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27.06.2007

Schon ein täglicher Schluck zu viel macht krank

Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) warnt davor, dass die „risikoarme Schwellendosis" von Alkohol niedriger ist als gemeinhin angenommen. Bei Männern liegt sie bei 20-24 Gramm reinem Alkohol pro Tag. Das entspricht etwa einem halben Liter (0,5 l) Bier oder einem Viertel (0,25 l) Wein. Frauen dürfen regelmäßig sogar nur die Hälfte ohne Bedenken konsumieren, also ein achtel Liter (0,125 l) Wein oder ein viertel Liter (0,25 l) Bier. Diese bereits vor 4 Jahren festgelegten Grenzwerte sind nun in weiteren Langzeitstudien belegt worden.

Selbst bei geringer Alkoholdosis sollten 2 alkoholfreie Tage pro Woche sowie mehrere Wochen im Jahr eingehalten werden, erklärt der Vorsitzende des Wissenschaftlichen Kuratoriums der DHS, Prof. Karl Mann. Alkohol spiele nicht nur bei Leberschäden eine wesentliche Rolle, sondern auch bei Krebs und psychischen Erkrankungen wie Depressionen. Besonders gefährdet seien Frauen, denn schon geringe Alkoholmengen könnten zu einem erhöhten Brustkrebs-Risiko beitragen. Nach einer 2006 im Fachmagazin „International Journal of Cancer" veröffentlichten Studie gehen 3,6% aller Krebsfälle weltweit auf Alkohol zurück. Unter Frauen mache laut Prof. Mann Brustkrebs 60% aller alkoholbedingten Krebsfälle aus.

Eine gesundheitsfördernde Wirkung von Alkohol gebe es nur in einem ganz eng umgrenzten Rahmen, betont der DHS-Vorsitzende Prof. Jobst Böning. Bei älteren Männern mit Herzinfakt- oder Hirnschlagrisiko könnten geringe Mengen Alkohol die Risiken reduzieren. Diese Wirkung schlage aber schon bei einem geringfügig erhöhten Konsum in sein Gegenteil um. „Der Nutzen von Alkohol wird maßlos überschätzt." Auch alkoholfreies Bier und alkoholfreier Wein besitzen aktuellen Untersuchungen zufolge einen gewissen schützenden Effekt auf das Herz-Kreislauf-System.

In Deutschland liegt der Konsum mit 10 Litern reinem Alkohol pro Kopf und Jahr über dem europäischen Schnitt von 8 Litern. Als eine Ursache sehen die DHS-Experten die Alkoholwerbung. „Es gibt gute Belege dafür, dass Werbung tatsächlich den Konsum hochfährt", sagt Prof. Mann. Die derzeitige Alkoholwerbung ziele nach seiner Meinung vor allem auf Frauen, da es bei ihnen eher noch Potenzial zur Steigerung des Verbrauchs gebe als bei Männern.


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