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28.09.2010

Drospirenonhaltige «Anti-Baby-Pillen» nicht bedenklicher als andere

«Anti-Baby-Pillen», die neben einem Östrogen den Wirkstoff Drospirenon enthalten, haben gegenüber anderen etablierten Verhütungspillen kein höheres Thrombose-Risiko. Darauf weist der Berufsverband der Frauenärzte (BVF) hin und beruft sich dabei auf die Einschätzung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM).
In den vergangenen Monaten hatte es zahlreiche Anfragen von verunsicherten Anwenderinnen zu drospirenonhaltigen «Pillen» in frauenärztlichen Praxen gegeben. Diese hormonellen Verhütungsmittel - aus der so genannten „Yasmin-Familie" - waren wegen einer angeblich erhöhten Thromboseneigung in Verruf gekommen. Unabhängige Studien konnten diesen Verdacht jedoch nicht bestätigen. „Grundsätzlich haben zwar Anwenderinnen von kombinierten «Pillen» im Vergleich zu Frauen, die keine hormonelle Verhütung durchführen, ein höheres Risiko für das Auftreten von Thromboembolien. Diese Ereignisse sind unter «Pillenanwendung» jedoch sehr selten. Für drospirenonhaltige «Pillen» sind diese gesundheitlichen Risiken dabei nicht höher. Sie liegen in dem Bereich, wie er für die bereits vorhandenen Pillen bekannt ist, zu denen schon jahrelange Erfahrungen vorliegen", berichtet Dr. Ulrich Hagemann von der Abteilung Pharmakovigilanz im BfArM. Untersuchungen haben gezeigt, dass das Auftreten von Thrombosen bei Frauen ohne Risikofaktoren unter der Anwendung von kombinierten Pillen bei etwa 20 bis 40 Fällen pro 100.000 Frauenjahre beträgt. Im Vergleich dazu treten Thrombosen unter Nichtanwenderinnen in 5 bis 10 Fällen pro 100.000 Frauenjahre auf. Pro 100.000 Schwangerschaften kommt es zu 60 dieser Ereignisse. Die Studien wurden vom BfArM in Kooperation mit den Arzneimittelbehörden der anderen EU-Länder bewertet.

Pille ist in Deutschland verschreibungspflichtig

Seit Jahren ist die «Pille» in Deutschland das beliebteste Verhütungsmittel. Sie ist jedoch nicht völlig nebenwirkungsfrei, weswegen sie in Deutschland auch verschreibungspflichtig ist. Das Risiko für Thromboembolien ist während des ersten Jahres der erstmaligen Anwendung am höchsten. Vor der Verschreibung einer «Anti-Baby-Pille» wird von Frauenärzten stets eine sorgfältige individuelle Einschätzung der Patientinnen vorgenommen, inwieweit persönliche Risikofaktoren vorliegen, die einer Verordnung von hormonellen Verhütungsmitteln entgegenstehen könnten. „Zu den Risikofaktoren gehören beispielsweise vorausgegangene oder bestehende thrombo-embolische Erkrankungen, eine familiäre Thrombose-Neigung, starkes Übergewicht, eine chronische Lebererkrankung oder diabetisch bedingte Gefäßveränderungen. Auch Frauen, die über 30 Jahre alt sind und rauchen, haben ein erhöhtes Risiko. Mit der Anzahl an Risikofaktoren erhöht sich das Thrombose-Risiko, weswegen Frauenärzte sorgfältig abwägen und gegebenenfalls dazu raten, auf andere Verhütungsmethoden auszuweichen", meint Dr. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte (BVF) in München. „Von Mädchen und Frauen ohne Vorerkrankungen wird die «Pille» normalerweise gut vertragen und kann als sehr wirksames Verhütungsmittel problemlos angewendet werden. Dabei kann es individuelle Unterschiede in der Verträglichkeit der jeweiligen Präparate geben, in dem Sinne, dass eine Anwenderin eine «Pille» besser verträgt als die andere."

Ein Interview zum Thema mit Dr. Ulrich Hagemann vom BfArM zur Einschätzung der aktuellen Studienlage finden sie unter nachfolgendem Link beim Deutschlandradio: dradio (Programm: Deutschlandfunk)

 

 



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