Ort - an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr.

zum Artikel...

Folsäure-Ergänzung vor Schwangerschaft notwendig

Gerade zu Beginn einer Schwanger- schaft ist der Bedarf an Folsäure besonders hoch. Ein Mangel ist in vielen Fällen die Ursache für Fehlbildungen bei Babys.

zum Artikel...

Infos zum Stillen

Obwohl die Natur das Stillen vorgesehen hat, ist das Gelingen keineswegs selbstverständlich. Hier finden Mütter zahlreiche Tipps und Ratgschläge rund um das Thema.

zum Artikel...

HPV-Impfung nach Konisation reduziert Risiko einer Zweiterkrankung

Die Immuni- sierung nach einer OP trägt dazu bei, das Wiedererkrankungsrisiko deutlich zu senken.

zum Artikel...

Zellauffälligkeiten am Gebärmutterhals

Was bedeutet der Pap-Befund und wie geht es bei Auffälligkeiten beim Abstrich weiter?

zum Artikel...

HPV-Impfung - Schutz gegen Humane Papillomviren

Mit der HPV-Impfung existiert die Möglichkeit, das Risiko für eine Gebärmutterhalskrebs-Erkrankung zu verringern.

zum Artikel...

Pille vergessen - und jetzt?

Wurde die planmäßige Einnahme der Pille versäumt, sollte die fehlende Tablette am besten sofort nachgenommen werden. Ob zusätzlich verhütet werden muss erfahren Sie hier.

zum Artikel...