Störungen der Sexualität
Beschneidung
Weltweit werden jedes Jahr drei Millionen Mädchen beschnitten, 130 Millionen Mädchen und Frauen leben mit verstümmelten äußeren Geschlechtsorganen. Der Ritus zur Verstümmelung von Mädchen ist in 28 Ländern in Afrika und im Mittleren Osten weit verbreitet, in einigen Ländern wie Sierra Leone, Somalia, Sudan, Äthiopien und Djibouti sind über 90% der Frauen davon betroffen. Die weibliche Genitalverstümmelung wird aus unterschiedlichen Beweggründen durchgeführt: aus religiösen, kulturellen oder aus ästhetischen Gründen oder als Garantie für Treue und Jungfräulichkeit vor der Ehe. In Regionen, in denen ein hoher Anteil der Frauen beschnitten ist, werden unbeschnittene Mädchen aus der Gemeinschaft ausgestoßen und haben keine Aussicht zu heiraten. Deshalb ist der soziale Druck auf Mütter, ihre Töchter beschneiden zu lassen, extrem hoch. In den letzten Jahrzehnten wurde die Genitalverstümmelung durch Einwanderung auch in die Industriestaaten importiert. Sie wird von Menschenrechtsorganisationen und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) geächtet und in Deutschland als Körperverletzung strafrechtlich verfolgt. Dennoch leben laut der Deutschen Ärztezeitung hierzulande über 30.000 Frauen mit verstümmelten Genitalien. Der Berufsverband der Frauenärzte arbeitet intensiv an der Ächtung dieser unmenschlichen Praktiken mit.
Brutaler Ritus
Üblicherweise werden Mädchen im Alter von 4 bis 14 Jahren von traditionellen Beschneiderinnen oder Hebammen verstümmelt, ohne Betäubung, mit Scheren, Messern oder Glasscherben. Entweder wird die Vorhaut der Klitoris, die gesamte Klitoris oder die kleinen Schamlippen entfernt. Die radikalste Methode der Beschneidung ist die so genannte Infibulation. Dabei werden dem Mädchen meist vor Pubertätsbeginn sämtlich äußeren Geschlechtsteile (Klitoris und Schamlippen) entfernt und die Scheide anschließend so vernäht, dass nur eine winzige Öffnung zum Urinieren und für die Regelblutung bestehen bleibt. Die Wunde wächst zu und muss für den Geschlechtsverkehr erneut geöffnet werden. Dies geschieht in außereuropäischen Ländern meist mit einem scharfen Messer oder einer Rasierklinge. Möchte eine infibulierte Frau ein Kind bekommen, muss die Öffnung noch weiter vergrößert werden. Bei der Geburt kann es zu starken Komplikationen und im Extremfall zum Verbluten der Gebärenden kommen. Nach der Geburt wird die Scheide der Frau wieder zugenäht und ihr Leidenskreislauf so weiter verlängert.
Lebenslange Folgen
Jede Art der Beschneidung ist mit erheblichen psychischen und körperlichen Folgen verbunden. Schockzustände, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr (Dyspareunie), eine Scheidenverengung (Vaginalstenose), verlängerte und verstärkte Regelblutungen (Menorrhagie) sowie Angst, Depressionen und schwere Traumata treten auf. Eine infibulierte Frau hat bereits beim Wasserlassen Schmerzen, da sie den Urin in kleinen Mengen herauspressen muss. Auch die Menstruation ist oftmals eine Qual und mit einem Blutstau verbunden. Dadurch kann es zu chronischen Unterleibs- und Harnwegsinfektionen kommen. Bei einer laienhaft durchgeführten Beschneidung können eine Vielzahl gesundheitlicher Komplikationen wie schwere Infektionen, ein hoher Blutverlust, extreme Schmerzen oder Schock auftreten. Ein erfülltes Liebesleben oder Freude an der Sexualität kennt eine infibulierte Frau meist nicht. Die Frauen leiden ihr Leben lang an der Zerstörung ihrer Geschlechtsorgane.





