Frauen, die neben der gesetzlich geregelten Krebsfrüherkennungsuntersuchung noch weitere private Zusatzuntersuchungen durchführen lassen, sollten weiterhin in jedem Jahr die etablierte Krebsvorsorge wahrnehmen. „Trotz zusätzlicher Maßnahmen, wie beispielsweise des Testes auf humane Papillomaviren HPV, anderer Abstrichuntersuchungen oder auch der HPV-Impfung, bleibt die bekannte jährliche Vorsorge beim Frauenarzt notwendig", darauf weist Dr. Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte (BVF) hin. Denn die Routine-Vorsorge beschränkt sich nicht nur auf die Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs mit Hilfe des - immer noch unerreichten - „Pap-Abstriches", sondern dehnt sich auf weitere frauenspezifische Krebserkrankungen aus. „Die Untersuchung beinhaltet auch die Beurteilung der äußeren und anderen inneren Geschlechtsorgane, also auch des Venushügels, des Gebärmutterkörpers, der Eierstöcke und spätestens ab dem Alter von 30 auch die der Brüste", fügt der Gynäkologe hinzu. „Auch hier sind mindestens jährliche Inspektionen empfohlen, um Auffälligkeiten und Veränderungen rechtzeitig entdecken und gegebenenfalls behandeln zu können."
Teilnahmerate unter 50 Prozent
Ein wesentlicher Faktor für den Erfolg eines gynäkologischen Versorgungsprogramms ist die Teilnahmerate. „Leider nutzen weniger als die Hälfte aller Frauen regelmäßig die Untersuchungen zur Früherkennung von Krebserkrankung, da Deutschland im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern kein Einladungssystem besitzt", bedauert der Facharzt. „Jüngste Studienergebnisse aus Deutschland legen den Schluss nahe, dass Krebserkrankungen am Gebärmutterhals sowie fortgeschrittene Stadien der Erkrankung eher bei denjenigen Frauen auftreten, die nicht oder nur unregelmäßig an der Vorsorge teilnehmen. Dagegen finden sich die niedrigsten Erkrankungszahlen bei der Gruppe Frauen, die jährlich Früherkennungs-Maßnahmen in Anspruch nehmen", fügt Dr. Albring hinzu.
Erkrankungszahlen um zwei Drittel gesenkt
Seit 1971 sind in Deutschland Krebsfrüherkennungsuntersuchungen in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung einbezogen, bundesweit eingeführt, und später auf die neuen Bundesländer ausgedehnt worden. Mit Einführung der Krebsvorsorge in jährlichen Intervallen konnte die Rate an Gebärmutterhalskrebs-Erkrankungen um 66% gesenkt werden. „Im europäischen Vergleich wurde damit in Deutschland der größte Rückgang an Erkrankungszahlen erzielt", sagt der Präsident des BVF. „Leider führt seit dem Fall des eisernen Vorhanges die Migration von Frauen aus dem ehemaligen Ostblock zu einer Verfälschung der deutschen Zahlen, da dort die Krebsvorsorge schlichtweg nicht existierte", erläutert Dr. Albring. Deutschland liegt deshalb mit seiner Erkrankungsrate aktuell scheinbar nur im europäischen Mittelfeld, da die Frauen nun die Vorsorge hier erstmals wahrnehmen. Dasselbe Phänomen erlebt die Republik beim Wiederaufleben von Erkrankungen, die man in Deutschland längst ausgerottet glaubte, wie der Tuberkulose und anderen.
Deutsches System weltweit einmalig: Vorsorge geht über Krebsfrüherkennung hinaus
Neben der Krebsvorsorge finden beim Frauenarzt weitere wichtige frauenspezifische Belange Beachtung. Dabei werden die wechselnden gesundheitlichen Bedürfnisse der Patientinnen in ihren unterschiedlichen Lebensphasen berücksichtigt. „Die ärztliche Für- und Vorsorge dehnt sich nur in Deutschland von den individuellen Möglichkeiten der Familienplanung sowie der Impfberatung, der Erkennung und Behandlung von Sterilität, einer umfassenden Mutterschaftsbetreuung bis hin zur Behandlung von Wechseljahresbeschwerden und Harninkontinenz, die vielfach im höheren Lebensalter auftritt, aus", erläutert Dr. Albring. „Das deutsche gynäkologische Präventionssystem stellt die Frau als Gesamtpersönlichkeit in den Mittelpunkt und ist daher gegenüber den Versorgungssystemen anderer europäischer Länder einmalig und geradezu vorbildlich", fügt er hinzu. „Die Prävention bei Frauen und Mädchen beschränkt sich nämlich nicht nur auf den Teil eines Organs, den Gebärmutterhals, wie etwa in England, wo nur alle drei Jahre organisierte Abstrich-Untersuchungen, meist durch Assistenzpersonal, so genannte Nurses, stattfinden."
Ein weiteres Beispiel für die zentrale Rolle der gynäkologischen Versorgung ist auch die so genannte „Mädchensprechstunde", in der auf die besonderen Belange von Heranwachsenden eingegangen wird. „Der große Erfolg dieser Einrichtung spiegelt sich in den aktuellen Zahlen zu Schwangerschaftsabbrüchen bei unter 18-jährigen wider. Hier konnte die Anzahl der Abtreibungen gesenkt werden."