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Störungen des Hormonhaushalts

Therapie


Die Behandlung von Störungen des Hormonsystems hängt von der zu Grunde liegenden Grunderkrankung ab. Der Mangel oder Ausfall eines Hormons kann meist durch die Gabe eines Hormonpräparats beseitigt werden (Hormonersatztherapie, Substitutionstherapie).

 

Störungen der Geschlechtsentwicklung

Bei vorzeitiger Pubertät (Pubertas praecox vera) steht die Unterbrechung der vorzeitigen Geschlechtsreifung im Vordergrund, um späterer Kleinwüchsigkeit vorzubeugen. Durch Gabe von GnRH-Agonisten werden die Rezeptoren für das Hypothalamushormon GnRH blockiert und damit dessen anregende Wirkung auf die Hypophyse unterbunden.

Liegen einer verzögerten Pubertät organische Ursachen wie ein Prolaktinom oder eine Schilddrüsenunterfunktion zugrunde, so werden diese behandelt. Schilddrüsen- und Nebennierenhormone werden durch Hormontabletten ersetzt. Bei normal entwickelten weiblichen Geschlechtsorganen, sowie beim Turner-Syndrom, lässt sich die Pubertät einleiten, indem über 6 bis 12 Monate Östrogene gegeben werden. Danach wird der normale Zyklus durch die Einnahme von Östrogen- und Gestagenpräparaten imitiert. Die Hormontherapie wird gegebenenfalls bis zum Lebensende fortgesetzt, um Wechseljahresbeschwerden (Osteoporose), höheres Risiko für koronare Herzerkrankungen) zu vermeiden. Möchte die Patientin schwanger werden, kann in wenigen Ausnahmen auch die Fruchtbarkeit durch entsprechende Hormongaben in Gang gesetzt werden.

 

Menstruationsstörungen

Liegt ein Mangel anGelbkörperhormon vor, ersetzt die Gabe von Gestagen das fehlende Hormon (Gelbkörperhormontherapie). Das natürliche Gelbkörperhormon (Progesteron) liegt in Kapselform, als Zäpfchen oder Gel vor. Für die Einnahme in Pillenform stehen auch Präparate mit synthetischen Gestagenen zur Verfügung. Eine lokale Anwendung des Gelbkörperhormons direkt in der Gebärmutter ist mit dem Einsetzen von Hormondepots wie der Gelbkörperhormonspirale möglich, die ursprünglich zur Schwangerschaftsverhütung mit Gelbkörperhormon entwickelt wurde. 

Gegen starke und schmerzhafte Regelblutungen, die durch einen Gelbkörperhormonmangel verursacht werden, steht eine Kombinationstherapie aus Gestagen und Östrogen zur Verfügung. Die Gestagen-Östrogen-Kombinationstherapie reguliert auch eine hormonell bedingte Dauerblutung. Eine Gelbkörperhormonspirale, die hauptsächlich zur Schwangerschaftsverhütung mit Gelbkörperhormon eingesetzt wird, kann die Regelblutung minimieren und Zwischenblutungen vermeiden helfen. Da das Gelbkörperhormon direkt in der Gebärmutter wirkt, hat es nur geringe Nebenwirkungen.

Zwischenblutungen, die im Anschluss an die Regelblutung und in der Zyklusmitte auftreten und durch einen kurzzeitigen Östrogenmangel verursacht werden, lassen sich mit der Einnahme von Östrogenpräparaten beheben.

Das prämenstruelle Syndrom wird durch regelmäßige Bewegung, ausgewogene Ernährung und Stressverringerung deutlich abgemildert. Diuretika verringern die Bildung von Ödemen, die Schwellung und das Schmerzen der Brüste. Ebenso vermindern gestagenhaltige Cremes und Prolaktinhemmer die Beschwerden. Vielen Frauen hilft auch eine Gestagen-Östrogen-Kombinationstherapie, die Hormonschwankungen ausgleicht. Da Gestagen antidepressiv wirkt und zyklusabhängige Brustschmerzen reduziert, kann eine Gelbkörperhormontherapie auch bei der Behandlung des prämenstruellen Syndroms eine positive Wirkung haben.

Eierstockzysten („Stresszysten"), die mit einer Gelbkörperschwäche einhergehen werden, sollten nach 2 bis 3 Monaten durch eine Ultraschalluntersuchung kontrolliert werden. Wenn die Regel ausbleibt wird ein Gelbkörperhormonpräparat gegeben und die Zyste damit zum Platzen gebracht.

 

PCO-Syndrom (PCOS, polycystische Ovarien-Syndrom)

Die Therapie des PCO-Syndroms hängt von den vorherrschenden Krankheitszeichen ab. Im Vordergrund steht eine Hormontherapie: bei Hirsutismus und Zyklusstörungen (Menstruationsstörungen) mit antiandrogenen Präparaten, bei Verdickung der Gebärmutterschleimhaut mit zyklischen Östrogen- und Gestagen-Präparaten. Die Hormonsynthese der Nebennierenrinde kann mit niedrig dosierten Cortison-Präparaten gehemmt werden.

