Frauenärzte im Netz

Röteln in der Schwangerschaft

Krankheitsbild


Rötelninfektion der Schwangeren

Das Rötelnvirus befällt die Schleimhäute der oberen Atemwege und vermehrt sich im Lymphsystem. Die Zeit von der Ansteckung bis zum Auftreten der ersten Anzeichen (Inkubationszeit) beträgt 14 bis 21 Tage. Das Krankheitsbild ist bei einem Erwachsenen ähnlich wie bei einem Kind, das an Röteln erkrankt. Die Beschwerden zu Beginn der Krankheit sind unspezifische, erkältungsähnliche Anzeichen wie Schnupfen, Husten, eventuell eine Bindehautentzündung. Die Lymphknoten im Kopf- und Halsbereich schwellen an und schmerzen. Zwei bis drei Wochen nach der Ansteckung zeigen sich hellrote Flecken im Gesicht, die sich über den Körper und die Extremitäten ausbreiten. Nach ein bis drei Tagen verschwinden sie wieder. Bei einigen Frauen treten auch Gelenkschmerzen auf.

Rund 20% aller Rötelninfektionen bei Erwachsenen verlaufen ohne äußere Anzeichen. Solche unterschwellig verlaufenden Erkrankungen bleiben meist unentdeckt und stellen deshalb im Fall einer Schwangerschaft für das ungeborene Kind eine besondere Gefahr dar.
 

Rötelninfektion des Embryos/Fetus (Rötelnembryopathie)

Das Rötelnvirus gelangt über die Plazenta in den Blutkreislauf des Embryos bzw. Fetus. Die Organe des Kindes können durch das Virus so stark geschädigt werden, dass es mit schweren Behinderungen geboren wird. Je früher eine Rötelninfektion auftritt, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich schwere Fehlbildungen entwickeln. Bei einer Rötelninfektion in der 1. bis 11. Schwangerschaftswoche sind verschiedene Formen der so genannten Rötelnembryopathie möglich:

  • klinische Trias, auch Gregg-Syndrom genannt:
    Organfehlbildungen an Herz, Auge, Innenohr

  • erweitertes Rubella-Syndrom (rubella = engl. für Röteln):
    Gelbsucht (Ikterus), Hautausschlag (Exanthem), Verminderung der Blutplättchenzahl (Thrombozytopenie), Blutarmut (Anämie), Herzmuskelentzündung (Myokarditis), Lungenentzündung (Pneumonie), Gehirnentzündung (Enzephalitis), Knochenerkrankungen (Osteopathie)

     
  • Late-Onset-Rubella-Syndrom (Beginn zwischen 4. und 6. Lebensmonat): Wachstumsstillstand, chronischer Hautausschlag (Exanthem), wiederholt auftretende Lungenentzündung. Sterblichkeit - besonders bei Lungenentzündung - ca. 70%

  • Spätfolgen (in der Jugend):
    Hörschäden, Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus), Störungen der Hormonfreisetzung, Krampfleiden, fortschreitende Panenzephalitis

Bei einer Rötelnembryopathie in der 1. bis 11. Schwangerschaftswoche können zusätzlich zur Trias und erweitertem Rubella-Syndrom Entwicklungsstörungen auftreten, wie kleiner Kopf (Mikrozephalus), Störungen der Gleichgewichtsentwicklung und eine verzögerte geistige Entwicklung.

Eine Rötelninfektion in der 12. bis 17. Schwangerschaftswoche schädigt meist das Innenohr. Die Kinder werden bereits mit Innenohrschwerhörigkeit geboren. Bei einer Infektion nach der 18. Schwangerschaftswoche entwickelt sich der Fetus eventuell etwas langsamer. Es sind jedoch meist keine langfristigen Schäden zu erwarten. Bei einer Infektion kurz vor der Entbindung, erkrankt das Neugeborene möglicherweise an Röteln.

Artikel drucken   Artikel empfehlen

Zum Thema