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11.11.2009 Regionales Projekt „MaiStep“ soll Kinder und Jugendliche vor Essstörungen schützen
Im Oktober startet MaiStep für rund 1800 Schülerinnen und Schüler an neun Schulen im Land. In fünf Trainingseinheiten im Zeitraum von fünf Wochen werden die 13- und 14-Jährigen darin unterstützt, ein gesundes Bewusstsein für ihren Körper zu entwickeln. Die Zahl der erkrankten Mädchen und auch Jungen in Deutschland steigt, und die Betroffenen werden nach den Erfahrungen der Experten immer jünger. Rund ein Prozent der Deutschen erkranke an Magersucht, bis zu drei Prozent an Ess- und Brechsucht, etwa vier Prozent an anderen Formen von Essstörungen. „Auf 20 erkrankte Mädchen kommt ein Junge", zitiert Diplompsychologe Arne Bürger, der MaiStep betreut, die Statistik. Die Ursachen dafür sind vielfältig. Neben biologischen Faktoren spielten vor allem individuelle Aspekte eine Rolle. „Während der Pubertät stecken die Jugendlichen in einer Identitätsfindungskrise, manche kriegen ihr Leben nicht geregelt", sagt Huss. Sind die Belastungen zu hoch, könne die Entwicklung einer Essstörung ein möglicher Bewältigungsversuch sein. Das Umfeld reagiere auf den Gewichtsverlust zunächst mit Komplimenten. Dies sporne Betroffene weiter an, bis sie schließlich keine Kontrolle mehr über ihren Körper hätten. Die Folgen von extremer Gewichtsabnahme seien neben Depressionen unter anderem Organschäden, Knochenschwund, Herzrhythmusstörungen und Wachstumsstopp. Nicht selten führe die Krankheit zum Tod. „Der Druck von Gleichaltrigen ist brutal groß", erklärt Huss. Das Aussehen spiele bei Jugendlichen eine immer wichtigere Rolle. „Die Kleidung muss eng am Körper anliegen, der Bauchnabel frei sein ausgerechnet eine Stelle, an der sich gerne Speck ablagert", erklärt der Vater von vier Kindern die gängigen Schönheitsvorstellungen. Aber auch das über die Medien vermittelte Ideal mit der Gleichung „wer schlank ist, ist erfolgreich" sei mitverantwortlich für die Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper. Bei MaiStep lernen die Jugendlichen, wie subjektiv Schönheit ist. „Früher galten fülligere Frauen als attraktiv, die dünnen Models auf den Plakaten heute sind keine Menschen mehr, sondern computergestylt und in die Länge gezogen", kritisiert der 45-jährige Mediziner, der vor zwei Jahren aus Berlin nach Mainz kam. „Wir zeigen keine Fotos von abgehungerten Frauen oder reden über die Symptome und Diätpläne von Essgestörten. Das kann unter Umständen die Situation verschlimmern", erklärt Bürger. Stattdessen sollen viele körperbezogene Übungen und Gespräche in Kleingruppen die Jugendlichen auf dem Weg zur selbstbewussten Persönlichkeit stärken. „Sie sollen lernen, sich selber nicht so kritisch zu bewerten und sich nicht den Kopf zerbrechen, was andere über sie denken." Bisher testete das fünfköpfige Forscherteam an einem Gymnasium in Nieder-Olm, wie die Übungen bei den Jugendlichen ankommen. „Das Programm hat unsere Schüler erreicht sie waren begeistert dabei", sagt der Mittelstufenleiter der Schule, Thomas Lelle. „Uns gefällt besonders, dass die Übungen nicht auf Abschreckung basieren, sondern die Botschaft an die Kinder lautet: "Steh zu dir"!" Künftig will seine Schule MaiStep fest in den Lehrplan der siebten Klassen integrieren. Besonders nachhaltig habe bei den Jugendlichen ein Film gewirkt, in dem zwei ganz gewöhnliche Teenies mit vielen Tricks und riesigem Aufwand zu Models gestylt werden. Dabei bekommt das Mädchen am Computer seine Zähne geradegerückt, das linke Auge des Jungen ist nicht symmetrisch genug und wird nachgebessert. „In der Klasse wird anschließend darüber diskutiert, was Sympathie ausmacht und erkannt, dass Schönheit keine Garantie ist, gemocht zu werden", beschreibt Psychologe Bürger eine Übung. Ob das Konzept nachhaltig wirkt, könne erst durch die begleitende Studie festgestellt werden. „Das Programm soll künftig von uns unabhängig sein", erklärt Huss. Geplant sind ein Handbuch und ein Koffer mit Materialien, damit Lehrer die Präventionsübungen selbstständig mit den Klassen machen können. Weitere Meldungen zum Thema:
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Zwei Drittel aller Mädchen machen während ihrer Pubertät eine Diät, rund 30 Prozent der Gymnasiastinnen haben laut Studien erste Symptome von Essstörungen. „Der Übergang von einer Diät zu einer ernsthaften Essstörung ist oft fließend", sagt der Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz, Michael Huss. Mit dem neuen „Mainzer Schultraining zur Essstörungsprävention", kurz: MaiStep, will die Klinik zusammen mit dem Sozial- und dem Bildungsministerium in Rheinland-Pfalz sowie dem MädchenHaus Mainz, FemMa e.V., diesen Krankheiten bei Jugendlichen vorbeugen.


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