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11.03.2010

Abnehmen – aber gesund und ohne Crash-Diäten

Wer entsetzt feststellt, dass Rock- oder Hosenbund bedrohlich kneifen, möchte die überflüssigen Pfunde möglichst rasch und bequem loswerden. Und wie jedes Jahr fallen Ungezählte auf Versprechen wie: „In 6 Tagen 6 Pfund weg", herein. Hersteller von Schlankheitsmitteln und Betreiber von Diätprogrammen ködern ihre Kunden mit beeindruckenden Erfolgszahlen, die keiner wissenschaftlichen Überprüfung Stand halten. Geradezu aberwitzige Wunderpräparate werden im Internet feilgeboten. Sie versprechen: „Schlemmen ohne Verzicht bei garantiert purzelnden Pfunden". Abgenommen hat jedoch letztendlich nur das Konto der Abspeckwilligen.

Das unendliche Paradoxon

Warum werden wir Deutsche immer dicker, obgleich sich viele ständig darum bemühen, abzunehmen. Tatsächlich sind wir nach einer Studie der International Association for the Study of Obesity (IASO) die dicksten Europäer, wobei 75,4% der Männer und 58,9% der Frauen zu viel wiegen bei steigender Tendenz. Trotz allem werden wir immer älter, was jedoch keineswegs heißt, gesund älter zu werden. Übergewicht und Fettleibigkeit gelten bereits als eines der größten chronischen Gesundheitsprobleme überhaupt. Zu den möglichen Folgen zählen u.a.: Diabetes, Herzerkrankungen, Kreislaufleiden, Gicht sowie die Überlastung von Knochen und Gelenken. Erstmals leben nach der Studie IASO ebenso viele Übergewichtige wie unterernährte Menschen auf der Erde. Wichtig ist vor allem die Ursachenfindung: Was hat zum Übergewicht geführt? Dazu zählen neben den Hauptgründen Fehl- und Überernährung sowie Bewegungsarmut, hormonell bedingte Probleme wie die Umstellung in den Wechseljahren, eine Unterfunktion der Schilddrüse, Raucherentwöhnung, Schlafmangel, eine familiäre Veranlagung und die Einnahme von Medikamenten wie Cortison.

Gewichtsreduktion mit einem definierten Ziel

Wenn es den überzähligen Pfunden an den Kragen gehen soll, schlägt die Stunde der Ernährungsumstellung und einer Kurskorrektur des bisherigen Lebensstils. Medizinisch bedingte Ursachen des Übergewichtes sollten mit der Frauenärztin/ dem Frauenarzt abgeklärt und behandelt werden. Zu den ersten und ganz einfachen Schritten zählt das Sprichwort: „Morgens wie ein König", denn ein gutes Frühstück reguliert das Körpergewicht. Für alle, die behaupten, am Morgen „nichts runterzukriegen", zeigt eine US-Langzeitstudie (EAT/Eating among Teens) die enge Beziehung zwischen Frühstück und Körpergewicht. Sie wurde 2009 veröffentlicht und umfasste 2.216 Jugendliche. Jene, die täglich kräftig frühstückten, hatten durchgehend ein niedrigeres Körpergewicht als Probanden, die darauf verzichteten. Das Erfolgsrezept der Gewichtsregulierung besteht darin, sich auf eine Strategie zu konzentrieren und diese konsequent in kleinen Schritten zu verfolgen. Schließlich entstanden die überflüssigen Pfunde auch nicht binnen weniger Tage oder Wochen. Wichtig ist, sich von den mehr als 150 Diätprogrammen von A wie Ananas bis Z wie Zitrone und deren Erfolgsversprechen zu verabschieden, da diese häufig Einstiegsdroge zu immer mehr Übergewicht und Essstörungen sind.

