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22.11.2010

Herzkrank und schwanger - Wenn das Herz für 2 schlagen soll

Der November soll als Herzmonat in Deutschland auf die Gesundheitsgefährdung, Schwächen und Krankheiten unseres Lebensmotors aufmerksam machen. Weil bei rund 4% aller Schwangerschaften in den westlichen Industrienationen bereits kardiovaskuläre Erkrankungen beobachtet werden, gehen Berechnungen von Experten davon aus, dass auf nationaler Ebene 30.000 werdende Mütter pro Jahr betroffen sind. Außerdem wird damit gerechnet, dass sich künftig diese Patientinnengruppe pro Jahr um rund 5.000 vergrößern wird. Es ist daher geboten, die Herzerkrankungen in der Schwangerschaft und bei Kinderwunsch mit Sorgfalt zu beachten und individuell zu betreuen.

Was sollte unbedingt beachtet werden?

Weil die moderne Medizin angeborene Herzanomalien im frühen Neugeborenen- und Kindesalter bereits erkennen und operieren kann, ist mittlerweile eine Generation von Frauen herangewachsen, die trotz des Handicaps eine Schwangerschaft austragen möchten. Wird z.B. ein angeborener oder auch erworbener Herzklappenfehler erfolgreich behandelt, kann sich das Herz zwar erholen, häufig ist jedoch die Einnahme von Medikamenten unumgänglich. Ob dann eine Schwangerschaft ernsthaft empfohlen werden kann, muss sorgfältig mit dem Gynäkologen beraten und in enger Absprache mit einem Kardiologen entschieden werden. Eine simple Faustregel besagt: Verspürt die Frau mit Herzproblemen z.B. beim Einkaufen oder der Bewältigung vom Erdgeschoß bis zu zwei oder drei Etagen keine Luftnot, Brustenge, Schwindel und Herzrasen, besteht auch für die Belastung durch eine Schwangerschaft zumeist kein größeres Risiko. Entsprechende Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) „Herzerkrankungen in der Schwangerschaft" richten sich mit ihren Empfehlungen an Ärzte, die Frauen mit Herzschwächen im gebärfähigen Alter beraten und in der Schwangerschaft zur Seite stehen. Herzklappenfehler (Vitien) liegen nach Prof. Dr. Vera Regitz-Zagrosek (Frauenspezifische Gesundheitsforschung für Herzkreislauferkrankungen, Berlin) zu 74% an erster Stelle gefolgt von 15% der erworbenen Klappenerkrankungen. Zu den häufigsten Problemen zählt der arterielle Bluthochdruck. Ein Viertel der Erkrankungen, die stationär behandelt werden müssen, sind auf Hypertonie zurückzuführen. Es ist für Mutter und Kind lebenswichtig, wachsam zu sein, um sich rechtzeitig in eine entsprechende Behandlung zu begeben. Wenn eine Frau die Vermutung hegt, schwanger zu sein, sollte sie unverzüglich ihre Gynäkologin / Gynäkologen aufsuchen. Selbst wenn die Leistungsfähigkeit der Schwangeren nachlässt, kann sie dank der modernen Vorsorge und Überwachung zumeist eine Schwangerschaft ausgetragen und ein normal entwickeltes Kind zur Welt bringen.

Die Mehrbelastung für das Herz sieht folgendermaßen aus:

  • Das Körpergewicht erhöht sich im Laufe der neun Monate um 10 bis 20 Kilogramm.
  • Das Blutvolumen vermehrt sich in der Schwangerschaft erheblich (bis zu 50%).
  • Der Blutdruck steigt und das Herz muss bereits in Ruhe mehr Blut durch den Körper pumpen.
  • Neben dem eigenen Körper muss das Herz auch das Kind über das Blut ausreichend mit Sauerstoff und Nahrung versorgen.
  • Geburt oder Kaiserschnitt stellen eine große körperliche Belastung dar.
  • Stillen und das Versorgen des Neugeborenen sind eine nicht zu unterschätzende Kraftanstrengung.

