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05.12.2007

Mehr als jeder zweite Frau geht auch krank zur Arbeit

Ernsthafte Beschwerden halten viele Arbeitnehmer heute nicht davon ab, weiter ihrer Arbeit nachzugehen: Knapp zwei Drittel der Beschäftigten gaben an, es sei im letzten Jahr vorgekommen, dass sie zur Arbeit gegangen seien, obwohl sie sich richtig krank gefühlt hätten. Dies ergab eine repräsentative Befragung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO), deren Ergebnisse im Fehlzeiten-Report 2007 vorgestellt wurden. Darüber hinaus wird ebenfalls deutlich, dass jeder dritte Arbeitnehmer mit gesundheitlichen Beschwerden am Arbeitsplatz erschien, obwohl der Arzt davon abgeraten hatte. Diese Ergebnisse gehen einher mit in den letzten Jahren kontinuierlich rückläufigen Krankenständen. So sank bei den rund 9 Millionen erwerbstätigen AOK-Mitgliedern der Krankenstand im Jahr 2006 von 4,4 Prozent auf 4,2 Prozent und erreichte damit den niedrigsten Wert seit mehr als zehn Jahren.

Sowohl die Zahl der Krankmeldungen als auch die Zahl der krankheitsbedingten Ausfalltage nahm im Jahr 2006 im Vergleich zum Vorjahr weiter ab. So hat der Anteil der Beschäftigten, die das ganze Jahr überhaupt nicht krank geschrieben waren, weiter zugenommen. Er stieg von 48,5 Prozent im Vorjahr auf 50,7 Prozent im Jahr 2006. Im Durchschnitt waren die AOK-Mitglieder 15,4 Kalendertage krank geschrieben. Im Jahr zuvor waren es noch 16,0 Tage gewesen. In Ostdeutschland fiel der Krankenstand mit 4,0 Prozent noch niedriger als im Westen aus. Dort lag er bei 4,3 Prozent. Bekanntermaßen differieren zwischen den einzelnen Branchen die krankheitsbedingten Fehlzeiten deutlich: Die niedrigsten Ausfallzeiten waren mit 2,7 Prozent im Kreditgewerbe und mit 2,2 Prozent in der Datenverarbeitung zu verzeichnen. Dahingegen wurden die höchsten Ausfallzeiten mit 6,1 Prozent in der Abfall- und Abwasserbeseitigung sowie in der Metallerzeugung und -bearbeitung, der Tabakverarbeitung und der Recyclingbranche (jeweils 5,2%) erreicht. Die niedrigen Krankenstände des Jahres 2006 sind nach Einschätzung des WIdO u.a. auf Veränderungen in der Beschäftigtenstruktur und eine verbesserte Gesundheitsvorsorge in den Betrieben zurückzuführen. Umfragen zeigten auch, dass sich viele Arbeitnehmer mit Krankmeldungen zurückhalten, um ihren Arbeitsplatz nicht zu gefährden.

So gehen neun von zehn Arbeitnehmern (93,0%) auch dann zur Arbeit, wenn es ihnen „nicht so gut geht". Bagatellerkrankungen wie „eine leichte Erkältung oder Kopfschmerzen" sind für die meisten Arbeitnehmer (77,0%) kein Grund, sich krank zu melden. Bei erwerbstätigen Frauen ist der Anteil derer, die trotz Krankheit ihrer Arbeit nachgingen, deutlich höher als bei Männern (Frauen: 64,4%, Männer: 58,9%). Auch der Anteil der Frauen, die entgegen ärztlichem Rat zur Arbeit gingen, sei erheblich höher als bei den Männern, so die Herausgeber des Fehlzeiten-Reports. Dies zeige, dass offensichtlich viele Frauen im Arbeitsleben unter anderen Belastungen stünden als die Männer: Insbesondere gelte dies für alleinerziehende und chronisch kranke Frauen.

Als Beweggründe für das Arbeiten trotz gesundheitlicher Beschwerden wurden am häufigsten eine hohe Arbeitsbelastung (48,5%) und die Angst um den Arbeitsplatz (30,2%) angegeben. Als weitere Gründe wurden von den Befragten Verantwortung und Pflichtgefühl (13,3%), die Vermeidung von Ärger mit Kolleginnen und Kollegen (11,5%) sowie Probleme mit dem Arbeitgeber bei Krankmeldungen (9,2%) genannt. Die Mehrzahl der Beschäftigten befürchtet berufliche Nachteile bei häufigen Krankschreibungen. Viele Arbeitnehmer sehen daher davon ab, sich krank zu melden und warten das Wochenende ab, um sich auszukurieren. Fast jeder Fünfte gab an, im letzten Jahr zur Genesung Urlaub genommen zu haben. Die Mehrheit der Beschäftigten (82,4%) meldet sich nur mit ärztlichem Attest krank.

In seinem Schwerpunktteil beschäftigt sich die diesjährige Ausgabe des Fehlzeiten-Reports mit dem Thema „Arbeit, Geschlecht und Gesundheit". Frauen und Männer unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Arbeits- und Lebensbedingungen, ihrer Krankheiten und gesundheitlichen Beeinträchtigungen, ihres Umgangs mit gesundheitlichen Beschwerden und der Nutzung der Angebote gesundheitlicher Versorgung, so die Herausgeber des Fehlzeiten-Reports. Im Bereich der betrieblichen Gesundheitspolitik würden geschlechtsspezifische arbeitsbedingte Gesundheitsgefahren und Erkrankungen oft nicht ausreichend erfasst und bei der Planung und Umsetzung betrieblicher Gesundheitsförderungsmaßnahmen zu wenig bedacht. Vieles spreche dafür, dass sich die Qualität und Wirksamkeit von Prävention und Gesundheitsförderung verbessern lasse, wenn geschlechtsspezifische Unterschiede und Problemlagen stärker berücksichtigt würden. Wie dies geschehen könne, werde im Fehlzeiten-Report anhand von Praxisbeispielen aufgezeigt. So müsse in den Betrieben mehr dafür getan werden, dass Frauen Beruf und Familie besser miteinander vereinbaren könnten. Beispielsweise könne Frauen durch gezielte Maßnahmen der oft schwierige Wiedereinstieg in den Beruf erleichtert werden, wie ein Projekt der AOK für den Bereich der Altenpflege gezeigt habe.


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