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19.01.2010

Was erwarten Teenager und junge Frauen von moderner Verhütung?

Pillen-BlisterFür Mädchen und junge Frauen ist die Pille Verhütungsmethode Nr.1. Allerdings wird gerade von dieser Gruppe nicht nur eine sichere Kontrazeption erwartet, sondern es gibt weitere Anforderungen an das Mittel der Wahl. Dazu zählen die Minderung und möglichst weitgehende Beseitigung von Unregelmäßigkeiten und Schmerzen durch die Monatsblutung, von Haut- und Gewichtsproblemen sowie Unverträglichkeiten bei der Einnahme. Schließlich sind für Teenager und junge Frauen mit ihren Verpflichtungen in Schule und Ausbildung, aber auch für das familiäre Umfeld die begleitenden Beschwerden des Zyklus eine zusätzliche Belastung in der ohnehin schwierigen Phase der Pubertät und auf dem Weg erwachsen zu werden.

Was Mädchen frühzeitig wissen sollten

Die sexuelle Gesundheit ist von den selbstverständlichen Maßnahmen der allgemeinen Gesundheitspflege - wie z.B. einem Arztbesuch bei Beschwerden - nicht zu trennen. Es gibt deshalb auch keine dummen Fragen, Ängste oder Peinlichkeiten, denn die Entwicklung zur Frau mit den Veränderungen des Körpers ist ein normaler und spannender Vorgang. Es gibt besonders einfühlsame ÄrztInnen, die auf Kinder- und Jugendgynäkologie spezialisiert sind. Engagierte Frauenärztinnen und -ärzte bieten in zahlreichen Städten Mädchensprechstunden an, die für Erstgespräche mit Jugendlichen in angenehmer Atmosphäre geeignet und kostenfrei sind. Teenager können sich anmelden, ohne von einem Elternteil begleitet zu werden, wenn sie sich über Verhütung und weitere Fragen der sexuellen Entwicklung beraten lassen möchten. Bei der ersten Freundschaft mit einem Jungen wird die Frage relevant: Hormonelle Verhütungsmittel zum Schutz vor Schwangerschaft und dazu Kondome zur Abwehr von Infektionen? Ebenso sollte die Impfung gegen eine Ansteckung mit humanen Papillomaviren (HPV), der Schutz vor Chlamydien besprochen und das Behandlungszimmer in Augenschein genommen werden.

Was kann und soll die Pille leisten?

Das Angebot Oraler Kontrazeptiva (OC) ist vielfältig, wobei grob zwischen Östrogen-Gestagen-Mischpräparaten - der Mikropille - und reinen Gestagen-Pillen - der Minipille - unterschieden wird. Die Pille greift in den weiblichen Hormonhaushalt sprich die Verbindung zwischen Eierstock und der Hypophyse im Gehirn ein. Sie funktioniert, indem sie dem Organismus vorgaukelt, schwanger zu sein und wer dies ist, kann es nicht mehr werden. Die Hormone verhindern den Eisprung und dass sich der Schleimpfropf, der den Muttermund verschließt, nicht auflöst, sondern verdichtet. Somit können keine Spermien eindringen. Es wird auch keine Gebärmutter-Schleimhaut aufgebaut, die für die Einbettung einer befruchteten Eizelle notwendig wäre. Östrogenfrei ist die Minipille. Sie bietet sich zur Verhütung an, wenn Östrogene, z.B. in der Stillzeit, nicht gefragt oder kontrainduziert, z.B. bei Raucherinnen, sind. Ihre Einnahme muss jeden Tag möglichst zur selben Tageszeit stattfinden, damit die Wirkung erhalten bleibt. Der Eisprung wird mit einer desogestrelhaltigen Minipille ebenfalls unterdrückt. Außerdem besteht die verhütende Wirkung darin, dass sich der Schleimpfropf am Muttermund derartig verfestigt, dass die männlichen Spermien nicht vordringen können. Aufgrund dieser Tatsache ist die Mikropille der Minipille in puncto Sicherheit deutlich überlegen. Welches der Pillenpräparate für die junge Frau geeignet ist, entscheiden Gynäkologin/Gynäkologe erst, wenn durch das Gespräch die Lebensumstände des Teenagers überblickt werden können und ein Feedback dazu beiträgt, wie die Pille vertragen wird.