Wann ist von einer Schwangerschaft abzuraten

Grundsätzlich ist von einer Schwangerschaft abzuraten, wenn in Ruhe und bei geringer Belastung Herzbeschwerden auftreten und eine hohe familiäre Belastung besteht. Weitere risikoreiche Herzfehler sind: Eisenmenger-Syndrom (Blaufärbung von Haut und Schleimhäuten), Hochdruck der Lungengefäße (Pulmonale Hypertonie), ausgeprägte Herzklappenverengung, künstliche Herzklappen sowie eine angeborene Erweiterung der Hauptschlagader und eine undichte Aortenklappe.

Die wichtigsten Untersuchungen des Herzens während der Schwangerschaft

Sowohl ein EKG als auch das Langzeit-EKG können problemlos erfolgen. Die Echokardiographie als bildgebende Methode kann ebenso angewandt werden. Auch eine Magnetresonanz-Untersuchung (MRT) unter Verzicht auf ein MRT-Kontrastmittel darf stattfinden. Das Röntgen, nuklearmedizinische Untersuchungen und/oder Computertomographien dürfen nur in Ausnahmefällen und nach Rücksprache mit den behandelnden Ärzten erfolgen. Die zwingende Voraussetzung dafür ist, dass dem Klinikpersonal die Schwangerschaft der Patientin bekannt ist.

Gefahren für Mutter und Kind durch Herzleiden

Herzmuskelschwäche, Bluthochdruck und Rhythmusstörungen, Blutungen und Gefäßrupturen sowie Thromboembolien bis hin zur Lungenstauung sind bedrohliche Gefahren für die Schwangere, wenn nicht rechtzeitig gegengesteuert wird. Die kindlichen Risiken durch Herzleiden der Mutter sind Fehl- und Frühgeburt, die verzögerte Entwicklung in der Gebärmutter und die Vererbung der Veranlagung zu einem angeborenen Herzleiden.

Beschwerden während der Schwangerschaft durch Herzschwäche

Auch ohne Herzleiden klagen Schwangere über Symptome, die aber in Folge einer Herzschwäche verstärkt auftreten. Es handelt sich um Atemnot bei Anstrengungen und in Rückenlage, Blutarmut, Erschöpfung und Müdigkeit sowie Hyperventilation und Schmerzen im Brustkorb. Diese sind zumeist mit dem Verspüren des Herzschlags verbunden. Bei der Vorsorgeuntersuchung können z.B. neue Herzgeräusche entdeckt werden, die sich auch als harmlos herausstellen können. Wenn sich Flüssigkeitsansammlungen (Ödeme) trotz des Hochlegens der Beine nicht bessern und auch die Arme und das Gesicht durch solche anschwellen, ist die Gynäkologin / der Gynäkologe unverzüglich aufzusuchen.

Wie hoch ist das Risiko, den Herzfehler zu vererben?

Eltern mit einem angeborenen Herzfehler tragen das Risiko einer Vererbung mit 4-6%, das bei speziellen Missbildungen bis zu 20% beträgt. Wenn die Mutter einen angeborenen Herzfehler hat, liegt das Risiko eines kardialen Leidens für das Kind bei etwa 6%. Dieses ist im Falle des väterlichen Herzleidens nur halb so groß. Kinder mit speziellen Chromosomendefekten wie z.B. Trisomie 21 haben generell eine größere Wahrscheinlichkeit für eine Herzmissbildung. Bestimmte Medikamente und Chemikalien, Alkohol und Virusinfektionen (z.B. Röteln) sowie Lösungsmittel und Röntgenstrahlen können die Risiken für eine Herzmissbildung vervielfachen. Achtung: Viele Medikamente für das Herz sind während der Schwangerschaft tabu, es gibt eine Liste sogenannter sicherer Medikamente und deshalb sollte unter allen Umständen die vom Frauenarzt verordnete Medikation genauestens befolgt werden.

von Maria Lange-Ernst



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