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Störungen des Hormonhaushalts

Was sind Hormonstörungen?


Der weibliche Körper ist in den verschiedenen Lebensphasen - Pubertät, fruchtbare Jahre, Wechseljahre, Alter - Veränderungsprozessen unterworfen, die zu einem großen Teil von Hormonen gesteuert werden. Mit der Geschlechtsreifung in der Pubertät nehmen die Geschlechtsorgane ihre Funktion auf. In einem monatlichen Zyklus, der von den Hormonen des Hypothalamus, der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) und den Eierstöcken gesteuert wird, bereitet sich der weibliche Körper auf die Einnistung einer befruchteten Eizelle vor. Mit den Wechseljahren klingen diese Prozesse nach und nach aus.

Die Koordinationszentrale des Hormonsystems ist der Hypothalamus im Gehirn. Er erhält die Botschaften des Zentralnervensystems und übermittelt mittels regulatorischer Hormone (Botenstoffe) Signale an die nahe gelegene Hypophyse, mit der er über den Hypophysenstiel direkt verbunden ist. Die Hypophyse antwortet mit der Bildung tropischer Hormone, die sich über das Blut verbreiten und die nächste Ebene des Hormonsystems ansprechen: Nebennierenrinde, Schilddrüse, Eierstöcke, Leber und Milchdrüsen. Hier regen sie jeweils die Freisetzung bestimmter anderer Hormone an, die ebenfalls über das Blut ihr Ziel erreichen. Beispielsweise stellen die Eierstöcke Östrogene und Gelbkörperhormon (Progesteron) sowie Testosteron her, die, unter anderem, auf die Gebärmutter wirken.

Die Hormone zirkulieren im Blut in sehr kleinen Konzentrationen und werden nach kurzer Zeit abgebaut, damit der Körper mit diesen Botenstoffen nicht überschwemmt wird. Der Hormonstoffwechsel, das heißt, der Aufbau und Abbau der Hormone, unterliegt einer exakten Regulierung. Kommt es zu einem Ausfall eines Hormons oder wird zu viel oder zu wenig einer Substanz hergestellt, treten Störungen im Stoffwechsel des Organismus auf. Diese Störungen erzeugen in der Regel charakteristische Krankheitsbilder.Grundsätzlich empfiehlt es sich, die Zeitpunkte der menstruellen Regel und die Stärke in einen Kalender einzutragen (Menstruationskalender). Dies erleichtert es dem Gynäkologen die Menstruationszyklen zu beurteilen. 

Die Geschlechtshormone, d. h. vor allem die Östrogene, das Gelbkörperhormon und das Testosteron spielen im Leben einer Frau eine besondere Rolle. Östrogene steuern die Geschlechtsentwicklung in der Pubertät. Werden sie zu früh ausgeschüttet, kommt es zu einer vorzeitigen Pubertät. Ist die Östrogenkonzentration zu niedrig, liegt eine verzögerte Pubertät vor.

 

Menstruationsstörungen

In der fruchtbaren Lebensphase sind die Östrogene dafür verantwortlich, dass jeden Monat ein Ei reift und die Gebärmutterschleimhaut - mit Unterstützung des Gelbkörperhormons - auf die Einnistung eines befruchteten Eis vorbereitet wird. Dabei laufen zwei Zyklen zeitgleich ab, die eng miteinander verknüpft sind: der Eierstockzyklus und der Gebärmutterschleimhautzyklus.

Hormonale Störungen, besonders in der Hypothalamus-Hypophysen-Eierstock-Achse, haben meist Auswirkungen auf den Monatszyklus und äußern sich in unterschiedlichen Menstruationsstörungen bis hin zur Unfruchtbarkeit. Menstruationsstörungen sind Abweichungen vom normalen Monatszyklus und heißen auch Zyklusstörungen oder Blutungsanomalien. Verändert ist entweder die Dauer und/oder die Stärke der Blutung oder der Abstand zwischen den Blutungen. Das Ausbleiben der Regelblutung (Amenorrhoe) und starke Regelschmerzen zählen ebenfalls zu den Menstruationsstörungen.

 

Gelkörperhormonmangel

Während einer Schwangerschaft schüttet der Mutterkuchen (Plazenta) u. a. besonders große Mengen an Östrogenen und Gelbkörperhormon aus. Die mütterlichen Hormone und die Hormone der Plazenta stehen dabei in enger Verbindung. Insbesondere das Gelbkörperhormon Progesteron sorgt dafür, dass es Mutter und Kind gut geht und sie sich wohl fühlen. Die Rolle des Gelbkörperhormons als Glückshormon wird besonders deutlich, wenn es fehlt, zum Beispiel häufig beim prämenstruellen Syndrom oder in den Wechseljahren. Ein Gelbkörperhormonmangel kann depressive Verstimmungen hervorrufen. In den Wechseljahren spielt aber auch noch der sinkende Östrogenspiegel eine Rolle.

Auch Stresssituationen können einen Mangel an Progesteron hervorrufen und so die Frau in stark belastenden Lebenslagen vor einer Schwangerschaft schützen. Bekannt sind auch so genannte Stresszysten im Eierstock, die eine Schwangerschaft in Situationen verhindern, die für die Frau gesundheitlich gefährlich wären.

 

Hypophyseninsuffizienz

Ist die Hormonausschüttung durch den Hypophysenvorderlappen im Gehirn verringert oder bleibt sie sogar ganz aus, dann liegt eine teilweise (partielle) oder eine vollständige (totale) Hypophyseninsuffizienz vor. Da Hormone des Hypophysenvorderlappens die Hormonproduktion anderer Organe steuern, fehlen diese als Folge im Körper.

 

Hypophysenadenome

Ein Adenom, das ist eine gutartige Geschwulst des Drüsengewebes, kann eine teilweise Hypophyseninsuffizienz verursachen. In Abhängigkeit davon, von welchen Zellen des Hypophysenvorderlappens das Adenom ausgegangen ist, produziert es eventuell ein Hormon. Im Gegensatz zum normalen Drüsengewebe, unterliegt die Hormonproduktion eines Adenoms keiner Regelung. Es entsteht ein Hormonüberschuss im Körper. Beispielsweise erzeugt ein Prolaktinom einen Überschuss an Prolaktin (Hyperprolaktinämie). Da die Hypophyse unterhalb der Stelle liegt, an der sich die Sehnerven kreuzen, kann ein Adenom auf die Sehnerven drücken und diese in letzter Kosequenz zerstören.

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