Sexuelle Abweichungen
Transgender
Die menschliche Sexualität umfasst nicht nur die äußerlich sichtbaren Geschlechtsmerkmale, die jemanden als Frau oder Mann erscheinen lassen, sondern weitaus mehr. Neben der genetischen Ausstattung und der embryonalen Entwicklung im Mutterleib bestimmen auch Erziehung, Tradition, Religion und andere Faktoren, wie die eigene Sexualität erlebt wird. Die gefühlte Geschlechtsidentität und die biologisch sichtbaren Geschlechtsmerkmale müssen nicht immer zusammen passen. So verspüren manche Frauen ein inneres drängendes Gefühl, eigentlich dem anderen Geschlecht anzugehören, ebenso wie sich manche Männer innerlich als Frauen fühlen.
Aufgrund dieser Abweichungen unterscheidet man verschiedene Dimensionen der Sexualität:
- gonadisch: bezeichnet die weiblichen oder männlichen Keimzellen
- genetisch: bezeichnet die Geschlechtschromosomen (XX steht biologisch für die Entwicklung zur Frau, XY für die Entwicklung zum Mann)
- somatisch: bezeichnet die körperlich sichtbaren Geschlechtsmerkmale (wie die weibliche Brust, Genitalien und Körperbehaarung)
- psychologisch: umfasst die gefühlte Geschlechts-Identität
- phänomenologisch: bezeichnet das äußere Erscheinungsbild (Kleidung etc.)
- psychosozial: umfasst das Geschlechts-Rollenverhalten innerhalb der Gesellschaft
Der Begriff Transgender wurde in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts geprägt und umfasst sämtliche Identitäten und Verhalten im Wechsel zwischen den Geschlechtern. Transgender sind Menschen, deren gefühlte Geschlechtsidentität nicht mit ihrer biologischen übereinstimmt oder deren Geschlechtsrollenpräsentation oder äußeres Erscheinungsbild von dem sonst Üblichen abweichen. Die bekanntesten Transgender-Identitäten und Verhaltensweisen sind Transvestiten oder Cross-Dresser, Transsexuelle, androgyne Menschen, Hermaphroditen, Drag Kings und Drag Queens.
TransvestitenTransvestiten sind Menschen, die sich innerlich dem anderen Geschlecht zugehörig fühlen und dies durch ihr äußeres Erscheinungsbild zum Ausdruck bringen (lat. trans= hinüber vestire= kleiden). Transvestismus ist von der sexuellen Orientierung unabhängig und kommt nicht nur bei Männern vor. Im englischsprachigen Raum ist auch der Begriff „Cross-Dresser" gebräuchlich.
Bei Transvestiten besteht im Gegensatz zu Transsexuellen nicht der Wunsch nach einem vollständigen Geschlechtswechsel, die Übergänge sind jedoch fließend. Manche Transvestiten fühlen sich nur temporär in einer anderen Geschlechtsrolle und wollen ansonsten in ihrem Gegengeschlecht wahrgenommen werden. Die meisten Transvestiten, die nur zeitweilig eine andere Geschlechtsrolle verkörpern, sind heterosexuell veranlagt und leben ihr zweites Dasein oft heimlich aus. Das Tragen von Kleidern des anderen Geschlechts kann als sexuell befriedigend empfunden werden, doch auch hier sind große Variationen möglich.
Drag King und Drag QueenDie Begriffe Drag King und Drag Queen stammen aus dem englischen und bezeichnen Menschen mit einem weiblichen Körper, die in irgendeiner Form Männlichkeit darstellen (Drag King) oder anatomische Männer, die Frauen in überzeichneter Weise darstellen (Drag Queen). Der Begriff „Drag" wird dabei als „dressed as a girl" oder „dressed as a guy" interpretiert. Drag Kings und Drag Queens treten oftmals in schwul-lesbischen Lokalen auf.
TranssexuelleTranssexuelle unterscheiden sich von Transvestiten dadurch, dass sie den starken Wunsch verspüren, eine geschlechtsanpassende Operation vornehmen zu lassen. Sie fühlen sich zum Beispiel als Frau in einem männlichen Körper gefangen und verachten ihre männlichen Geschlechtsorgane. Mediziner sprechen von einer gestörten geschlechtlichen Identität, die sich bereits früh bemerkbar macht. Die Betroffenen bemühen sich meist schon in der Kindheit, ihr körperlich sichtbares Geschlecht zu verheimlichen.
In Deutschland können transsexuelle Menschen eine Geschlechtsumwandlung vornehmen lassen. Die Voraussetzung dafür ist jedoch eine eindeutige medizinische und psychiatrische Diagnose, sowie eine ärztlich betreute Testphase von mindestens einem Jahr, in dem der Wunsch nach einer Geschlechtsumwandlung gelebt werden muss. Anschließend werden die Betroffenen durch eine Hormonbehandlung auf den operativen Eingriff vorbereitet. Nach der Operation darf laut dem Transsexuellen-Gesetz eine Änderung des Vornamens und des bürgerlichen Personenstandes vorgenommen werden.