Der Start in die Verhütung

Die Einnahme der Pille startet am ersten Tag der Blutung und wird 21 Tage lang fortgesetzt. Nun folgt eine Woche der Pillenpause, die in den folgenden Tagen eine Blutung zulässt. Da diese bei Teenagern sehr selten regelmäßig stattfindet und sogar gänzlich ausbleiben kann, wird ungeachtet dessen nach 7 Tagen mit der nächsten Pillenpackung begonnen. Damit ist auch bei unregelmäßiger Entzugsblutung oder einem Ausbleiben der Regel die Verhütung gesichert. Das Ausbleiben der Blutung sollte aber ärztlicherseits abgeklärt werden. Wird die Pilleneinnahme vergessen, kann diese innerhalb von 12 Stunden nachgeholt werden. Bei einer Überschreitung dieser Zeitvorgabe ist Vorsicht geboten, vor allem dann, wenn Geschlechtsverkehr stattgefunden hat. In diesem Fall sollte der Frauenarzt unbedingt befragt werden, wie der weitere Einnahmemodus gestaltet werden soll. Meistens wird die Pille weiter eingenommen, bis der Zyklus beendet ist und zusätzlich mit Kondomen verhütet. Mit dem ersten Tag der Einnahme beginnt der Schutz vor einer Schwangerschaft. Dieser besteht auch während der Pillenpause und inzwischen gibt es neue Präparate, die keine Pause mehr vorsehen. Einige der Pillen enthalten keinen Wirkstoff (Placebo) und nach deren Einnahme setzt meist eine schwache Blutung ein.

Vorteile der Pille

Bei regelmäßiger Einnahme bietet die Pille eine nahezu 100%ige Sicherheit, eine Schwangerschaft zu verhindern. Antibiotika und andere Medikamente können den Schutz jedoch verringern. Der Sex kann angst- und stressfrei genossen werden, aber dem nicht genug: Um Infektionen zu verhindern, sollte der Schutz durch ein Kondom selbstverständlich sein. Dies gilt insbesondere, wenn die Partnerschaft neu ist und ein häufiger Wechsel stattfindet. Mit der Pilleneinnahme reguliert sich nach und nach der Zyklus, sodass sich die jeweilige Blutung voraussagen lässt. Schmerzzustände während der Regel nehmen deutlich ab. Meistens verbessert sich das Hautbild und entsprechende Pillen lassen ein Verschieben der Blutung vor Prüfungen oder sportlichen Herausforderungen zu.

Nachteile der Pille

Da die Inhaltsstoffe der Pille über den Magen-Darm-Trakt in den Blutkreislauf gelangen, kann der Schutz durch Erbrechen oder Durchfall außer Kraft gesetzt werden. In diesen Fällen ist die Einsicht erforderlich, entweder auf Sex zu verzichten oder auf der Benutzung eines Kondoms zu bestehen. Der Verdacht, dass die Pille den Appetit anregt und es zu einer Gewichtszunahme kommt, lässt sich in Studien nicht beweisen. Häufig wird über Brustspannen geklagt, das auf Wassereinlagerungen zurückzuführen ist und mit der Zeit vergeht. Eine in jungen Jahren seltene Nebenwirkung ist die Neigung zu Thrombosen. Das Risiko erhöht sich, wenn geraucht wird. Klagen über Schwindel, Übelkeit und Kopfschmerzen sind seltene Nebenwirkungen.

Übrigens: Für junge Mädchen und Frauen bis zum vollendeten 18. Lebensjahr werden die Kosten der Schwangerschaftsverhütung von den gesetzlichen Krankenkassen ganz übernommen. Von 18 bis 20 muss nur die Rezeptgebühr bezahlt werden. Eine Verschreibung der Pille unter 16 ist auch ohne Einwilligung der Eltern möglich, wenn die Reife des Mädchens vom Frauenarzt festgestellt wurde.

Die Ärztinnen und Ärzte des Berufsverbandes der Frauenärzte beraten in allen Fragen der Verhütung und sexuellen Aufklärung. Sie nehmen sich Zeit für ihre jungen Patientinnen.

 Von Maria-E. Lange-Ernst



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