17.09.2018

Bei Verdacht auf Geschlechtskrankheiten immer zum Arzt

Syphilis oder Tripper - solche Krankheiten sind schambesetzt. Wer den Arztbesuch scheut, findet im Internet allerlei Tests für die eigenen vier Wände, die jedoch wenig aussagekräftige Ergebnisse liefern und den Arztbesuch nicht ersetzen.

«Ich doch nicht!» «Das geht schon von alleine wieder weg.» «Deshalb muss ich nicht zum Arzt.» Norbert Brockmeyer kennt die Mechanismen der Verdrängung, wenn es um sexuell übertragbare Infektionen, kurz STI, geht. Syphilis, Tripper und ähnliche Krankheiten nehmen seit Jahren wieder zu in Deutschland, wie der Präsident der Deutschen STI-Gesellschaft sagt. Und auch wenn sich oft keine akuten Symptome zeigen, sind die Folgen keineswegs harmlos. Bisher ist es so, dass Testwillige sich nicht nur selbst ihr Risiko eingestehen müssen, sie müssen sich auch jemandem offenbaren - beim Arzt, dem Gesundheitsamt oder etwa in den sogenannten Checkpoints von Aids-Hilfen.

Von Selbsttests aus dem Internet ist dringend abzuraten

Geschäftsleute haben einen potentiellen Markt in Deutschland erkannt und bieten über das Internet diverse STI-Schnelltests für den Heimgebrauch an. Die Seiten seien auf Deutsch, sähen seriös aus und Tests hätten oft das CE-Zeichen, sagt Experte Klaus Jansen vom Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin. Antibiotika würden gleich mit angeboten. Käufer bekämen jedoch Tests, die nicht auf bewährten Methoden beruhten und wenig aussagekräftige Ergebnisse lieferten. Auf dem deutschen Markt sei die Abgabe von Heimtests ohne vorherigen Arztkontakt bisher nicht möglich, sagt Jansen. Grund ist das Fernbehandlungsverbot - dessen Lockerung ist aber bereits beschlossen.

Mangel an Gefahrenbewusstsein und gesundheitlicher Aufklärung

«Das Problem sind die Leute, die meinen, sie seien nicht infiziert», betont Brockmeyer. Gerade weil Betroffene oft keine auffälligen Symptome hätten, werde die Diagnose in mehr als jedem zweiten Fall erst spät gestellt - möglicherweise nachdem der Erreger mehrfach weitergegeben wurde. Dabei können manche STI durchaus Langzeitfolgen haben. Zum Beispiel können Gonokokken oder Chlamydien, die weltweit zu den verbreitetsten STI gehören, unbehandelte Frauen und Männer unfruchtbar machen. Und durch Infektionen mit Syphilis, Chlamydien und/oder Gonokokken steigt auch das Risiko für eine HIV-Infektion.

Dass sexuell übertragbare Infektionen überhaupt wieder im Kommen sind, hat mehr als eine Ursache. Unter anderem rückt vermutlich der Gedanke an die Notwendigkeit der Kondombenutzung stärker in den Hintergrund, weil das Gefahrenbewusstsein durch die gute Behandelbarkeit und Vorbeugung bei HIV abgenommen hat. Beim Kondom-Verzicht spielten auch die Möglichkeiten der Anbahnung von Sex über Partnerbörsen und Apps eine Rolle, sagt Brockmeyer - weil sich die Paare vermeintlich schon kennen. Jugendlichen fehle es an entsprechender gesundheitlicher Bildung und somit am Wissen, sagt der Experte.

Quelle: dpa

Autor/Autoren: äin-red

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