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18.10.2010

Brustkrebs - Klassifizierung molekularer Subtypen entscheidend für die Wahl der Therapie

Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung und Todesursache bei Frauen. Die Forschung der letzten Jahrzehnte hat gezeigt, dass es sich dabei nicht um eine einzelne, immer gleich verlaufende Erkrankung handelt. Vielmehr geht man heute davon aus, dass Brustkrebs eine heterogene Erkrankung mit verschiedenen Subtypen darstellt. Sie lassen sich klinisch und molekular deutlich voneinander unterscheiden. Wichtiges Ziel der modernen Forschung und ihrer Methoden ist daher die Entwicklung einer individuellen Therapie für jede einzelne Patientin. In der aktuellen Ausgabe von „Forschung Frankfurt" berichtet das Team von Prof. Manfred Kaufmann, Direktor der Frauenklinik an der Goethe-Universität, über aktuelle Grundlagenforschung und ihre Bedeutung für die Prognose und Therapie verschiedener Brustkrebstypen.

In der einfachsten Klassifikation unterscheidet man heute zwischen drei Subtypen, die durch An- oder Abwesenheit bestimmter Rezeptoren auf der Zelloberfläche und im Zellkern gekennzeichnet sind. Der „luminale" Subtyp besitzt im Zellkern Rezeptoren für die Hormone Östrogen und Progesteron, der HER2-Subtyp einen bestimmten Wachstumsfaktor-Rezeptor auf der Zelloberfläche. Alle diese Rezeptoren kann man durch Wirkstoffe gezielt blockieren und so das Wachstum des Tumors stoppen. Der „basal-like" Subtyp besitzt hingegen keine derartigen Rezeptoren und hat eine schlechte Prognose. Im Bereich der auf molekulare Ziele gerichteten Therapie („targeted therapy") sind bis heute die Fortschritte beim HER2-positiven Subtyp am deutlichsten zu erkennen.

Fehler bei der Reifung von Drüsenzellen

Wie können die unterschiedlichen Subtypen entstehen? In jüngster Zeit wendet man auf das Mammakarzinom ein Modell an, das schon lange für Tumorerkrankungen des blutbildenden Systems akzeptiert ist. Man geht davon aus, dass eine mögliche Entartung an verschiedenen Punkten der Reifung von Vorläuferzellen auftreten kann. Abhängig vom spezifischen Differenzierungsgrad der Ausgangszelle entstehen hierbei verschiedenartige Tumortypen mit je eigenen Prognosen und therapeutischen Angriffsmöglichkeiten. Tendenziell sind solche Karzinome, die in ihrer Differenzierung bereits weiter fortgeschritten sind, weniger aggressiv und besser kontrollierbar.

Subtyp spezifische Untersuchungen beziehen auch das Gewebe ein, das den Tumor umgibt oder durchsetzt, sowie die Zellen des Immunsystems und das Wechselspiel dieser Zellen mit den malignen Krebszellen. Diese sogenannten Wirtsfaktoren sind ebenfalls Angriffspunkte für die Therapie. Ein Beispiel ist die Blockade der Gefäßneubildung und damit der Versorgung der Tumore. An der Frauenklinik der Goethe-Universität stehen die Interaktionen von Tumor und Immunsystem im Fokus des Interesses. Brustkrebstumoren sind häufig mit Lymphozyten und anderen Immunzellen infiltriert. Ob dies als Abwehrreaktion des Immunsystems gedeutet werden kann, ist allerdings umstritten, weil nur für wenige solcher Lymphozyten eine Aktivierung gezeigt werden konnte. Es gibt daher noch keinen definitiven Beweis dafür, dass diese Lymphozyten tatsächlich im Organismus Tumorzellen zerstören. Die Heterogenität der Brustkrebs-Subtypen kann hier eine Ursache für unklare und widersprüchliche Ergebnisse sein.

Quelle: idw



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