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Wechseljahresbeschwerden

Hormonersatztherapie


Allgemeines

Die häufigste und meist auch effektivste Behandlungsform der Wechseljahresbeschwerden ist die so genannte Hormonersatztherapie (HET oder HRT, engl. hormone replacement therapy). Sie wird in dann durchgeführt, wenn die Beschwerden für die Patientin Krankheitswert haben und/oder die Lebensqualität einschränken.

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen einer Monotherapie, bei der nur Östrogene eingesetzt werden, und einer Kombinationstherapie, bei der eine Kombination aus Östrogen und Gestagen verwendet wird. Man bezeichnet die Einnahme von Östrogenen mit dem Ziel, hormonmangelbedingte Beschwerden zu lindern, als Östrogensubstitution.

Da Östrogene allein das Wachstum der Gebärmutterschleimhaut zu stark anregen würden und letztlich zu Gebärmutterkörperkrebs führen könnten, wird in der Regel eine Kombinationstherapie verordnet, d. h. zusätzlich ein Gestagen an mindestens zehn Tagen pro Monat verabreicht. Frauen, denen die Gebärmutter krankheitsbedingt entfernt werden musste, bekommen im Allgemeinen nur Östrogene verschrieben.

Die Hormonersatztherapie hat nicht zum Ziel, frühere physiologische Hormonkonzentrationen wiederherzustellen, sondern soll akute östrogenmangelbedingte Beschwerden beseitigen oder durch Östrogenmangel hervorgerufene Erkrankungen verhindern. Der im Zyklus stetig wechselnde Hormonspiegel während der fruchtbaren Jahre wird dabei nicht imitiert.

Wirkung

Grundsätzlich kann man sagen, dass eine Hormonersatztherapie das gesamte Spektrum der Wechseljahresbeschwerden beseitigen oder zumindest lindern kann. Für einige Erkrankungen dient eine Hormonersatztherapie sogar der Vorbeugung bzw. vermindert das Risiko zu erkranken.

Schlafstörungen, Hitzewallungen, Herzbeschwerden, Gelenk- und Muskelschmerzen bessern sich zu 95% bereits nach spätestens 4 bis 8 Wochen. Depressive Verstimmungen und Nervosität lassen nach. Das Allgemeinbefinden wird gesteigert. Die geistige Aktivität und das körperliche Leistungsvermögen nehmen zu. Harndrang und Inkontinenz bessern sich. Etwaige Vermännlichungserscheinungen, wie ein Damenbart, gehen zurück. Die Haut wird wieder dicker, der Kollagen- und Wassergehalt höher. Das bedeutet auch, dass die Trockenheit des Genitalbereichs nachlässt.

Anwendungsformen

Für eine Hormonersatztherapie stehen verschiedene Östrogene und Gestagene sowie auch unterschiedliche Therapieschemata und Darreichungsformen zur Verfügung.

Als Darreichungsformen gibt es Tabletten, Pflaster, Gel, Zäpfchen, Cremes, Injektionen und Sprays. Jede Anwendungsart hat verschiedene Vor- und Nachteile.

Am häufigsten werden Hormone in Tablettenform eingenommen. Weitere Verabreichungsformen sind heute auch Pflaster und Gele, bei denen die Hormone kontinuierlich über die Haut aufgenommen werden und nicht den Magen und Darm passieren müssen.
In Form von Vaginalzäpfchen werden die Hormone über die Schleimhaut aufgenommen. Der Sinn der lokalen Anwendung dieser Hormone besteht darin, dass vor allem Beschwerden wie eine trockene Scheide bzw. hormonelle Blasenprobleme „vor Ort" behandelt werden können.

Auch Kombinationen der Anwendungsformen sind denkbar. Beispielsweise kann ein Östrogenpflaster mit einer Gestagentablette kontinuierlich, oder nur in der zweiten Zyklushälfte ergänzt werden.

Bei einer so genannten sequenziellen Behandlung werden z.B. in der ersten Zyklushälfte nur Östrogene eingenommen und in der zweiten Zyklushälfte zwölf Tage lang ein Gestagen. Nach dem 21. Einnahmetag folgt - wie bei der Pille - eine siebentägige Einnahmepause. In dieser Zeit erfolgt eine Abbruchblutung, bei der die Gebärmutterschleimhaut abgestoßen wird. Wünscht die Patientin keine Blutung, kann alternativ auch ein kombiniertes Präparat mit beiden Hormonen durchgängig (kontinuierliche, kombinierte Behandlung) genommen werden.

Bei der Auswahl einer geeigneten Anwendungsform bzw. eines geeigneten Präparates werden verschiedene Aspekte berücksichtigt. An erster Stelle stehen natürlich die Art, Schwere und Häufigkeit der Beschwerden sowie die persönlichen Bedürfnisse der Frau. Dominieren eher körperliche oder seelische Probleme? Spielen zusätzlich Probleme mit der Haut, Haaren und Schleimhäuten eine Rolle? Viele Frauen lehnen beispielsweise Blutungen nach der Menopause ab oder empfinden eine regelmäßige Tabletteneinnahme als lästig.
Weiterhin wird der Frauenarzt bei der Wahl der Therapie das Alter der Frau und eventuelle Vorerkrankungen beachten. So kann heutzutage eine Hormonersatztherapie ganz individuell angepasst werden.

