Frauenärzte im Netz


„Pille danach“


Für den Fall, dass Verhütungsmethoden fehlgeschlagen haben (Pille vergessen, Kondom gerissen, ungeschützter Geschlechtsverkehr) gibt es die so genannte „Pille danach". Sie wird auch als Notfallverhütung bezeichnet und kann bei zeitnaher Einnahme eine Schwangerschaft zu einem hohen Prozentsatz verhindern. Es gibt verschiedene Arzneimittel mit jeweils einem unterschiedlichen Wirkstoff: entweder Levonorgestrel (Pidana®) oder Ulipristalacetat (Ellaone®).

Die „Pille danach“ ist in Apotheken rezeptfrei erhältlich. Da Deutschland über zehntausend niedergelassene Frauenärzte verfügt und einen ärztlichen Bereitschaftsdienst rund um die Uhr sicherstellt, können sich Frauen im Fall einer Verhütungspanne auch direkt an einen Gynäkologen wenden. Mädchen und Frauen können das Gespräch mit einem Frauenarzt dann auch dazu nutzen, um sich über Verhütung, Sexualität und sexuell übertragbare Erkrankungen zu informieren. Laut BZgA schätzen Mädchen die fachliche Kompetenz, Neutralität und professionelle Distanz in einem offenen und vertrauensvollen Gespräch mit dem Frauenarzt.

Auch nach der Entlassung der „Pille danach“ aus der Verschreibungspflicht werden die Kosten bei gesetzlich versicherten Frauen unter 20 Jahren von der Krankenkasse übernommen. Voraussetzung hierfür ist, dass sie sich die „Pille danach“ ärztlich verschreiben lassen. 18- und 19-Jährige müssen allerdings die Rezeptgebühr selbst bezahlen.

Wirkmechanismus der „Pille danach“

Die Wirkung der beiden hormonellen Methoden der „Pille danach" besteht in einer Hemmung oder Verzögerung des Eisprungs (Hemmung der Follikelreifung, Verzögerung des LH-Peaks). Mit dem „LH-Peak“ wird der höchste Anstieg der LH-Konzentration (LH=luteinisierendes Hormon) bezeichnet, der etwa 24 Stunden später zum Eisprung führt. Während Levonorgestrel bis zu drei Tage nach der Verhütungspanne eingenommen werden kann, ist Ulipristalacetat für die Einnahme innerhalb von fünf Tagen nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr zugelassen.
Der verzögerte Eisprung erfolgt dann etwa fünf Tage später. Diese Verzögerung ist ausreichend, um das fruchtbare (fertile) Zeitfenster zu schließen, denn Spermien haben durchschnittlich eine Überlebensdauer von 3-5 Tagen. Beide hormonellen Methoden haben keinen Einfluss auf die Einnistung (Implantation) einer befruchteten Eizelle. Die „Pille danach“ führt daher zu keinem Schwangerschaftsabbruch, sie ist unwirksam, sobald der Prozess der Einnistung begonnen hat.

Werden Levonorgestrel oder Ulipristalacetat nach dem LH-Peak verabreicht, können beide Wirkstoffe den Eisprung nicht mehr verschieben. Aus diesem Grunde sollten hormonelle Notfallkontrazeptiva immer so schnell wie möglich verabreicht werden, um dem Eisprung zuvorzukommen. Es gilt: Je früher die "Pille danach" eingenommen wird, desto sicherer kann eine Schwangerschaft verhindert werden! Betroffene Mädchen und Frauen sollten sich daher nicht scheuen, bei einer Verhütungspanne zeitnah am nächsten Morgen ihren Frauenarzt bzw. am Wochenende den ärztlichen Bereitschaftsdienst aufzusuchen.

Nach der Pilleneinnahme kommt es in der Regel zum gewohnten Zeitpunkt zu einer Abbruchblutung, eventuell ist diese etwas stärker als sonst. Manchmal tritt auch schon vorher eine Zwischenblutung auf. Sollte die Blutung allerdings zum gewohnten Termin ausbleiben oder nur sehr schwach sein, ist umgehend der Frauenarzt aufzusuchen und ein Schwangerschaftstest zu machen. Nach der Einnahme von Ellaone® (Ulipristalacetat) muss mit einer Barrieremethode, z.B. Kondom, weiter verhütet, werden.

Mögliche Nebenwirkungen der "Pille danach"

Die häufigsten Nebenwirkungen sind Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerzen. Nach Erbrechen sollte innerhalb von 3 Stunden erneut eine Tablette eingenommen werden. Am besten bespricht man sich in diesem Fall mit einem Frauenarzt. Levonorgestrel und Ulipristalacetat dürfen nicht zusammen eingenommen werden.
Außerdem kann die kurzfristige Hormoneinnahme zu Zyklusstörungen und Menstruationsstörungen sowie einer Verschiebung der Follikelreifung im folgenden Zyklus führen. 

Informationen zur "Pille danach" für übergewichtige Patientinnen

Übergewichtige Patientinnen sollten wissen, dass mit zunehmendem Körpergewicht (BMI) die kontrazeptive Sicherheit der „Pille danach“ sowohl von Levonorgestrel als auch von Ulipristalacetat abnimmt. Dieser Effekt ist unter Levonorgestrel stärker. Ab einem Körpergewicht von 70 kg sinkt die Effektivität für Levonorgestrel deutlich, bei Ulipristalacetat tritt eine Wirkreduktion erst ab 95 kg auf.
Bei stark übergewichtigen Frauen (BMI > 35 kg/m²) wird der Frauenarzt möglicherweise eine "Spirale danach" (Kupfer- intrauterinpessar) empfehlen.  

Die „Pille danach" ist keine Methode zur regelmäßigen Empfängnisverhütung!

Die "Pille danach" kann die anderen Verhütungsmethoden (Pille, Kondom) nicht ersetzen, weil sie zum einen nicht so sicher ist, und zum anderen stärkere Nebenwirkungen hat. Außerdem nimmt die Wirkung bei häufiger Einnahme innerhalb eines kurzen Zeitraumes ab. Nach Anwendung der „Pille danach" sollte kein weiterer ungeschützter Geschlechtsverkehr erfolgen. Die „Pille danach" darf in einem Zyklus nur einmal angewendet werden! Frauen, welche die „Pille danach" wegen eines Einnahmefehlers ihrer Mikropille verordnet bekommen, können die Pillen-Einnahme fortsetzen, sollten aber darüber hinaus zusätzlich, z. B. mit einem Kondom, verhüten.

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