Die Fettverbrennung anheizen

Eine raffinierte Strategie, den Kilos an den Kragen zu gehen, ist die Beachtung des Glykämischen Index (Glyx). Sie fußt auf dem Anstieg des Blutzuckerspiegels je nach Art und Menge der verzehrten Kohlenhydrate. Zu diesen zählen Weißmehlprodukte, Kuchen und andere Süßigkeiten, zahlreiche Fertiggerichte und gesüßte Säfte. Auf den hohen Blutzuckerspiegel reagiert die Bauchspeicheldrüse mit dem Bemühen, durch die Ausschüttung des Hormons Insulin eine Absenkung zu erreichen. Ist das geschehen, führt dies nicht selten zu Heißhungerattacken auf Kohlenhydrate mit dem entsprechenden erneuten Anstieg des Blutzuckers. Dieses Auf und Ab des Blutzuckers verursacht überflüssige Pfunde und verhindert letztendlich den erwünschten Abbau von Körperfett.

Nahrungsmittel mit niedrigem Glyx sind naturbelassenes Obst und Gemüse, Hülsenfrüchte sowie Vollkorn- und Milchprodukte aller Art. Wer selber kocht und für die Zubereitung der Speisen hochwertiges Olivenöl verwendet, ist auf der sicheren Seite, wenn zwei- bis dreimal pro Woche Geflügel und Fisch auf dem Speiseplan stehen. Die Glyx-Ernährung ist erfolgreich, wenn der Körper genügend Eiweißbausteine erhält, um daraus Fatburner zu produzieren. Dies sind Wachstumshormone, die nachts das Fett aus den Zellen herausholen. Der rigide Verzicht auf Nahrungsfett ist längst überholt! 50 Gramm pro Tag zum Streichen, Braten und Kochen sind durchaus angemessen, wenn auf versteckte Fette in Fertigprodukten und Wurstwaren weitgehend verzichtet wird. Enthält ein clever zusammen gestellter Speiseplan Substanzen, die der Fettverbrennung und der Verdauung kräftig einheizen, tut dies nicht nur dem Wohlgeschmack, sondern auch der Figur gut. Ingwer verbessert die Durchblutung und unterstützt Magen und Darm bei der Arbeit. Knoblauch enthält Aromastoffe, die den Stoffwechsel und die Verdauung anregen. Paprika, Pfeffer und Chilis enthalten Capsaicin, das den Blutzucker absenkt und die Durchblutung fördert. Weder überzogene Ziele beim Abspecken (500 Gramm pro Woche sind machbar), noch allzu strikte Verbote unterstützen die Disziplin und das Durchhaltevermögen. Wer sich zwischendurch für einen Teilerfolg belohnen möchte, darf sich getrost mit einem Riegel Schokolade verwöhnen.

Der Mega-Flop

33 rezeptfreie Schlankheitsmittel aus Apotheken, Drogeriemärkten und dem Internet hat jüngst „Öko-Test" unter die Lupe genommen. Das Ergebnis ist niederschmetternd. Mit befriedigend schnitt lediglich eines der untersuchten Drinks, Pulver und Pillen ab. Zwei brachten es gerade noch auf ausreichend, und 30 der angeblich wirksamen Mittelchen fielen mit mangelhaft und ungenügend durch das Raster. Kaum ein Beipackzettel wies auf eine Korrektur des Lebensstils mit Hilfe von Sport und Ernährung hin. Fazit: Dauerhaftes Abnehmen gelingt nur, wenn langfristig deutlich mehr Kalorien verbrannt als Energie zugeführt wird. Regelmäßige Bewegung - dreimal pro Woche mindestens 30 Minuten - machen neben der richtigen Ernährung mit fünf mal am Tag eine Handvoll Obst und Gemüse - den überflüssigen Pfunden im wahrsten Sinne des Wortes Beine.

Zu guter Letzt: Durch Studien wurde belegt, dass der Genuss von einem Glas Wasser vor der Mahlzeit dazu dient, weniger zu essen und mehr Kalorien abzubauen.

Die Ärztinnen und Ärzte des Berufsverbandes der Frauenärzte kennen die Problematik des Übergewichts aus der täglichen Praxis. Sie bieten ihre fachkundige Beratung mit individuellen Lösungen an.

von Maria-E. Lange-Ernst



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