Frauenärzte im Netz

Aktuelle Meldungen


23.05.2012

Frauenärzte warnen vor der Freigabe der „Pille danach“

Der Berufsverband der Frauenärzte (BVF) warnt vor der rezeptfreien Abgabe der „Pille danach". „Steroidhormone zur Notfallkontrazeption sind keine beliebigen Pharmaka, sondern hoch wirksame und daher nur indiziert zu verordnende Substanzen. Ihre Verabreichung erfordert unbedingt eine ärztliche Einschätzung und Begleitung. Dies ist so wichtig, weil z.B. die Dosis des Hormons Levonorgestrel dieser Arzneimittel das 15-fache der üblichen Tagesdosis von Antibabypillen bzw. das 100-fache von Hormonersatz-Präparaten gegen Wechseljahresbeschwerden beträgt", erklärt Dr. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte (BVF) in München. Waren die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), die Deutsche Gesellschaft für gynäkologische Endokrinologie und Fortpflanzungsmedizin (DGGEF) und die AG Hormone des BVF schon vor 2009 überzeugt, dass die Verordnung in (frauen-) ärztliche Hand gehört, weil bei disponierten Personen nicht zu unterschätzende Nebenwirkungen auftreten können, so fühlten sich die Frauenärzten bei der europaweiten Einführung eines neuen Notfallkontrazeptivums bestätigt, als es als verschreibungspflichtigen eingestuft wurde.

Die Erfahrungen im In- und Ausland, wo aus personeller und finanzieller Not die Verordnungspflicht aufgehoben wurde, haben gezeigt, dass die kompetente ärztliche Beratung erforderlich ist, weil Mädchen und Frauen im „Notfall" nicht einschätzen können, ob und wann sie die „Pille danach" einnehmen müssen. „Die Rate der Schwangerschaftsabbrüche konnte durch eine Freigabe nicht reduziert werden", betont Dr. Albring. Da Deutschland über zehntausend niedergelassene Frauenärzte verfügt und einen ärztlichen Bereitschaftsdienst rund um die Uhr sicherstellt, brauchen Frauen in Deutschland auf die wichtige Diagnose, und Beratung über Risiken und Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen (20%), Erbrechen/Übelkeit (15%), Dysmenorrhoe (15%), von denen nur die Hälfte aller Frauen nicht betroffen sind, nicht zu verzichten. „Kopfschmerzen verbunden mit Seh- und Hörstörungen mit sensorischen Ausfällen nach der Einnahme müssen besonders beobachtet werden", ergänzt der Gynäkologe.

Mehr als 50% aller Betroffenen bedürfen gar keiner Notfallkontrazeption

Die Anwendung der „Pille danach" ist nur innerhalb eines bestimmten Zeitfensters im Frauenzyklus angebracht und wirksam. Außerhalb dieser Zeit können Frauen nicht schwanger werden und setzen sich umsonst dem Risiko von Nebenwirkungen, sowie den Kosten aus. „So ist die Anwendung der Pille danach bei über der Hälfte der Patientinnen gar nicht erforderlich", meint Dr Albring. Frauen nutzen die Verordnung der ‚Pille danach‘ beim Frauenarzt beinahe immer auch, um sich über Verhütung, Sexualität und sexuell übertragbare Erkrankungen zu informieren. Laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) schätzen Mädchen die fachliche Kompetenz, Neutralität und professionelle Distanz in dem offenen und vertrauensvollen Gespräch. „Weil 13% der Mädchen mit deutscher Staatsangehörigkeit und 19% mit Migrationshintergrund von sexuellen Kontakten gegen ihren Willen berichten, kommt der ärztlichen Betreuung im ‚Notfall‘  eine weitere Bedeutung zu", betont der niedergelassene Frauenarzt aus Hannover.  

Nachdem auch Europa 2009 endlich die Verschreibungspflicht eingeführt hat, stößt der Wunsch nach isolierter Freigabe in Deutschland bei den Wissenschaftlern auf völliges Unverständnis.

DGGG Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe,
DGGEF Deutsche Gesellschaft für gynäkologische Endokrinologie und Fortpflanzungsmedizin,
BVF Berufsverband der Frauenärzte



Artikel drucken   Artikel empfehlen

Im Fokus

Rauchfrei Programm: zeitgemäße, erprobte Unterstützung bei Tabakabhängigkeit

Rauchern kann heute eine erfolg- reiche Unter- stützung angeboten werden, langfristig ihren Tabakkonsumen  zu beenden und zufrieden rauchfrei zu leben.

zum Artikel...

Selbstuntersuchung der Brust

Lernen Sie das Gewebe Ihrer Brüste kennen. Nehmen Sie zunächst einfach nur Ihren Körper mit den unterschiedlichen Geweben und Strukturen wahr. Die Animation im Artikel kann Ihnen dabei behilflich sein.

zum Artikel...

Waren Sie 2012 schon bei Ihrem Frauenarzt?

Die jährliche Krebsfrüh- erkennung ist ein wichtiger Baustein der Gesundheitsvorsorge. Der beste Termin für den Abstrich am Gebärmutterhals ist die Zyklusmitte.

zum Artikel...

Schwangere Frauen gesucht

Die Uni Erfurt und das Robert-Koch-Institut führen eine Studie zu Gesundheitsentscheidungen durch uns suchen Teilnehmerinnen.

zum Artikel...

Forum beantwortet Fragen zur HPV-Impfung

Eltern und Jugendliche können im Internet persönliche Fragen zur HPV-Impfung und auch zum Impfen im Allgemeinen an Experten richten: www.impfenimdialog.de/

zum Artikel...

"Frauenkrankheiten" von A bis Z

Die typischen Frauen- krankheiten betreffen die weiblichen Geschlechtsorgane und hängen meist stark mit dem Hormonhaushalt zusammen ...

zum Artikel...

Vorsorgeuntersuchungen und Krebsfrüherkennung

Obwohl alle Kranken- versicherten Anspruch auf regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen haben, wird dieses Angebot in Deutschland erstaunlich wenig wahrgenommen. Dabei sind heute viele Erkrankungen bei rechtzeitiger Diagnose heilbar.

zum Artikel...

Zellauffälligkeiten am Gebärmutterhals

Was bedeutet der Pap-Befund und wie geht es bei Auffälligkeiten beim Abstrich weiter?

zum Artikel...

Sexualität - Das erste Mal

Offene Gespräche und eine gemein- same Vorbereitung sind für ein gelungenes „erstes Mal" wichtig.

zum Artikel...

Pille vergessen - und jetzt?

Wurde die planmäßige Einnahme der Pille versäumt, sollte die fehlende Tablette am besten sofort nachgenommen werden. Ob zusätzlich verhütet werden muss erfahren Sie hier.

zum Artikel...