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Störungen des Hormonhaushalts

Krankheitsbild


Störungen der Geschlechtsentwicklung

Vorzeitige Pubertät
Von einer vorzeitigen Pubertät eines Mädchens spricht man, wenn die Entwicklung der Brust (Thelarche) und die Entwicklung der Schambehaarung (Pubarche) vor dem 7. Lebensjahr beziehungsweise die erste Regelblutung (Menarche) vor dem 8. Lebensjahr auftreten.

Bei einer echten vorzeitigen Pubertät (Pubertas praecox vera) ist der Verlauf der Pubertät normal, jedoch zeitlich verfrüht. Vom normalen Pubertätsverlauf abweichend, endet der vorzeitige Wachstumsschub früher als bei einer regulären Pubertät und hat Kleinwuchs zur Folge. Begleitet ist die echte vorzeitige Pubertät oft von gesteigerter Esslust und Kreislaufstörungen.

Ein Eierstocktumor, der Östrogene produziert und eine vorzeitige Pseudopubertät (Pseudopubertas praecox) auslöst, ist im Ultraschall sichtbar und manchmal tastbar. Dann ist der Bauchumfang vergrößert und es treten unregelmäßige, starke Blutungen auf.

Verzögerte Pubertät
Eine verzögerte Pubertät (Pubertas tarda) liegt vor, wenn Pubertätszeichen - Entwicklung der Brust (Thelarche) und der Scham- und Achselbehaarung (Pubarche) sowie der Wachstumsschub - bis zum 14. Lebensjahr fehlen beziehungsweise wenn die erste Regelblutung (Menarche) erst nach dem 18. Lebensjahr auftritt. Die Schwankungsbreiten sind beim Beginn der Geschlechtsreifung sehr breit. Zusätzlich bestehen regionale Unterschiede: im südlichen Europa beginnt die Pubertät im Allgemeinen früher als im nördlichen Teil. Bei einer konstitutionellen Entwicklungsverzögerung sind neben der Geschlechtsentwicklung auch das Längen- und das Skelettwachstum verzögert. Die Kinder und Jugendlichen wachsen dann langsamer als Altersgenossen, zum Ausgleich aber länger.

Liegt der verzögerten Pubertät ein Hormonmangel zu Grunde, so variieren die Krankheitsanzeichen in Abhängigkeit von der Ursache sehr stark. Bei einer Störung der Hypophyse können zusätzlich andere Hormone des Hypophysenvorderlappens fehlen. Dabei kann die Geschlechtsentwicklung unterschiedlich weit fortgeschritten sein oder sie hat noch gar nicht begonnen. Auch ein Krankheitsbild, das auf Untergewicht und/oder Unterernährung (Magersucht) zurückzuführen ist, kann einen Hormonmangel verursachen, der eine verzögerte Pubertät zur Folge hat.

Beim chromosomal bedingten Turner-Syndrom tritt Kleinwuchs auf, die Erwachsenengröße liegt unbehandelt im Durchschnitt bei 1,45 Meter. Außerdem sind die Eierstöcke unterentwickelt und die betroffenen Frauen sind meistens unfruchtbar.

 

Störungen des Monatszyklus

Menstruationsstörungen
Menstruationsstörungen unterscheidet man nach Dauer und Art der Abweichung von der normalen Menstruation:

  • Oligomenorrhoe: Zyklen sind stark verlängert (>35 Tage).
    Polymenorrhoe: Zyklen sind verkürzt (<25 Tage)
  • Hypomenorrhoe: Regelblutung ist abgeschwächt
  • Hypermenorrhoe: Regelblutung ist verstärkt
  • Menorrhagie: Regelblutung ist verlängert
  • Metrorrhagie: Blutung tritt außerhalb des Zyklus auf, z. B. zwischen zwei normalen Regelblutungen.
  • Dysmenorrhoe: Regelblutung ist schmerzhaft und/oder krampfhaft.
    Die krampfartigen Unterleibsschmerzen beginnen wenige Stunden vor der Regelblutung und dauern längstens bis zum Ende der Menstruation. Die Schmerzintensität ist bei Blutungsbeginn am stärksten.
  • Amenorrhoe: Regelblutung bleibt aus

 