Für die Anwendung einer Hormonersatztherapie gilt grundsätzlich, dass die niedrigste wirksame Dosierung über den individuell erforderlichen Zeitraum eingenommen werden soll.

Hormonersatztherapie zur Vorbeugung

Eine Zeit lang wurde die Hormonersatztherapie als Osteoporosevorsorge kritisch diskutiert. Neue Studien haben jedoch ergeben, dass die HRT hier auch weiterhin das Mittel der ersten Wahl ist. Da die positive Wirkung bei Absetzen der Hormone relativ rasch nachlässt, sollten die Patientinnen sich möglichst auf eine Langzeittherapie von 5 bis 10 Jahren oder länger einstellen.

Eine weitere vorbeugende Wirkung wurde bei Herz- und Kreislauf-Erkrankungen sowie der Arterienverkalkung beobachtet.

Aussagen über eine Beeinflussung des Schlaganfallrisikos können dagegen auf Grund uneinheitlicher Datenlagen verschiedener Studien derzeit nicht gemacht werden.

Abschließend wird angenommen, dass die Symptome der Alzheimer-Erkrankung durch eine Hormonersatztherapie hinausgezögert werden können. Neuerkrankungen können reduziert, bereits ausgebrochene Fälle aber leider nicht aufgehalten werden.

Bei echten Depressionen ist der Einsatz von Antidepressiva (spezielle Medikamente mit alleiniger stimmungsaufhellender und antriebssteigender Wirkung), gegebenenfalls in Kombination mit einer Psychotherapie, Therapie der ersten Wahl neben einer HRT.

Alle auf dem Markt befindlichen Präparate sind in der Lage, die Wechseljahresbeschwerden zu vermeiden, zu lindern oder vollständig abzustellen. Einige Hormone besitzen jedoch noch zusätzliche Eigenschaften, beispielsweise positive Wirkungen auf Haut und Haare (antiandrogene Wirkung).

Mögliche Nebenwirkungen und Risiken

Besonders in der Anfangszeit klagen Patientinnen häufig über Spannungsgefühle in der Brust, irreguläre Blutungen oder eine Gewichtszunahme von 1 bis 2 kg. Ebenso wurden Ödeme (Wassereinlagerungen im Gewebe) sowie Magen- und Darm-Beschwerden beobachtet. Häufig entstehen diese Beschwerden durch zu hohe Anfangsdosen und verschwinden meist, wenn die geeignete Dosierung gefunden wurde.

Eine Hormonersatztherapie birgt zumindest bei entsprechender Vorbelastung ein erhöhtes Risiko für Verstopfungen der Blutbahn durch körpereigene Substanzen, z. B. einen Blutpropf (Thrombose). Von einer Vorbelastung spricht man, wenn die Frau früher bereits eine Thrombose hatte, in der Familie Thrombosefälle aufgetreten sind, Übergewicht vorliegt oder längere Liegezeiten (z. B. nach einem Knochenbruch, Operation, etc) eingehalten werden mussten. Um das Risiko zu minimieren, sollte die HRT-Dosis immer möglichst niedrig gehalten werden.

Um das Risiko von Gebärmutterkörperkrebs nicht zu erhöhen, wie es bei einem reinen Östrogenpräparat der Fall wäre, wird bei Frauen mit Gebärmutter in der Regel eine kontinuierlich kombinierte oder sequenzielle Östrogen/Gestagengabe empfohlen.

Viele Frauen interessieren sich vor der Entscheidung für eine HRT vor allem für das Brustkrebsrisiko. Bisherige Untersuchungen zeigen, dass durch eine kombinierte Hormontherapie das Brustkrebsrisiko geringfügig erhöht werden kann. Momentan geht die Wissenschaft davon aus, dass die Hormonersatztherapie  keinen Brustkrebs verursacht, sondern auf bestehende Tumoren Einfluss nimmt. Falls bereits unentdeckte Brustkrebszellen im Gewebe vorhanden sind, können diese unter bestimmten Umständen durch die Hormontherapie zum Wachstum angeregt werden. Das bedeutet, dass bei 1.000 Frauen im Alter zwischen 50 und 70 Jahren durch eine mehr als 5-jährige kombinierte Hormonersatztherapie zwei zusätzliche Brutkrebsdiagnosen gefunden werden. Bei mehr als 10-jähriger Therapie wären es sechs zusätzliche Fälle. Das Brustkrebsrisiko wird jedoch noch durch ganz andere Faktoren stark beeinflusst. Einige Zahlen zum Vergleich: Von 1.000 Frauen erkranken zusätzlich an Brustkrebs:

  • 45 Frauen durch starkes Übergewicht
  • 27 Frauen, die mindestens 2 alkoholhaltige Getränke am Tag konsumieren
  • 27 Frauen, die sich weniger als 4 Stunden pro Woche bewegen und
  • 24 Frauen durch Rauchen

Grundsätzlich ist bei folgenden Erkrankungen erhöhte Vorsicht geboten bzw. wird der Arzt individuell auch von einer HRT abraten: frühere Thrombosen, Embolien, Krebserkrankungen (insbesondere Brustkrebs), Gallenerkrankungen, akute und chronische Erkrankungen der Leber und Bauchspeicheldrüse, unbehandelter Bluthochdruck, Stoffwechselstörungen und Epilepsie.

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