Frauenärzte im Netz


Störungen des Hormonhaushalts

Besonderheiten bei Schwangeren


Hypophyseninsuffizienz in der Schwangerschaft

Ein starker Blutverlust während oder nach einer Geburt kann dazu führen, dass die Durchblutung der Hypophyse vermindert ist und ein Teil des Hormon produzierenden Gewebes abstirbt. Wenn etwa 75% des Hypophysenvorderlappens geschädigt ist, treten Krankheitszeichen auf, die auf den Ausfall von Hypophysenhormonen zurückzuführen sind. Als Erstes bleibt die Milchbildung nach der Geburt (Laktation) aus. Weitere Anzeichen von Hormonausfällen treten oft erst Jahre später auf. Dieses Krankheitsbild wird als Sheehan-Syndrom bezeichnet. Es ist relativ selten; im Jahr 1965 erkrankte eine von 10.000 Gebärenden. Vermutlich sind heute noch weniger Frauen davon betroffen, weil die Geburtshilfe deutliche Fortschritte gemacht hat.

 

Hypophysentumoren in der Schwangerschaft

Üben Tumoren des Hypophysenvorderlappens Druck auf den Hypophysenstiel aus, entsteht ein ADH-Mangel. Dadurch ist die Harnkonzentrierung in der Niere gestört und es tritt das Krankheitsbild der Schwangerschaftsdiabetes auf.

 

Hyperprolaktinämie in der Schwangerschaft

Auf die Prolaktinkonzentration im Blut haben verschiedene Hormone Einfluss. Beispielsweise bewirkt das Hormon Östrogen, dass die Konzentration von Prolaktin im Blut ansteigt. Da die Plazenta während einer Schwangerschaft Östrogen in ständig steigender Menge freisetzt, nimmt auch der Prolaktinspiegel ständig zu.

Im Verlauf der Schwangerschaft produziert die Plazenta ständig steigende Mengen an Östrogen, die sich auf die Prolaktin bildenden Zellen des Hypophysenvorderlappen auswirken. Sie werden größer (Hypertrophie) und ihre Anzahl nimmt zu (Hyperplasie). Dadurch wird mehr Prolaktin hergestellt und in das Blut abgegeben. Mit fortschreitender Schwangerschaft erhöht sich deshalb der Prolaktinspiegel - bis um das 20fache bis zum Geburtstermin. Nach der Geburt fördert das Prolaktin die Milchproduktion (Laktation) und unterdrückt den Eisprung. Die anregende Wirkung auf die Milchproduktion der Brustdrüse wird während der Schwangerschaft durch die großen Östrogenmengen, welche die Plazenta bildet, unterdrückt.

Prolaktinom in der Schwangerschaft
Tritt während der medikamentösen Behandlung eines Prolaktinoms mit einem Dopaminagonisten eine Schwangerschaft auf, sollte das Medikament abgesetzt werden. Da der Mutterkuchen (Plazenta) im Verlauf der Schwangerschaft große Östrogenmengen ausschüttet, können vorhandene Prolaktinome zwar zum Wachstum angeregt werden, jedoch wächst das Adenom lediglich in 2% der Fälle weiter. Treten Kopfschmerzen, Sehstörungen oder Brustbeschwerden auf, sollte die Größe des Prolaktinoms durch eine Magnetresonanztomografie kontrolliert werden. Außerdem empfiehlt sich eine regelmäßige Gesichtsfelduntersuchung. Die Geburt kann in der Regel um den errechneten Termin erfolgen.

Dagegen wird bei einem sehr großen Prolaktinom (Makroprolaktinom) die Behandlung mit dem Dopaminagonisten während der Schwangerschaft weitergeführt. Das Risiko, dass das Prolaktinom beim Aussetzen der Therapie weiter wächst, beträgt bei einem Makroprolaktinom 23%. In Einzelfällen kann es erforderlich sein, die Geburt vorzeitig einzuleiten.

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