PCO-Syndrom (PCOS, polycystische Ovarien-Syndrom)
Länger andauernde (chronische) Zyklusstörungen mit sehr langen Abständen zwischen den Regelblutungen (Oligomenorrhoe) oder Ausbleiben der Regel (Amenorrhoe) und Anzeichen einer „Vermännlichung" weisen auch auf ein PCO-Syndrom hin. Ein Überschuss an männlichen Hormonen (Androgenen) äußert sich in männlichem Behaarungsmuster (Hirsutismus), Akne, Haarausfall (Alopezie) und erhöhten Androgen- und Testosteronwerten im Blut. Außerdem enthalten die Eierstöcke beim PCO-Syndrom jeweils mindestens 12 Follikel mit einem Durchmesser von zwei bis neun Millimeter (polycystische Ovarien). Als weitere Krankheitszeichen können auftreten: unerfüllter Kinderwunsch (Unfruchtbarkeit), Übergewicht, Insulinresistenz, metabolisches Syndrom (erhöhte Blutfettwerte, Bluthochdruck, erhöhter Blutzucker und Übergewicht).

 

Gelbkörperhormonmangel
Ein Mangel an Gelbkörperhormon, der in der zweiten Zyklushälfte durch einen ungenügend entwickelten Gelbkörper (Gelbkörperinsuffizienz) verursacht wird, hat zur Folge, dass das Hormon Östrogen überwiegt und unterschiedliche Beschwerden hervorruft. Anzeichen eines Gelbkörperhormonmangels können das Auftreten des prämenstruellen Syndroms, bestimmter Menstruationsstörungen, von Eierstockzysten („Stresszysten") und Unfruchtbarkeit sein. Er findet sich regelmäßig vor Beginn der Wechseljahre (Klimakterium).

Prämenstruelles Syndrom (PMS)
Die häufigsten Krankheitszeichen, die zyklusabhängig auftreten, sind: Schwellung und Schmerzen beider Brüste, Ödeme in den Beinen, Gewichtszunahme, Bauchschmerzen, Rückenschmerzen, Depressionen und Stimmungsschwankungen.

 

Hypophysenvorderlappeninsuffizienz

Die Krankheitszeichen einer Funktionsstörung des Hypophysenvorderlappens hängen davon ab, welche Hormone betroffen sind.

Ausfall von Hormonen
Eine komplette Hypophyseninsuffizienz, bei der alle Hypophysenhormone ausfallen, hat ein Krankheitsbild zur Folge, das sich aus den Krankheitszeichen der einzelnen Hormonausfälle zusammensetzt:

  • FSH- und LH-Ausfall: Zyklusstörung, Regel bleibt aus (Amenorrhoe)
  • ACTH-Ausfall: Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, leichte Ermüdbarkeit
  • TSH-Ausfall: Schilddrüsenunterfunktion
  • Prolaktin-Ausfall: keine Milchproduktion (nach einer Schwangerschaft)
  • ADH-Ausfall: übermäßige Harnausscheidung (Schwangerschaftsdiabetes)

Eine komplette Hypophyseninsuffizienz kann sich nach einer Schädigung des Hypophysengewebes über Jahre entwickeln, in denen die Hypophysenhormone nacheinander ausfallen. Beim Sheehan-Syndrom, das nach einer Geburt mit starkem Blutverlust auftreten kann, fällt typischweise zuerst das Wachstumshormon aus, danach Prolaktin, FSH und LH. Der Milchfluss (Laktation) versiegt, die Regelblutung setzt sich nur zögerlich wieder in Gang oder bleibt aus und die Schamhaare, die bei der Geburt abrasiert wurden, wachsen nicht mehr nach. Mit dem Ausfall der Schilddrüsenhormone treten Kälteempfindlichkeit, Müdigkeit, Antriebslosigkeit und Depressionen auf. Wenn schließlich die ACTH-Ausschüttung versiegt, kommt es zu einem Mangel an Cortison, der mit hoher Anfälligkeit für Infekte einhergeht. Das Sheehan-Syndrom kann lebensbedrohlich sein, wenn sich beispielsweise bei besonderen Belastungen ein hypophysäres Koma einstellt.

In Ausnahmefällen setzt die Hypophyse die Horomonausschüttung plötzlich aus. Es kommt zu einem hypophysären Koma. Durch den plötzlichen Hormonausfall sind die Patienten zunächst benommen und schläfrig und fallen schnell ins Koma, der Blutdruck sinkt, der Herzschlag verlangsamt sich und die Körpertemperatur fällt ab.

