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06.12.2010 Frühe Wechseljahre bedeuten nicht den Verlust der Weiblichkeit
Als Wechseljahre (Klimakterium) bezeichnet man die Zeit der hormonellen Umstellung am Ende der fruchtbaren Phase einer Frau. Sie fängt normalerweise etwa mit dem 45. Lebensjahr an und dauert um die zehn Jahre. Im Zentrum der Wechseljahre steht die Menopause. „Sie ist definiert als die letzte Regelblutung. Das gilt jedoch nur, wenn ein Jahr lang danach keine weitere Monatsblutung mehr stattfindet", erklärt Wolfgang Cremer, Facharzt für Frauenheilkunde in Hamburg. Der genaue Zeitpunkt der Menopause kann somit nur im Nachhinein bestimmt werden. Hierzulande liegt er durchschnittlich im 51. Lebensjahr. „Wenn die letzte Menstruation vor dem 40. Lebensjahr stattfindet, spricht man von vorzeitiger Menopause", erläutert Prof. Olaf Ortmann von der Universität Regensburg. Bezogen auf die Wechseljahre heißt das: Wenn diese vor dem 35. Lebensjahr beginnen, werden sie als früh bezeichnet. „Betroffen sind davon schätzungsweise bis zu zehn Prozent aller Frauen." Viele von ihnen merken dies nur mit Verzögerung. Schließlich beginnen die Wechseljahre schleichend. Und mit Mitte 30 denkt eine Frau nicht gleich an Wechseljahre, wenn sie mal unter Schlafstörungen oder Hitzewallungen leidet. „Eine eindeutige Diagnose gibt es meist dann, wenn bei einer Untersuchung die Hormonwerte gemessen werden", sagt Cremer. Das vorzeitige Eintreten der Wechseljahre kann medizinisch bedingt sein - beispielsweise durch eine Chemotherapie, die Entfernung von Eierstöcken oder der Gebärmutter. Darüber hinaus gibt es sogenannte spontane vorzeitige Wechseljahre. „Die Ursache kann eine Stoffwechselerkrankung oder auch eine Chromosomenstörung sein", erläutert Ortmann. „Beim größten Teil dieser spontanen vorzeitigen Wechseljahre sind die Ursachen jedoch unklar." Inwieweit auch der persönliche Lebensstil mit hineinspielt, ist noch nicht ausreichend erforscht, meint Beate Schultz-Zehden, Medizin-Psychologin aus Berlin. „Allerdings berichten viele Gynäkologen, dass bei starken Raucherinnen oder auch enorm belasteten Karrierefrauen die Wechseljahre überdurchschnittlich früh beginnen." Gemeinsam ist allen Betroffenen: „Sie sind überrascht und stark verunsichert von den Veränderungen in ihrem Körper. Sie müssen erst einmal lernen, sich damit auseinander zu setzen, auch mit möglichen medizinischen Folgen", sagt Schultz-Zehden. Bei Frauen, bei denen die Menopause um das 50. Lebensjahr eintritt, kann man Beschwerden wie Hitzewallungen oder Osteoporose behandeln, muss es jedoch nicht. „Frauen mit einer frühzeitigen Menopause hingegen sollten behandelt werden, weil sich sonst langfristig erhebliche gesundheitliche Probleme bilden - zum Beispiel Osteoporose", sagt Ortmann. „Diese lassen sich durch eine Hormonersatztherapie verhindern oder mindestens verzögern." Hormonersatztherapie - das bedeutet, eine Östrogen-Pille zu nehmen. „Anders als bei Frauen über 50 ist diese Behandlung völlig unumstritten", betont Cremer. „Dennoch sollte die Patientin zusammen mit dem behandelnden Arzt in regelmäßigen Abständen prüfen: Brauche ich das Präparat eigentlich noch?" Dazu empfiehlt er, die Dosis zu reduzieren und zu versuchen, das Medikament auszuschleichen. Bei einem abrupten Therapie-Abbruch hingegen haben Cremers Beobachtung zufolge fast alle Patientinnen mit Beschwerden zu kämpfen. Neben den körperlichen Beschwerden gilt es, mögliche psychische Probleme zu beachten. „Viele Frauen verschieben heute ihren Kinderwunsch zum Beispiel aus beruflichen Gründen nach hinten. Wenn sie dann frühzeitig von Wechseljahren überrascht werden, kann es sein, dass sie den Zeitpunkt verpasst haben", sagt Psychologin Schultz-Zehden. Das kann zu erheblicher psychischer Belastung führen. Andere Frauen leiden vor allem unter dem Gefühl, Außenseiterin zu sein. „Für viele Betroffene ist ein weiteres psychisches Problem, dass sie sich nicht mehr als weiblich fühlen", ergänzt Ortmann. In dieser Situation sind vor allem der Partner und gute Freundinnen wichtige Stützen. Rat und Hilfe finden Frauen bei einem Gynäkologen mit psychotherapeutischer Zusatzausbildung oder bei einem Psychotherapeuten. Für Patientinnen, die sich einer Chemotherapie unterziehen müssen, sind Psychoonkologen wichtige Ansprechpartner. Ob eine Hormonersatztherapie angewandt wird, muss jede Patientin mit ihrem Arzt sorgfältig besprechen. So warnt beispielsweise die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe: Eine Hormonersatztherapie sei nach einer behandelten Brustkrebserkrankung nicht angezeigt. Auch Frauen mit Thrombosen oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie starke Raucherinnen oder Frauen mit hohem Übergewicht brauchen Fachleuten zufolge besondere Beratung, sollten möglichst niedrige Dosen und nur für einen engen Zeitraum einnehmen.
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Wechseljahre


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