Selbst Hochschwangere können und sollten möglichst bis zum Ende der Schwangerschaft regelmäßig leichten Sport treiben beziehungsweise sich möglichst viel bewegen. Dazu raten die Frauenärzte des Berufsverbandes der Frauenärzte (BVF) in München unter Berufung auf eine aktuelle Studie, die in der Fachzeitschrift International Journal of Obesity veröffentlicht wurde. „Moderate sportliche Betätigung während einer normal verlaufenden Schwangerschaft schadet weder dem Kind noch der Mutter, sondern hat gesundheitliche Vorteile für beide", betont Dr. Klaus König, Vizepräsident des BVF. Das hat eine Untersuchung mit 160 gesunden Schwangeren im Alter zwischen 25 und 25 Jahren ergeben, die keinerlei Risikofaktoren für eine Frühgeburt aufwiesen und bisher einen eher gemütlichen Lebensstil mit weniger als einer Stunde Sport pro Woche führten.
Während des zweiten und dritten Trimesters ihrer Schwangerschaft nahm die Hälfte der Studienteilnehmerinnen an einem Trainingsprogramm unter ärztlicher Anleitung teil, die andere Hälfte fungierte als Kontrollgruppe. Fortlaufend - das heißt vor und während der Schwangerschaft sowie nach der Geburt - wurden die Körpergröße bei den Babys und das Körpergewicht bei allen Müttern und Kindern ermittelt. „Während der Schwangerschaft ergaben sich zwischen der Sport- und der Kontrollgruppe keinerlei Unterschiede hinsichtlich des Gewichts oder der Körpergröße der Kinder", berichtet Dr. König. „Daraus lässt sich schließen, dass leichter Sport im zweiten und dritten Schwangerschaftstrimester keine negativen Auswirkungen auf die Gesundheit des im Bauch heranwachsenden Kindes hat. Mütter müssen nicht befürchten, dass sportliche Aktivitäten - wie übrigens auch Arbeitstätigkeiten - in der Schwangerschaft einen ungünstigen Einfluss auf ihr Baby haben könnten - wie etwa eine Minderversorgung oder ein erhöhtes Risiko für Frühgeburten."
Schützt vor Schwangerschaftsdiabetes und Übergewicht des Kindes
Im Hinblick auf das Gewicht des Kindes bei der Geburt traten beim Vergleich der Sportgruppe mit der Kontrollgruppe jedoch Unterschiede auf. „Ohne sportliche Betätigung in der Schwangerschaft wird das Geburtsgewicht des Kindes offenbar ganz maßgeblich vom Gewicht der Mutter bei Eintritt der Schwangerschaft beeinflusst. Frauen, die bereits vor der Schwangerschaft relativ viel wiegen und in der Schwangerschaft keinen Sport treiben, bekommen vergleichsweise schwere Kinder", erläutert der niedergelassene Gynäkologe. „Demgegenüber konnte in der Sportgruppe dieser Zusammenhang nicht festgestellt werden. Vermutlich ist dies darauf zurückzuführen, dass regelmäßige körperliche Bewegung die Empfindlichkeit gegenüber Insulin erhöht, woraufhin die Zellen mehr Zucker aus dem Blut aufnehmen, so dass der Blutzuckerspiegel sinkt. Insofern verringert sich zum einen bei sportlich aktiven Schwangeren das Risiko für einen Schwangerschaftsdiabetes, gleichzeitig wird offenbar auch entsprechend weniger Zucker zum Fötus weitertransportiert, wodurch das Heranwachsende vor Übergewicht geschützt ist." Normalgewichtige Babys - mit einem Geburtsgewicht unter vier Kilo - bringen den Vorteil mit sich, dass weniger Komplikationen bei der Geburt auftreten und ihr Risiko geringer ist, später als Erwachsene an Diabetes zu erkranken.