Hypophysentumoren, die kein Hormon produzieren, rufen Beschwerden hervor, wenn sie mit zunehmender Größe auf benachbarte Gehirnstrukturen drücken. Häufig kommt es zu Sehstörungen und Einschränkung des Gesichtsfelds, weil der Tumor auf die Sehnerven Druck ausübt, die sich oberhalb der Hypophyse kreuzen. Bei folgenden Anzeichen sollte auch an einen Hypophysentumor gedacht werden, wenn keine andere Ursache erkennbar ist:

  • wenn man häufig an Gegenstände oder Personen seitlich anstößt, weil man sie nicht gesehen hat
  • wenn beim Autofahren auf einmal Autos erscheinen, die man vorher nicht gesehen hat
  • wenn Nebel oder Schleier vor den Augen liegen
  • wenn man Getränke neben des Gefäß schüttet.

Des Weiteren können Hypophysentumore die Hormonausschüttung aus der Hypophyse stören (Hypophyseninsuffizienz), weil sie Hormon produzierende Hypophysenzellen verdrängen. Bei einem Adenom in der Hypophyse macht sich zunächst eine verringerte Ausschüttung der gonadotropen Hormone FSH und LH bemerkbar. Dadurch geht die Produktion der Geschlechtshormone Östrogen und des Gelbkörperhormons in den Eierstöcken zurück. Es treten Zyklusstörungen (Menstruationsstörungen) auf und die Regelblutung bleibt aus (Amenorrhoe). Außerdem stellen sich Beschwerden wie in den Wechseljahren, z. B. Hitzewallungen, ein.

Die anderen Hormone des Hypophysenvorderlappens gehen erst später zurück, bis die Hormonabgabe der Hypophyse schließlich vollständig ausfällt.

Ein Ausfall des Prolaktins macht sich nur nach einer Schwangerschaft bemerkbar, indem die Milchproduktion ausbleibt.

Überschuss von Hormon
Hypophysentumoren werden häufig nur zufällig entdeckt, denn nicht immer verursachen sie Beschwerden oder die Anzeichen werden nicht mit einem Tumor in Zusammenhang gebracht. Ein Hypophysentumor sollte in Betracht gezogen werden, wenn häufig Kopfschmerzen auftreten, die unspezifisch und neu sind, oder sich Anzeichen bemerkbar machen, die typisch für eine Überproduktion eines Hypophysenhormons sind.

  • Hyperprolaktinämie
    Durch Prolaktin-produzierende Adenome (Prolaktinome) ist die Prolaktinkonzentration im Blut erhöht (Hyperprolaktinämie). Auf Grund des hohen Prolaktinspiegels sondert die Brustwarze ein milchiges Sekret ab (Galaktorrhoe). Ein erhöhter Prolaktinspiegel wirkt sich außerdem auf das Regelsystem der Hormone GnRH (Hypothalamus), FSH und LH (Hypophysenvorderlappen), Östrogene und das Gelkörperhormon (Eierstöcke) aus. Die Folgen sind Störungen der Eizellreifung, des Eisprungs und der Hormonproduktion des Gelbkörpers. Die Regelblutung bleibt aus (Amenorrhoe), die Knochendichte vermindert sich (Osteoporose) und die Frau ist unfruchtbar.

    Auf Grund der Gelbkörperschwäche können Akne und fettige Haut sowie männliche Behaarungsmuster (Hirsutismus) auftreten. Außerdem bildet sich die Vaginalschleimhaut zurück.

  • Galaktorrhoe (spontaner Milchfluss)
    Tritt außerhalb einer Schwangerschaft aus den Brustwarzen beider Brüste ein milchiges Sekret aus, kann eine Galaktorrhoe vorliegen. Häufig tritt sie als Begleiterscheinung von Erkrankungen des Hypothalamus, der Hypophyse, der Eierstöcke oder der Nebennierenrinde auf. Dann findet häufig keine Regelblutung statt (Amenorrhoe).

  • Hirsutismus
    Ein vermehrter und verstärkter Haarwuchs bei Frauen mit Ausbildung eines männlichen Behaarungstyps an Brust, Bauch, Armen, Beinen, Oberlippe, Kinn, Wange sind Merkmale des Hirsutismus. Da Hirsutismus ein Anzeichen der Vermännlichung ist (Virilisierung), können auch folgende Merkmale vorhanden sein: Größenzunahme der Klitoris, Amenorrhoe, Unfruchtbarkeit, Verkleinerung der Brüste, Verkleinerung der inneren Geschlechtsorgane, tiefer werdende Stimme und Akne.

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