Bei unerfülltem Kinderwunsch besteht die Möglichkeit, den Eisprung mit Antiöstrogenen (z. B. Clomiphen) auszulösen. Clomiphen verdrängt das Östrogen von seinen Rezeptoren im Körper. Dies regt den Hypothalamus zur Bildung des GnRH an, welches die Hypophyse zur vermehrten Ausschüttung von FSH anregt. FSH fördert die Follikelreifung.

Insulinresistenz, d. h. verminderte Wirksamkeit des körpereigenen Insulins, kann mit Hilfe des Wirkstoffs Metformin gemildert werden. Die Körperzellen werden wieder empfänglicher für Insulin. Gleichzeitig sinkt mit diesem Medikament der Androgenspiegel und der Zyklus normalisiert sich. Bei Kinderwunsch kann die Metformin-Therapie auch mit der Gabe von Clomiphen kombiniert werden, um zusätzlich die Follikelreifung und den Eisprung zu fördern. Auch PCOS-Patientinnen, die nicht insulinresistent sind, verhilft Metformin zu einem normalisierten Zyklus und ermöglicht es ihnen, schwanger zu werden. Offiziell ist Metformin für die Behandlung des PCO-Syndroms in Deutschland noch nicht zugelassen, kann aber während eines Heilversuchs - als off label use -eingesetzt werden (Stand: April 2006).

 

Hypophysenvorderlappeninsuffizienz

Fehlen im Blutserum Hormone, die von der Hypophyse ausgeschüttet werden, oder ist ihre Konzentration niedriger als normal, werden sie durch die Einnahme von Hormonpräparaten ersetzt (Hormonersatztherapie, Substitutionstherapie). Wichtig ist dabei, genau die Dosierung zu finden, die der natürlichen Produktion entspricht. Fallen die Gonadotropine FSH und LH aus, werden Östrogen-Gestagen-Präparate eingenommen. Dabei soll der natürliche Zyklus soweit wie möglich nachgeahmt werden, indem eine bestimmte Reihenfolge der Einnahme von Gestagen und Östrogen eingehalten wird.

Bei Kinderwunsch müssen Hormone gegeben werden, die die Eierstöcke direkt anregen (humanes Choriongonadotropin hCG, humanes Menopausengonadotropin hMG). Sie werden solange injiziert, bis ein Eisprung ausgelöst werden kann.

Bei einem hypophysären Koma muss in einer Erste-Hilfe-Maßnahme zunächst die Herz-Kreislauf-Funktion stabilisiert werden, indem durch Infusion die Hormone Hydrocortison und Thyroxin (Schilddrüsenhormone) ersetzt, die Elektrolyte ausgeglichen und Glukose zugeführt werden.

 

Hyperprolaktinämie

Bei Frauen im gebärfähigen Alter wird diejenige Therapieform gewählt, welche die Funktionsschwäche der Eierstöcke behebt, damit wieder ein normaler Eisprung möglich ist. Die Ursache, die zu einem erhöhten Prolaktinspiegel führt, ist entscheidend für die Wahl der Therapie. Nach den Wechseljahren normalisiert sich eine Hyperprolaktinämie häufig von selbst; vermutlich, weil der Östrogenspiegel sinkt.

Überproduktion der Hypophyse: Sind andere Ursachen, die ebenfalls einen erhöhten Prolaktinspiegel verursachen könnten, wie Schilddrüsenunterfunktion oder Tumoren, ausgeschlossen worden, wird ein prolaktinhemmendes Medikament gegeben. Da im Zwischenhirn der Gegenspieler des prolaktinfreisetzenden Hormons (PRH) das Dopamin ist, werden dopaminähnliche Wirkstoffe für Behandlung verwendet. Diese Substanzen werden als Dopaminagonisten bezeichnet. Die Wirkung der Dopaminagonisten tritt innerhalb weniger Tage, gelegentlich schon innerhalb von Stunden, ein. Die Unterdrückung der Prolaktinproduktion muss als Dauertherapie durchgeführt werden.

Prolaktionom: Fast 90% der Prolaktinome können durch Medikamente behandelt werden. Durch die Einnahme eines Dopaminagonisten sinkt die Prolaktinkonzentration und das Adenom schrumpft. In der Regel dauert die Therapie mehrere Jahre. Eine operative Entfernung oder eine Strahlenbehandlung ist nur in seltenen Fällen notwendig.

Nur bei sehr großen Prolaktinomen (Makroprolaktinomen), die durch Medikamentenbehandlung nicht schrumpfen und auf Grund ihrer Größe starke Schädigungen verursachen, wird eine Operation durchgeführt.

 

Galaktorrhoe

Bei niedrigem Prolaktinspiegel wird die Patientin weiter beobachtet und regelmäßig untersucht. Zur Unterdrückung mittelgroßer Tumoren sowie bei Kinderwunsch wird ein Dopaminagonist gegeben.

 

Hirsutismus

Ist der Hirsutismus ein Krankheitsmerkmal einer anderen Grunderkrankung, so muss diese therapiert werden.

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