Frauenärzte im Netz

Aktuelle Meldungen


19.05.2010

Wenn Stress das Herz bricht - Broken-Heart-Syndrom trifft oft Frauen

Gebrochene Herzen gibt es nicht nur in der Literatur, sondern auch in der Kardiologie. Broken-Heart-Syndrom nennt sich die Krankheit, an der fast nur ältere Frauen leiden. Es fühlt sich an wie ein Herzinfarkt, ist aber bei weitem nicht so gefährlich. Die Betroffenen haben meist kurz zuvor Schlimmes erleben müssen, etwa den Tod eines nahestehenden Menschen oder die Trennung vom Partner.

Die Symptome sind beängstigend: Atemnot, Schmerzen in der Brust, Übelkeit. Kein Wunder, dass die betroffenen Frauen zunächst an einen Herzinfarkt denken. Und nicht nur sie, sondern auch die Ärzte. Die Ergebnisse der ersten Untersuchungen wie EKG sind die gleichen wie bei einem Herzinfarkt. Die Frauen bekommen - wie bei Herzinfarkt-Patienten üblich - einen Herzkatheter gelegt. Erst dann sehen die Ärzte, dass der vermeintliche Herzinfarkt doch keiner ist. Denn die Herzkranzgefäße werden normal durchblutet, von einer Verstopfung oder gar einem Verschluss keine Spur. Allerdings bewegt sich ein Teil des Herzens nicht mehr.

Mehr als 90 Prozent aller Patientinnen sind über 60 Jahre alt. Seit mehr als zehn Jahren behandelt er Menschen mit Broken-Heart-Syndrom, im vergangenen Jahr waren es fünf Patientinnen. Verlässliche Daten, wie viele Menschen jährlich in Deutschland erkranken, gibt es nicht. Das Krankheitsbild ist noch relativ jung und entsprechend schlecht erforscht. Zum ersten Mal beschrieben wurde es 1991 nach einem Erdbeben in Japan. In Europa und den USA wurden Anfang des neuen Jahrtausends die ersten Berichte veröffentlicht. Es gibt erst seit 2006 überhaupt eine Definition dieser Krankheit.

Die Ursache des Syndroms liegt vermutlich in den Stresshormonen, die bei Belastungen ausgeschüttet werden. Das belastende Ereignis muss nicht immer besonders schlimm oder negativ sein. Manchmal reicht eine Überraschungsparty, ein Verfahren in der Stadt oder der freudige Schreck über einen Lottogewinn. Die meisten Patientinnen haben allerdings Schlimmes erlebt: Das Spektrum reicht von einem Unfall über Naturkatastrophen bis hin zu dem Tod eines nahestehenden Menschen.

Vermutlich schüttet die Nebenniere bei ihnen zu viele Stresshormone aus, es kommt zu einer wahren Hormonexplosion. So findet sich etwa im Blut der Patientinnen eine deutlich höhere Konzentration von Adrenalin und Dopamin als bei gesunden Menschen. So viele Hormone auf einmal verkraftet das Herz nicht, ein Teil davon stellt einfach die Arbeit ein. Dass vor allem ältere Frauen betroffen sind, liegt eventuell an dem immer weniger werdenden Östrogen in ihrem Körper nach den Wechseljahren. Östrogene - also die weiblichen Geschlechtshormone - wirken normalerweise herzschützend.Die Universität Köln wollte vor einigen Jahren dem Rätsel auf die Spur kommen und erstellte gemeinsam mit Pharmakologen und Molekularbiologen eine Studie. Es ging um den Einfluss von Östrogen. Die aufgestellten Hypothesen bewahrheiteten sich jedoch nicht.

Die gute Nachricht: Fast alle Patientinnen mit Broken-Heart-Syndrom überleben. Die Mortalität liegt nur bei etwa drei Prozent. Außerdem heilt das Herz von selbst. Die Veränderungen bilden sich innerhalb von Wochen fast immer vollständig zurück. Vorsichtshalber bleiben die Frauen zunächst einmal auf der Intensivstation, falls Komplikationen wie Herzrhythmusstörungen auftreten. Sie werden aber oft bereits nach wenigen Tagen entlassen - und sind froh, dass es kein Infarkt war.

 Es gibt verschiedene Angaben darüber, wie groß die Wiederholungsgefahr eines Broken-Heart-Syndroms ist. Betablocker glätten zwar die Wirkung der Stresshormone ab. Eine wirkliche Vorbeugemöglichkeit besteht aber wohl nicht. Die Patientinnen können sich jedoch psychotherapeutisch behandeln lassen, damit sie besser mit Stress umgehen lernen.



Artikel drucken   Artikel empfehlen

Im Fokus

Schwangere Frauen gesucht

Die Uni Erfurt und das Robert-Koch-Institut führen eine Studie zu Gesundheitsentscheidungen durch uns suchen Teilnehmerinnen.

zum Artikel...

Bei Zweifel an Brustimplantaten an Operateur werden

Erste Anlaufstelle beim Verdacht auf minderwertige Brustimplantate des Hersteller Poly Implant Prothèse PIP ist der Arzt, der die Implantate eingesetzt hat.

zum Artikel...

Vorsorgeuntersuchungen und Krebsfrüherkennung

Obwohl alle Kranken- versicherten Anspruch auf regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen haben, wird dieses Angebot in Deutschland erstaunlich wenig wahrgenommen. Dabei sind heute viele Erkrankungen bei rechtzeitiger Diagnose heilbar.

zum Artikel...

Forum beantwortet Fragen zur HPV-Impfung

Eltern und Jugendliche können im Internet persönliche Fragen zur HPV-Impfung und auch zum Impfen im Allgemeinen an Experten richten: www.impfenimdialog.de/

zum Artikel...

Schwanger ab 35

Je später eine Schwanger- schaft geplant wird, desto wichtiger ist die körperliche Gesundheit der Frauen und ihr Lebensstil.

zum Artikel...

"Frauenkrankheiten" von A bis Z

Die typischen Frauen- krankheiten betreffen die weiblichen Geschlechtsorgane und hängen meist stark mit dem Hormonhaushalt zusammen ...

zum Artikel...

Kosmetische & ästhetische Korrekturen

Viele Frauen möchten sich operativ verändern. Zu bedenken ist, dass kosmetische Eingriffe an einem gesunden Körper durchgeführt werden, ihn unwiederbringlich verändern
und Risiken bergen.

zum Artikel...

Sexualität - Das erste Mal

Offene Gespräche und eine gemein- same Vorbereitung sind für ein gelungenes „erstes Mal" wichtig.

zum Artikel...

Pille vergessen - und jetzt?

Wurde die planmäßige Einnahme der Pille versäumt, sollte die fehlende Tablette am besten sofort nachgenommen werden. Ob zusätzlich verhütet werden muss erfahren Sie hier.

zum Artikel...

Waren Sie 2012 schon bei Ihrem Frauenarzt?

Die jährliche Krebsfrüh- erkennung ist ein wichtiger Baustein der Gesundheitsvorsorge. Der beste Termin für den Abstrich am Gebärmutterhals ist die Zyklusmitte.

zum Artikel...