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15.11.2007

Hormonmangel durch vorzeitige Wechseljahre schadet Gehirn und Gedächtnis

Ein Mangel an weiblichen Geschlechtshormonen durch vorzeitige Wechseljahre kann das Gehirn der betroffenen Frauen schädigen. Dies belegen neue Studien: die Entfernung der Eierstöcke vor der Menopause erhöht später das Risiko für eine Demenz- oder Parkinsonerkrankung. In einer aktuellen Stellungnahme weist die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) in München darauf hin, dass in derartigen Fällen die Gabe von Östrogenen Schutz für Gehirn und Nerven bietet.

Experimentelle Studien belegen eindeutig diesen Nerven schützenden Effekt der Östrogene. „Epidemiologische Ergebnisse aus Klinik und Praxis sind dagegen widersprüchlich", sagt Professor Dr. med. Ludwig Kiesel, Sprecher der Sektion Reproduktionsbiologie und -medizin der DGE, Münster. Denn der natürliche Übergang in die Wechseljahre - einhergehend mit einem verringerten Östrogenspiegel - gefährdet das Gedächtnis nicht. Lässt eine Frau jedoch einen oder beide Eierstöcke operativ entfernen, gibt es Hinweise darauf, dass dies vor allem das episodische und verbale Gedächtnis beeinträchtigen kann: Die Erinnerung an Ereignisse, Fakten und Begriffe ist lückenhaft.

Neue Studien der Mayo Clinic in Rochester bestätigen dies jetzt: Wissenschaftler befragten insgesamt 2.327 Frauen, die sich zwischen 1950 und 1987 aus medizinischen Gründen einen oder beide Eierstöcke hatten entfernen lassen. Im Vergleich zu anderen gleichaltrigen Frauen zeigte sich, dass die Studienteilnehmerinnen später bedeutend häufiger an Gedächtnisschwund oder Schüttellähmung litten. Für Parkinsonismus im Alter erhöht sich das Risiko um 68 Prozent. Das Risiko steigt mit der Zahl der Jahre, die zwischen der Operation und dem natürlichen Alter des Eintritts in die Menopause liegen. Für vor dem 38. Lebensjahr operierte Frauen ist es am höchsten.

Den Auslöser für den schleichenden Verlust des Gedächtnisse gilt es noch zu finden: „Denn es bleibt unklar, ob die beobachteten kognitiven Defizite auf vaskuläre oder degenerative zerebrale Veränderungen zurückzuführen sind", sagt Dr. med. Petra Stute von der Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe des Universitätsklinikum Münster. Östrogene scheinen für den neuroprotektiven Effekt verantwortlich zu sein. Aber auch männliche Hormone spielen möglicherweise eine Rolle: „Letztendlich könnten ebenso die vom Ovar produzierten Androgene und Progesteron Einfluss auf die Kognition haben", so die Hormonexpertin.

Sowohl die Studie zu Parkinson als auch zu Demenz sei beeinflusst durch unterschiedliche Definitionen in der Literatur, verschiedene operative Vorgehen und die Praxis der Hormonersatztherapie im Beobachtungszeitraum. „Doch trotz einiger offenen Fragen, unterstützt die Studie die ‚Hypothese eines kritischen Zeitfensters' der Neuroprotektion durch Östrogene", betont Professor Kiesel. Demzufolge scheint die therapeutische Gabe von Östrogenen während der Wechseljahre eine schützende, danach jedoch eher schädigende Wirkung zu entfalten.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE)


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